Darum gehts
- Ohne Nase geht nichts beim Weindegustieren
- Die Nase kann man im Alltag trainieren
- Viele Aromen aus Küche und Garten finden sich auch im Wein wieder
Wenn man beim Degustationskurs fragt, wie die Teilnehmenden den ersten verkosteten Wein finden, erntet man meistens verlegenes Schweigen. Oder ein: «Sorry, ich verstehe leider nichts von Wein.» Wein schüchtert viele Leute ein, scheint von einer abgehobenen Aura umgeben zu sein, von etwas Intellektuellem, Geheimnisvollem, das sich nur vermeintlich Eingeweihten offenbart. Doch keine Sorge: Du brauchst nichts von Wein zu verstehen, um ihn verkosten und vor allem geniessen zu können!
Wein ist zwar mehr als ein grossartiges Getränk und Genussmittel – nämlich ein Kulturgut mit jahrtausendealter Geschichte und ein Symbol für die menschliche Zivilisation. Und natürlich macht es durchaus Spass, über Rebsorten, Terroirs und Vinifikationsarten zu fachsimpeln. Geniessen kann man Wein aber auch ohne viel Vorwissen. So wie Musik oder ein Gemälde. Man muss nur seine Sinne öffnen, schauen, riechen, schmecken …
Etwas für Schnüffelnasen
«Ich kann nur sagen, ob ich diesen Wein mag oder nicht», entschuldigen sich viele. Dabei ist das schon die halbe Miete. In einem zweiten Schritt geht es darum, herauszufinden, warum einem ein Wein schmeckt oder eben nicht. Wie man das lernt? Ganz einfach: durch Üben. Jeden Tag. Keine Angst, man braucht dafür nicht täglich eine Flasche Wein zu öffnen. Es genügt, im Alltag seine Nase zu gebrauchen. Denn die Nase ist das allerwichtigste Organ beim Degustieren.
Schnupper in der Küche an allem, was du schälst, rüstest und zuschneidest, an Früchten, Gemüsen, Käse, Kräutern, Pilzen, Gewürzen. Gehe mit offenen Sinnen spazieren, berausche dich am Duft von blühenden Blumen, frisch geschnittenem Gras, Heu oder Moos, rieche an abgefallenen Herbstblättern, an frischer Erde, atme den Duft von heissem Asphalt ein, auf dem die ersten Regentropfen zerplatzen.
Riechzellen wollen trainiert sein
Was das mit Wein zu tun hat? Mehr als du denkst. Denn die menschliche Nase ist ein kleines Wunderwerk. Im Vergleich zu einer Hundenase kann sie zwar einpacken, besitzt sie doch «nur» fünf bis zwanzig Millionen Riechzellen (im Gegensatz zu den 120 bis 300 Millionen des Hundes, der zudem über einen rund zehnmal grösseren Riechkolben im Hirn verfügt). Trotzdem ist sie mit etwas Übung in der Lage, Tausende von Aromen zu erkennen und auseinanderzuhalten.
Damit die feinen Duftstoffe des Weins nicht übertönt werden, verzichte vor einer Degustation am besten auf Parfüm oder Aftershave, denn das könnte deine Nase (oder die deiner Begleiter) empfindlich stören. Und auch wenn du dir bloss einen Apéro oder ein Glas Wein zum Essen gönnst: Bitte führe das Glas nicht zum Mund, um einen herzhaften Schluck zu nehmen, ohne zuvor ausgiebig am Wein geschnuppert zu haben. Du würdest dich dadurch um das halbe Vergnügen bringen. Mindestens!