Darum gehts
- kleine Holzfässer für den Warentransport gab es schon in der Antike
- Wein wurde damals allerdings in Tonamphoren transportiert
- in Bordeaux wurde das Barrique vom Transportfass zum Ausbaufass für Weine
Den Namen «Barrica» verdankt das kleine Holzfass den Kelten aus dem Südwesten Frankreichs. Sie lagerten und transportierten darin Bier, Getreide und eingesalzenen Hering.
Bei der letzten Belagerung einer keltischen Siedlung durch Julius Cäsar rollten die unbeugsamen Gallier brennende Barricas in die Lager der römischen Legionäre.
Tonamphoren waren beliebter
Ins Reich der Legenden gehört hingegen die Behauptung, das Barrique hätte seinen Namen von den Barrikaden, die in vergangenen Jahrhunderten im Zuge zahlreicher revolutionärer Umtriebe errichtet wurden. Es war eher andersrum.
Es dauerte bis zum Mittelalter, bis das kleine Holzfass sich als Transportgefäss für Wein durchsetzte. Der Grund: Das poröse Holz liess den Wein oxidieren. Gut verschlossene Tonamphoren hielten den Wein länger frisch und liessen sich auf Schiffen gut stapeln. Lediglich für den Weintransport auf dem holprigen Landweg wurden Holzfässer verwendet.
Genormte Fässer für den Export
Mit dem regen Weinhandel der Bordelaiser Château-Besitzer mit England erhielt das Fass seine festgelegten Masse. 225 Liter Wein fasst es seitdem. Die Normierung war für das Exportgeschäft extrem wichtig: Ein Hafenarbeiter konnte ein volles Barrique rollen und ein leeres alleine anheben.
Im 19. Jahrhundert lieferte Louis Gaspard d’Estournel – Gründer des berühmten Château Cos d'Estournel in Saint-Estèphe im Médoc – seine Weine auf dem Seeweg in den Nahen Osten und nach Indien.
Riskantes Geschäftsmodell
Nicht immer konnte aller Wein verkauft oder gegen andere Handelsgüter eingetauscht werden. Volle Barriques kamen zurück aufs Château, wurden beiseitegestellt und mit einem grossen roten «R» gekennzeichnet: «Retour des Indes», zurück aus Indien.
Louis Gaspard d'Estournel wollte die Weine nicht abschreiben, ohne sie probiert zu haben. Er stellte fest, dass die über die Weltmeere geschaukelten Weine besser waren als jene, die er im Keller hatte.
Der Maharadscha von Saint-Estèphe
Künftig bereisten alle seine Weine die Meere, die Fässer werbewirksam mit einem grossen, roten «R» markiert. D'Estournel wurde reich. Die Architektur des Châteaus erinnert noch an die gloriosen Zeiten, die dem innovativen Kaufmann und Winzer den Spitznamen «Maharadscha von Saint-Estèphe» eintrugen.
Doch diese Art des Weinausbaus ging ins Geld. D'Estournel musste sein Lebenswerk verkaufen. Doch seine Idee vom Weinausbau im kleinen Eichenholzfass blieb und verbreitete sich von Bordeaux aus in alle Weinregionen der Welt.