Das tut man im Carnotzet
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Du weisst nicht, was ein Carnotzet ist? Dann musst du dringend in die Waadt oder ins Wallis reisen und dich von einem Winzer in sein Heiligtum einladen lassen … Es lohnt sich!
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Jean-François Potterat in seinem Carnotzet in Cully.
Foto: Eva Zwahlen

Darum gehts

  • Vor allem in der Waadt und im Wallis hat fast jeder Winzer ein Carnotzet
  • Das ist ein intimer kleiner Raum, in dem Gäste empfangen werden
  • Im Carnotzet werden Weine degustiert, aber auch politische Ränke geschmiedet
Foto: Ringier Medien Schweiz, 12.01.26 Mitarbeiterportrait. Eva Zwahlen, Redaktorin Wein, Ringier Medien Schweiz.
Eva ZwahlenRedaktorin Wein

Carnotzet? Ein Begriff, der einem auf Schritt und Tritt begegnet, wenn man Westschweizer Winzer auf ihren Gütern besucht, der sich aber nicht wirklich übersetzen lässt. Aber erleben! Ein Carnotzet ist in der Regel ein kleiner, intimer Raum auf dem Weingut, oft im Kellergewölbe, in welchem der Winzer Freunden oder Kunden seine Weine zu probieren gibt. Ein Caveau übrigens ist gewissermassen ein Carnotzet in grösserem Rahmen, oft auch für die Öffentlichkeit zugänglich.

Im Carnotzet wird verkostet, über Wein gefachsimpelt, aber auch über Gott und die Welt gesprochen. Gerne verbindet sich das Carnotzet mit einem weiteren schönen Westschweizer Brauch: dem Apéro. Dann werden zum Wein die köstlich buttrigen Flûtes gereicht, vielleicht gibt es auch Käse und Brot oder aufgeschnittene Wurst.

Rustikal bis modern

Manches Carnotzet erinnert auf sympathische Art an ein Heimatmuseum. Ehrwürdige Brenten oder gar mächtige Vertikalpressen, Rebgeräte der Gross- und Urgrosseltern, alte Flaschen, ganze Kollektionen von kleinen, «Gobelets» genannten Gläschen oder Zapfenziehern zieren die Wände. Man nimmt Platz an antiken Holztischen und fühlt sich in eine andere Zeit versetzt, in der die Uhren noch nicht so schnell liefen wie heute.

Es gibt auch verblüffend moderne Carnotzets von schlichter Schönheit und bisweilen – etwa im Lavaux – sogar mit einer Aussicht, die einem fast den Atem raubt. Ob traditionell-rustikal oder stilvoll-zeitgemäss: Ins Carnotzet eines Winzers eingeladen zu werden, um ein Glas Wein (oder zwei) zu trinken, ist immer ein Vertrauensbeweis. Und eine willkommene Gelegenheit, mehr über Winzer und Wein zu erfahren.

Die goldene Regel

Klar, wer (nach telefonischer Voranmeldung) einen Winzer besucht und seine Zeit und Grosszügigkeit in Anspruch nimmt, um diverse Weine zu verkosten, der geht nicht mit leeren Händen von dannen, sondern kauft mindestens einen Sechserkarton Wein (den man sich gerne auch schicken lassen kann, falls man ohne Auto unterwegs ist).

Das ist die silberne Regel. Die goldene ist eine andere: Was im Carnotzet besprochen wird, das bleibt im Carnotzet. Nicht selten ist das Carnotzet nämlich auch der Ort, an dem Absprachen getroffen, Verträge besiegelt oder politische Allianzen geschlossen werden. Ganz im Geheimen natürlich … immer aber bei einem Glas Wein!

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