Darum gehts
- Das Nordpiemont ist eine wenig bekannte Weinregion
- Auch hier spielt die Sorte Nebbiolo eine wichtige Rolle
- Kühle Gletscherwinde und ein Supervulkan prägen die Weine
Alto Piemonte oder Nordpiemont heisst die Region westlich von Mailand und nördlich von Turin, die sich mit Barolo und Barbaresco nur die berühmte Traubensorte teilt, ansonsten aber einen ganz anderen Kurs fährt. Nebbiolo heisst im Nordpiemont Spanna und die Weine dürfen je nach Region einen kleinen Anteil der roten Sorten Vespolina oder Uva Rara enthalten.
In der Gegend standen einst 40'000 Hektar Reben und in den 1930ern war die heutige DOCG Gattinara das Flagschiff des Piemonts. Aktuell stehen im Nordpiemont schätzungsweise noch 700 Hektar, verteilt auf achtzehn Appellationen, in denen rund ein Zehntel der Piemonteser Weine gekeltert werden.
Dornröschenschlaf
Was war passiert? Nach dem Zweiten Weltkrieg boomte die Region. Die Wirtschaftsmetropole Mailand lockte mit Arbeitsplätzen in der Industrie und im Dienstleistungssektor. Und die Jungen entschieden sich für Nine-to-five-Jobs mit geregelten Ferien, regelmässigem Einkommen und freien Wochenenden. Die Rebfläche schrumpfte.
Doch seit einigen Jahren erfährt das Nordpiemont mehr Aufmerksamkeit. Vergandete Flächen werden wieder mit Reben bestockt und in den Tälern im Nordwesten wagen junge Winzer einen Neuanfang.
Der Mini-Boom hat zwei Gründe: Zum einen hat wenig Bekanntes auf Weintrinker eine enorme Anziehungskraft, zum anderen orientieren sich auch Produzenten aus Barolo und Barbaresco immer öfters Richtung Norden.
Mehr Frische und Eleganz
Berühmtes Beispiel ist Roberto Conterno (Weingut Giacomo Conterno), der seit 2012 die Cantina Nervi in der DOCG Gattinara als Önologe beriet und 2018 das Gut kaufte.
Im Alto Piemonte wird es weniger heiss als in den Hügeln im Südwesten. Das liegt an den kühlen Fallwinden von den Gletschern des Monte-Rosa-Massivs. Die Nebbiolo-Trauben reifen darum länger, die Alkoholwerte schnellen nicht so rapide in die Höhe, die Säure ist frischer und die Tannine sind einen Tick eleganter.
Umgekippter Supervulkan
Der Untergrund im Nordpiemont ist weniger kalkhaltig als in der Langhe oder in der Asti-Region im Süden. In den Herkunftsgebieten Gattinara und Boca prägt ein Supervulkan das Terroir.
Der Ausbruch vor 280 Millionen Jahren soll die Sprengkraft von 250 Atombomben gehabt haben. Tektonische Bewegungen kippten den Vulkankegel vor rund 30 Millionen Jahren um und holten so die untersten Schichten an die Oberfläche, die zu idealen Weinbergböden verwitterten.