Einfach Claudio fragen
Wie langweilig darf Kaffee sein?

Viele Coffeeshops haben inzwischen eine riesige Auswahl an Kaffeekreationen im Angebot. Claudio Del Principe findet deutliche Worte zu diesen Trends.
Publiziert: 11:01 Uhr
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Aktualisiert: 12:22 Uhr
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Claudio Del Principe zu Hause in Binningen BL. Auswärts trinkt er fast nie einen Kaffee – denn dieser schmeckt ihm nicht.
Foto: Linda Käsbohrer

Darum gehts

  • Leserin fühlt sich vom langen Kaffeemenü überfordert
  • Del Principe verrät sein eigenes Kaffee-Ritual
  • Autor erklärt, wie Kaffee-Klassiker zubereitet werden
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Claudio Del PrincipeKolumnist

Leserin Svea fühlt sich vom immer länger werdenden Kaffeemenü überfordert: «Pistachio Latte, Coffbucha, Cold Brew, Mushroom oder Cloud Coffee, Espresso Tonic und so weiter. Was hältst du davon, dass es gefühlt immer mehr Varianten gibt, wie man seinen Kaffee trinken könnte?»

Ich? Gar nichts. Das überlasse ich denen, die gefühlt jeden Monat freiwillig in die Trendfalle tappen. Mein Tag beginnt immer gleich. Mit der zeremoniellen Zubereitung eines Cappuccinos, den ich nach einem strengen Ritual in aller Ruhe und mit frisch gefiltertem Wasser eigenhändig zubereite.

Selbstverständlich mit frisch gemahlenen Espressobohnen, aus einer sauteuren Siebträgermaschine mit Dualboiler, um auch einen perfekten Milchschaum aus vollfetter Kuhmilch zu schäumen. Klingt für angesagte Coffee Nerds vermutlich todlangweilig. Ich finde es andererseits komisch, dass dieselben Leute schwer beeindruckt sind, wenn jemand aus einer anderen Kultur, sagen wir mal Japan, zeremoniell Tee zubereitet.

Zwischendurch trinke ich Espresso. Der heisst in Italien übrigens einfach Caffè. Niemand bestellt in Italien Espresso. Mit Caffè ist alles gesagt. Kein Mensch kommt auf die aberwitzige Idee nach der Tassengrösse oder der Espressolänge zu fragen, nach dem bevorzugten Röstgrad oder nach dem gewünschten Verhältnis zwischen Arabica und Robusta. Wozu auch? Es gibt genau zwei Möglichkeiten. Entweder der Caffè ist eine 10 von 10 und haut dich aus den Socken, dann wirst du Stammkunde. Oder der Caffè ist scheisse, und du kommst nie wieder.

An besonders heissen Tagen bereite ich mir nachmittags gerne einen Caffè Shakerato zu. Der geht so: 2 Espressi, 2 Espressolöffel Zucker, 8 Eiswürfel, alles im Shaker mixen, bis dir die Hände einfrieren, dann in ein Martiniglas sieben. Der Anblick ist majestätisch. Ebenso der Trinkgenuss.

Wenn ich mir den Tag mit einer Extra-Portion versüssen will, gibt es hingegen einen Affogato. Der geht so: Kleines Tumblerglas, 2 Esslöffel Gelato Fior di latte hineingeben, Espresso darüberlaufen lassen. Langsam und genüsslich mit einem kleinen Espressolöffel auslöffeln.

Auswärts trinke ich so gut wie nie Kaffee. Es ist fast jedes Mal eine Enttäuschung. Was die Welt aus der italienischen Espressokultur gemacht hat, geht auf keine Kuhhaut. Aber der Gipfel der Frechheit ist, dass ich mir von selbst ernannten Espressoexperten sagen lassen muss, Italiener hätten keine Ahnung, was guter Kaffee ist. «Die rösten die Bohnen zu Tode!»

Dann wollen sie mich mit ihrem dünnflüssigen, sauren Gebräu (sie nennen es spannend und frisch) konvertieren. Aber ich sage nur: «Nenn es von mir aus Tee aus Kaffeebohnen, aber sag nie wieder Espresso zu dieser Pfütze.»

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