Darum gehts
- Blick stellt 5 Schweizer Firmen vor, die nachhaltig Gutes bewirken
- EcoRobotix spart bis zu 90 % Herbizide durch KI-gesteuerten Feldroboter
- Oxyle zersetzt über 99,9 % schädlicher PFAS und schützt Trinkwasser
Klimakrise, Kriege, Katastrophen: Wer die Nachrichten verfolgt, könnte den Glauben an die Menschheit verlieren. Doch der Eindruck kann auch täuschen. Wir helfen einander in Krisen und heilen Krankheiten. Menschen helfen Menschen, Tieren und Pflanzen. Nicht weil sie es müssen, sondern weil sie es für richtig befinden.
Abseits der grossen Krisenmeldungen gibt es konkrete Lösungsansätze. Blick hat fünf Schweizer Unternehmen gesucht, die mit innovativen Ideen versuchen, ökologische und gesellschaftliche Probleme im Kleinen wie im Grossen anzugehen.
EcoRobotix: die KI für Bauern und Umwelt
Ein Roboter, der Unkraut erkennt und gezielt abtötet und somit bis zu 90 Prozent Herbizide spart: Das klingt utopisch, aber die 2014 von Aurélien Demaurex und Steve Tanner gegründete Firma EcoRobotix hat einen autonomen, solar- und GPS-gesteuerten Feldroboter entwickelt. Mithilfe einer integrierten Kamera identifiziert das Gerät Unkraut und trägt über zwei Roboterarme eine Mikrodosis Herbizid auf. Diese gezielte Methode schützt Bodenorganismen und verhindert starke Bodenverdichtung. Ein sparsamer Einsatz von Pflanzenschutzmitteln schützt Mikroorganismen und das biologische Gleichgewicht im Boden. Das verbessert die Nährstoff- und Wasseraufnahme, stärkt die Abwehrkräfte der Pflanzen und sorgt für eine gesunde Bodenstruktur. Die Anschaffung ist allerdings teuer: Je nach Markt werden für eine neue ARA rund 250'000 bis 300'000 US-Dollar genannt, hinzu kommen jährliche Lizenzgebühren. Einen offiziellen Schweizer Listenpreis veröffentlicht EcoRobotix nicht.
Rrreefs: 3D-gedruckte Korallenriffe
Das Schweizer Start-up Rrreefs bekämpft das globale Korallensterben mit einem modularen System aus stapelbaren, 3D-gedruckten Tonbausteinen. Die spezielle Oberflächenstruktur bremst die Strömung ab, sodass sich Korallenlarven leicht ansiedeln und bereits nach wenigen Monaten eine hohe Artenvielfalt sowie Fischbestände zurückkehren. Laut dem Team sollten diese Strukturen nach einigen Jahren durch das Überwachsen von Korallen für das Auge komplett verschwinden. Für einen langfristigen Erfolg arbeitet das Team eng mit lokalen Gemeinschaften, Universitäten und Regierungen zusammen, um die Produktion und den Aufbau vor Ort zu verankern. Ziel ist es, die Wiederaufbau-Methode rasch zu skalieren und künftig ganze Küstenabschnitte nachhaltig zu regenerieren. Rrreefs wird vor allem durch Investoren, Unternehmen, Stiftungen und Spenden finanziert. Dazu kommen Einnahmen aus Projekten. 2026 sammelte das Zürcher Unternehmen über die Investmentplattform Oomnium rund 887'000 Franken von etwa 200 privaten Investoren ein.
Oxyle: Nanotechnologie gegen PFAS/Ewigkeitschemikalien
Das ETH-Spin-off Oxyle, gegründet von Fajer Mushtaq und Silvan Staufert, entwickelt innovative Technologien zur vollständigen und energieeffizienten Entfernung von PFAS, sogenannten Ewigkeitschemikalien, aus dem Wasser. Am Ursprung des Problems – etwa bei Industrieabwasser – spaltet das System mithilfe fotochemischer Verfahren die extrem stabilen Kohlenstoff-Fluor-Bindungen und baut über 99 Prozent dieser Schadstoffe rückstandslos in harmlose Bestandteile ab. Selbst besonders hartnäckige, ultrakurzkettige PFAS-Verbindungen wie Trifluoressigsäure können in Tests zu über 99,9 Prozent zersetzt werden, ohne dass gefährliche Zwischenprodukte zurückbleiben. So wird das Grund- und Trinkwasser geschützt. Für diesen wirkungsvollen Beitrag zur nachhaltigen Land- und Wasserwirtschaft wurde das Start-up mit dem Green Business Award 2026 ausgezeichnet. Zum Einsatz kommt die Technologie unter anderem bei kontaminiertem Grundwasser und in Industrieabwässern. Oxyle arbeitet dabei vor allem mit Unternehmen aus der Industrie zusammen, deren Abwasser mit PFAS belastet sind.
Aeler Technologies: neues Design, weniger CO 2
Das Schweizer Unternehmen Aeler hat mit der «Unit One» einen intelligenten Container entwickelt, der CO2-Emissionen im Transportwesen auf Wasser um rund 28 Prozent pro Jahr reduziert. Durch dünnere Wände bietet der Container mehr Ladekapazität – so lassen sich beispielsweise 27 statt 24 Tonnen Flüssigkeit transportieren, was die Gesamtzahl der benötigten Fahrten deutlich verringert. Gleichzeitig erübrigt das isolierende Design den Einsatz von Einweg-Plastikschutzfolien sowie stromintensiver Zusatzkühlung für empfindliche Frachten. Die Technologie optimiert somit CO2-Fussabdruckdruck pro Frachtstück und schont durch Müllvermeidung die Umwelt. Die Technologie ist längst nicht mehr nur ein Prototyp. Aeler setzt die Container unter anderem für den Transport von Waschmittel, Pharmazeutika, Getränkekonzentraten und Luxusgütern ein. Ein grosser Konsumgüterhersteller transportierte beispielsweise Waschmittel zwischen Grossbritannien und der Türkei und konnte dank der höheren Ladekapazität 27 statt rund 24 Tonnen pro Container befördern.
Surprise: ein Herz für Randständige
Surprise unterstützt seit 1998 sozial benachteiligte Menschen in der Schweiz. Mit Erwerbsmöglichkeiten und niederschwelliger Begleitung bietet Surprise Hilfe zur Selbsthilfe: So verdienen Armutsbetroffene zum Beispiel beim Verkauf des gleichnamigen Strassenmagazins ihr eigenes Geld, während sie als Guides der sozialen Stadtrundgänge persönliche Einblicke gewähren, Vorurteile abbauen und gesellschaftliche Teilhabe erfahren. Surprise sensibilisiert die Öffentlichkeit für soziale Gerechtigkeit, wirbt für gesellschaftliche Vielfältigkeit und stellt fachliche Expertise zur Verfügung.