Darum gehts
- Nach Sommerparty erkrankte Katze Twylita an Bauchspeicheldrüsenentzündung, Klinikbesuche nötig
- Fünf Kliniken besucht, 3500 Dollar Behandlungskosten, emotionale Belastung für Besitzer
- Nach 24 Stunden Entwarnung, Genesung mit Victor auf Sofa, jetzt wieder fit
Kurz nach unserer Sommerparty verschwand Twylita, eine unserer siamesischen Prinzessinnen, Herrscherinnen über unseren Alltag. Beide Katzen mögen keine Partys und überhaupt keinen Besuch, in erster Linie, weil diese fremden Menschen Victors Aufmerksamkeit von ihnen weg und auf sich lenken: Majestätsbeleidigung!
Doch normalerweise lockt sie das Geräusch einer Futterdose, die geöffnet wird, wieder an. Doch während Tildeli beide Näpfe leerfrass, lag Twylita matt unter Victors Schreibtisch und rührte sich nicht.
Odyssee durch die Notfallkliniken
Unsere Tierärztin verwies uns an den Notfall. Doch die ersten drei Kliniken auf der Liste lehnten uns wegen Überlastung von vornherein ab. In der vierten wartete Victor bis morgens um zwei, bevor er das Büsi unbehandelt wieder nach Hause brachte. In der fünften Klinik erkannte er einige der Mitwartenden vom Vortag wieder, die genau wie er irgendwann aufgegeben hatten. Sie tauschten Erfahrungsberichte und Zahlungsmöglichkeiten aus, denn Tierkliniken sind ziemlich teuer hier, und oft muss man im Voraus bezahlen. Irgendwann kam Twylita endlich dran, es wurde eine Bauchspeicheldrüsenentzündung diagnostiziert, man würde sie zwei Tage hierbehalten, das macht 3500 Dollar, bitte.
In den folgenden Tagen konnte ich bei Victor eine Gefühlsachterbahn beobachten, deren Ablauf ich nur zu gut kenne. Und es soll mir jetzt niemand sagen, das sei doch nicht dasselbe, das könne man nicht vergleichen.
So oft ich mich über die feline Diktatur beschwere, ich weiss, dass die Katzen mehr für Victors Überleben tun als ich. Oder wache ich etwa nachts auf, weil ich spüre, dass sein Blutzuckerspiegel drastisch absackt? Hört er auf mich, wenn ich ihm nahelege, sich auszuruhen? Nein, das können nur die Katzen.
Getrennt und doch im Gleichgleichschritt
Und so erstaunte es mich gar nicht, dass Victor tagelang zu nichts zu gebrauchen war. Kaum war die akute Gefahr gebannt, fuhr ihm der Schrecken in die Knochen: Das hätte auch anders ausgehen können. Genau so geht es mir jeweils auch. Ich breche erst dann in Tränen aus, wenn das Schlimmste vorüber ist.
Die Tierklinik erlaubt keine Besuche, gibt aber regelmässige Updates. Victor starrte sein Telefon an, nicht in der Lage, an etwas anderes zu denken. Auch das kenne ich. Es berührte mich seltsam und ganz tief, ihn so zu sehen. So genau zu wissen, was er durchmachte. Und natürlich fühlte ich selbst auch mit, aber von dieser Symbiose, die Victor mit den Katzen verbindet, bin ich ganz klar ausgeschlossen.
Endlich wieder Katzen-Fernsehen
Nach 24 Stunden kam die erlösende Nachricht, Twylita sei über den Berg. Allerdings habe sie noch nichts gefressen. Ob Victor vorbeikommen könne, um sie zu füttern. Auch das kenne ich, ich bringe oft Essen von zu Hause ins Krankenhaus, warme Decken und zusätzliche Kissen. Als Twylita Victor sah, hechtete sie mit einem Satz aus den Armen der Pflegerin in seine. Sie frass aus seiner Hand und schlüpfte dann gleich in die Transportkiste: «Ich will nach Hause.»
Die Genesungsphase verlief deutlich kürzer als bei Victor, aber ansonsten genau gleich. Es wurde erst besser, dann wieder schlimmer und endlich ganz gut. In diesen Tagen lag er oft mit ihr auf dem Sofa, sie schauten zusammen auf den Baum vor dem Fenster, in dem immer irgendwelche Vögel einen Zwischenhalt einlegen. «Katzen-Fernsehen», nennt Victor diesen Ausblick.
Dann endlich sprang sie auf, streckte sich und folgte ihrer Schwester in den Garten.
«Ich bin vollkommen durcheinander», sagte Victor. «Ich muss mich jetzt auch erst mal erholen.»
Ich nickte nur.