Darum gehts
- Rebecca Reusch verschwand am 18. Februar 2019 in Berlin-Britz spurlos
- Schwager Florian R. bleibt Hauptverdächtiger
- 3500 Hinweise gingen ein, doch Durchbruch und Beweise fehlen weiterhin
Die damals 15-jährige Rebecca Reusch übernachtete vom 17. auf den 18. Februar 2019 bei ihrer Schwester Jessica (34), ihrem Schwager Florian R.* (34) und deren kleinen Tochter. Am Morgen des 18. Februar rief Rebeccas Mutter an, um sie für die Schule zu wecken – ohne Erfolg. Da Jessica das Haus bereits gegen 7 Uhr verlassen hatte, um ihre Tochter in die Kita zu bringen, bat sie Florian R., Rebecca zu wecken. Zunächst ignorierte er ihren Anruf, später meldete er sich zurück und behauptete, Rebecca sei bereits gegangen.
Die Ermittler sind sich früh einig: Rebecca hat das Haus nicht lebend verlassen. Ihr Schwager gerät sofort unter Verdacht. Florian R. behauptet, erst gegen 5.45 Uhr betrunken von einer Betriebsfeier nach Hause gekommen zu sein. Auffällig: Am Morgen von Rebeccas Verschwinden recherchierte er im Internet nach Fessel-Sex-Pornos.
Um 10.47 Uhr wird sein himbeerfarbener Renault Twingo auf der Autobahn A12 Richtung Frankfurt (Oder) erfasst – am nächsten Tag um 22.39 Uhr erneut in umgekehrte Fahrtrichtung. Florian R. erklärt die Fahrten mit Drogengeschäften in Polen. Ein gesondertes Verfahren wegen eines möglichen Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz wird nicht eingeleitet. Das Ausbleiben eines separaten Verfahrens spreche dafür, dass diese Angaben offenbar nicht hinreichend belegt gewesen seien, so der frühere Mordermittler Axel Petermann gegenüber «Bild».
An Bademantel fehlte der Gürtel
Weitere Hinweise liefert ein USB-Stick von Google (Dublin) mit verschlüsselten Nutzerdaten. Eine Auswertung des Landeskriminalamtes ergibt, dass das Handy von Florian R. in der Nacht und am Morgen aktiv war und auf diesem Pornowebsites mit Fessel- und Strangulationspraktiken aufgerufen wurden.
Die Polizei durchsucht daraufhin sein Haus nach möglichen Tatmitteln. An einem Bademantel fehlt der Gürtel. Die Familie erklärt später gemäss «Berliner Kurier», er sei beim Spielen benutzt, verschmutzt und anschliessend entsorgt worden.
Zweimal U-Haft und kein Prozess
Florian R. wird im Februar 2019 festgenommen. Er kommt in Untersuchungshaft, wird allerdings mangels Beweisen wieder auf freien Fuss gesetzt. Im März 2019 kommt er erneut in Untersuchungshaft – und kommt erneut frei.
Der Schwager von Rebecca gilt weiterhin als Beschuldigter, bestreitet jedoch jede Tatbeteiligung. Berichten zufolge arbeitet er inzwischen nicht mehr als Koch, sondern im Betrieb seines Schwiegervaters.
Mord verjährt nicht
Bisher gingen bei den Ermittlern rund 3500 Hinweise ein. Allein seit der erneuten Suche im Oktober 2025 erhielten sie 150 weitere Hinweise. «Die kriminaltechnischen Untersuchungen der gesicherten Spuren dauern weiterhin an», sagte Staatsanwaltschaftssprecher Alan Bauer gegenüber «Bild». Doch einen Durchbruch gab es bislang nicht.
Fallanalytiker Axel Petermann warnt: «Ohne neue, belastbare Beweise wäre eine Anklage mit erheblichem Risiko verbunden.» Ein Freispruch würde nach dem Grundsatz «ne bis in idem» (zu Deutsch: «nicht zweimal in derselben Sache») ein weiteres Verfahren unmöglich machen – auch im Falle neuer Beweise.
Zugleich betont Petermann: «In manchen Fällen melden sich Zeugen erst Jahre später, weil sie zuvor in einer engen Beziehung zum Täter standen oder aus Angst geschwiegen haben. Auch Täter selbst können sich nach langer Zeit stellen, da sie mit der Schuld nicht mehr leben können.»
* Name bekannt