An der HSG formiert sich Widerstand
Umstrittener US-Blogger Curtis Yarvin kommt nach St. Gallen

Der umstrittene Blogger Curtis Yarvin (52) tritt am Mittwoch am St. Gallen Symposium auf. Dagegen regt sich Widerstand: HSG-Mitarbeiter fordern Rektor Manuel Ammann auf, sich von Yarvin zu distanzieren
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Der umstrittene Blogger Curtis Yarvin tritt am Mittwoch am St. Gallen Symposium auf.
Foto: Curtis Yarvin/Wikipedia

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • US-Blogger Curtis Yarvin spricht am Mittwoch am St. Gallen Symposium über Tech-Monarchie
  • Seine umstrittenen Thesen: CEOs als Herrscher, Demokratie als «adaptive Fiktion»
  • Seit 27. April offener Brief an HSG gegen Yarvins Einladung, 55 Unterschriften
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Gina Grace ZurbrüggRedaktorin News

Die Demokratie lehnt er nicht nur ab, sondern beschreibt sie als «adaptive Fiktion», die er durch eine Tech-Monarchie ersetzen will, in der wenige CEOs die Macht haben. Als Gegner bezeichnet er Vertreter der «alten Weltordnung» wie demokratisch gewählte Politikerinnen und Politiker, Universitäten und Mainstream-Medien, wie er in seinem Blog immer wieder schreibt.

Seit dem 27. April kursiert unter der Professorenschaft ein offener Brief in englischer Sprache, der Senat und Rektor Ammann auffordert, sich als Universität von Curtis Yarvin (52) zu distanzieren. Auch unter Studierenden gibt es laut dem «St. Galler Tagblatt» Irritationen über die Einladung des US-Bloggers.

Nähe zur HSG sorgt für Diskussionen

Obwohl das Symposium formal unabhängig ist, ist es eng mit der HSG verbunden, da es auf dem Campus stattfindet, von Studierenden organisiert und von Professoren begleitet wird und Rektor Manuel Ammann die Eröffnung übernimmt. Am Mittwoch tritt Yarvin gleich zweimal beim Symposium in St. Gallen auf, direkt nach der Eröffnungszeremonie in einem Streitgespräch mit dem bulgarischen Politologen Ivan Krastev (61), einem Vertreter liberaler Demokratien, sowie anschliessend im Square in einem einstündigen Gespräch mit HSG-Professorin Claudia Brühwiler (44).

In der über 55-jährigen Geschichte des St. Gallen Symposium dürfte kaum je ein Redner mit derart umstrittenen Ansichten eine so prominente Plattform erhalten haben. Das Symposium versteht sich als weltweit führende Plattform für den generationenübergreifenden Dialog. Das diesjährige Thema lautet «Disrupted Age», was so viel wie «beeinträchtigtes Zeitalter» bedeutet.

CEOs als «Könige» Yarvins Vision einer Tech-Monarchie

In Yarvins «Philosophie», dem sogenannten «Neokameralismus», funktionieren Staaten wie Unternehmen. Ein CEO als Alleinherrscher soll effizienter regieren und angeblich das Beste für die Gesellschaft hervorbringen. Daraus leitet er ab, dass monarchische Strukturen der Demokratie überlegen seien und diese ersetzt werden sollte. 2024 trat Yarvin zudem in der «Charlie Kirk Show» auf und zeigte sich dort einig mit dem rechten Aktivisten.

Hier hat Charlie Kirk Curtis Yarvin interviewt
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Widerstand gegen US-Blogger:Hier hat Charlie Kirk Curtis Yarvin interviewt

Yarvin gilt als Mitbegründer der neoreaktionären Bewegung (NRx), einer antidemokratischen und antiegalitären Philosophie mit Einfluss auf Teile der amerikanischen Rechten und des Silicon Valley. «Werden liberale Demokratien erneuert oder von einem anderen System abgelöst?» So kündigt das Symposium die Diskussion zwischen Yarvin und Krastev an – mit dem Publikum als Richter darüber, welches System überzeugender ist. Genau diese Offenheit kritisieren die Unterzeichnenden des offenen Briefes: Yarvins Vision einer Tech-Monarchie werde damit auf eine Stufe mit der liberalen Demokratie gestellt.

Die HSG soll ein Ort der «intellektuellen» Freiheit sein

Symposium-CEO Beat Ulrich verteidigt die Einladung im «St. Galler Tagblatt»: «Ideologisch einflussreiche Stimmen verlieren nicht durch Ausblendung an Wirkung, sondern durch fundierten Widerspruch.» Das Publikum könne die Argumente beider Seiten bewerten. Auch Professorin Claudia Brühwiler hält die Auseinandersetzung mit Yarvin für notwendig, um aktuelle Entwicklungen in den USA zu verstehen.

Die unterzeichnenden Uni-Mitarbeiter widersprechen deutlich. Zwar stehe die HSG für offene Debatten, doch Yarvins antidemokratische Positionen lägen «ausserhalb des akzeptablen Diskurses». Solche Einladungen würden extreme Ansichten legitimieren und salonfähig machen.

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