«Über Nacht Millionär»
50 Millionen Euro weg – Razzia bei Promi-Banditen

Gefälschte Videos von Politikern, Sportlern und Journalisten: In Albanien betrieb ein kriminelles Netzwerk mit Hunderten von Mitarbeitenden Anlagebetrug im grossen Stil. Jetzt haben Ermittler die Operation zerschlagen.
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Die Polizei hat ein Betrugsnetzwerk in der albanischen Hauptstadt Tirana zerschlagen.
Foto: Bundeskriminalamt Österreich

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die Polizei stürmt drei Callcenter in Albaniens Hauptstadt Tirana
  • Die Täter lockten die Opfer mit Deepfake-Videos echter Prominenter
  • Der Schaden beträgt wohl deutlich über 50 Millionen Euro – aber viele Opfer schweigen
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Tobias BolzernRedaktor Digital

891’735 Euro Bargeld, 449 Computer und 238 Handys: Das ist die Beute der Ermittler. Am 17. April hat die Polizei in Tirana (Albanien) drei Callcenter gestürmt. Sie zerschlugen damit ein Netzwerk, das in Europa und in Nordamerika mindestens 50 Millionen Euro geklaut hat. Zehn Personen wurden festgenommen.

Von aussen wirkte das Büro wie ein gewöhnliches Unternehmen: Teamleiter, Schichtpläne, HR-Abteilung, IT-Support. Bis zu 450 Angestellte arbeiteten in Teams von sechs bis acht Personen, aufgeteilt nach Zielsprache: Deutsch, Englisch, Italienisch, Griechisch, Spanisch. Dafür bekamen sie 800 Euro im Monat, plus Provision für jeden abgeschlossenen «Vertrag». Das Produkt der Firma? Betrug.

Fake-Videos als Köder

Den Kontakt zu den späteren Opfern knüpften die Täter über bezahlte Werbung in sozialen Netzwerken. Sie lockten mit vermeintlich guten Anlagen und traumhaften Renditen. Dazu dienten Fake-Videos und erfundene Artikel im Layout echter Medien. In einem der gefälschten Videos schaut der österreichische Bundespräsident in die Kamera und sagt: «Ich werde nicht behaupten, dass Sie über Nacht Millionär werden. Solche Versprechen geben Betrüger.» Dann preist er im Fake-Video eine Anlage mit Hunderten Euro Rendite täglich.

Neben dem Staatsoberhaupt missbrauchten die Täter für ihre Masche andere Promis, Sportler und Journalisten. Darunter der Moderator Armin Wolf, Fussballprofi David Alaba und Ex-Skistar Hermann Maier. Sie alle haben mit dem Betrug nichts zu tun.

Druck und viele Versprechen

Wer auf die Werbung klickte und sich registrierte, erhielt umgehend einen Anruf in der eigenen Sprache. Ein angeblicher Anlageberater verschaffte sich mit Software direkt Zugriff auf das Gerät des Opfers. Im fiktiven Anlagekonto erschienen Scheingewinne, der Druck für weitere Einzahlungen wuchs. In Wahrheit floss das Geld nie in Investments – es verschwand in einem internationalen Geldwäschenetzwerk, wie die Staatsanwaltschaft in Wien erklärt. 

Wer misstrauisch wurde, riskierte einen zweiten Betrug. Die Täter meldeten sich erneut, diesmal als Behörde, Anwalt oder Rückholservice. Sie behaupteten, am Fall zu arbeiten, und boten an, das verlorene Geld zurückzuholen. Dafür zockten sie die Opfer erneut ab.

Über 50 Millionen Euro Schaden

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Schaden 50 Millionen Euro deutlich übersteigt, auch weil viele Opfer schweigen. «Hinter jeder Anzeige steht ein Mensch, der sein Erspartes, sein Vertrauen und manchmal ein Stück Lebenssicherheit verloren hat», erklärt Reinhard Nosofsky vom österreichischen Bundeskriminalamt. Ob auch Schweizer unter den Opfern sind, ist zurzeit unklar. Die Auswertung der beschlagnahmten Datenträger läuft.

Ringier reicht Anzeige ein

Die Masche ist nicht neu. Betrüger schalteten in der Vergangenheit auch hierzulande Anzeigen mit Fake-Artikeln im Layout Schweizer Medienmarken – darunter das von Blick. Inhalt: erfundene Interviews und gefälschte Videos, in denen Promis für dubiose Geldanlagen werben. Ringier, zu dem der Blick gehört, hat 2025 bei der Bundesanwaltschaft Strafanzeige gegen Unbekannt eingereicht.

Die Masche ist nicht neu. Betrüger schalteten in der Vergangenheit auch hierzulande Anzeigen mit Fake-Artikeln im Layout Schweizer Medienmarken – darunter das von Blick. Inhalt: erfundene Interviews und gefälschte Videos, in denen Promis für dubiose Geldanlagen werben. Ringier, zu dem der Blick gehört, hat 2025 bei der Bundesanwaltschaft Strafanzeige gegen Unbekannt eingereicht.

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