Google-Technik treibt neue Siri AI voran
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Schweiz profitiert zuerst:Google-Technik treibt neue Siri AI voran

Blick-Digitalexperte Bolzern hat iOS 27 schon ausprobiert
KI verzaubert jetzt deine iPhone-Fotos – mit einem Haken

Mal verblüffend, mal verstörend: Das iPhone entfernt bald Objekte aus dem Bild, dreht den Blickwinkel und erweitert Fotos über ihren Rand. An der WWDC zeigte Apple, was ab Herbst möglich wird. Blick hat die neuen KI-Funktionen vorab getestet.
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Markieren, antippen, weg: Mit Clean Up entfernt das iPhone Objekte aus dem Bild. Blick-Digitalredaktor Tobias Bolzern testete die neuen KI-Funktionen an eigenen Bildern.
Foto: Tobias Bolzern

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • iPhone bearbeitet Fotos mit KI: entfernt, dreht und erweitert Bilder
  • Siri wird zum Chatbot, Kurzbefehle entstehen neu per Zuruf
  • Getestet in der Developer-Beta, fertig wird alles im Herbst
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Tobias BolzernRedaktor Digital

An der WWDC hat Apple gezeigt, wohin die Reise geht: Das iPhone soll ab Herbst Fotos umbauen, dich besser verstehen und Routinen auf Zuruf bauen. Blick hat einige der kommenden KI-Funktionen vorab getestet. Das Ergebnis schwankt zwischen verblüffend und verstörend. Wichtig dabei: Getestet wurde eine frühe Beta-Version von iOS 27. Bis zur fertigen Software im Herbst kann Apple noch nachbessern. Hier die vier wichtigsten Punkte.

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Super-Siri kennt dich

Der grösste Brocken der WWDC ist Siri AI, der runderneuerte Assistent. 108 Mal hat Apple den Begriff Siri an der Keynote gebraucht. Siri versteht nun Gespräche, liest mit, was auf dem Bildschirm steht, und greift auch auf Apps zu. Dafür nutzt Siri persönlichen Kontext: Termine, Fotos, Mails, Nachrichten. Diese Daten dienten nur dazu, eine Anfrage zu erfüllen, nicht dazu, ein Profil über den Nutzer zu bauen, betont Apple. Eine Art Dirigent entscheidet, welches Modell zum Einsatz kommt und welche Daten in Apples Private Cloud Compute landen. Dort werden Daten weder gespeichert noch sind sie für Apple oder andere lesbar. Die Cloud-Modelle basieren auf Googles Gemini, sind aber für Apple angepasst.

Siri AI heisst der neue KI-Assistent fürs iPhone. Den Chatbot gibt es zum Start im Herbst nur auf Englisch.
Foto: Tobias Bolzern

Was «Siri AI» alles so kann, zeigte Apple an Beispielen. Aus einem langen Mail einer Kollegin fischt Siri die Campingsachen und trägt sie in die Packliste in den Notizen ein. Oder man fragt nach dem Podcast, den die Schwester kürzlich empfahl, und spielt ihn ab. Alles lief auf einem iPhone, unter kontrollierten Bedingungen. Selbst im Alltag testen konnte ich Siri bisher nicht. Ein ausführlicher Test wird folgen. Lanciert wird Siri im Herbst – auch in der Schweiz, nicht aber der EU. Zum Start kann Siri AI nur Englisch. Verfügbar wird Siri AI sowieso nicht für alle sein. iOS 27 läuft zwar ab dem iPhone 11. Die neue Siri und Apple Intelligence (also unter anderem die Fotofunktionen weiter unten) benötigen mindestens ein iPhone 15 Pro oder ein iPhone 16. Und einige KI-Funktionen bleiben den Top-Modellen vorbehalten, dem iPhone Air und den 17-Pro-Geräten. Sie verlangen mehr Arbeitsspeicher. Dazu zählen individualisierbare Siri-Stimmen und die bessere Diktierfunktion.

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Aufgemotzte Foto-KI

Jahrelang grenzte sich Apple ab: Fotos sollten Wirklichkeit zeigen, nicht Erfundenes. «Menschen vertrauen darauf, dass ein Foto die Realität abbildet», sagte Softwarechef Craig Federighi noch 2024. Zwei Jahre später klingt das wie aus einer anderen Zeit. Mit den neuen Funktionen Extend und Spatial Reframe erfindet das iPhone nun das, was nie vor der Linse stand.

Mit Spatial Reframe lässt sich im Nachhinein ein Foto neu komponieren.
Foto: Tobias Bolzern

Am meisten verblüfft im Test Spatial Reframe. Technisch und optisch ist das wohl für viele die spektakulärste Funktion des neuen iPhone-Systems. Das Werkzeug verschiebt den Blickwinkel eines fertigen Fotos, und das Ergebnis überzeugt schon in dieser frühen Fassung. Bei einem Bild ergänzte die KI den verdeckten Teil eines Schuhs, passend zum anderen. Mich selbst veränderte sie dabei nie, nur die Perspektive. Bei gut einem Dutzend eigener Bilder reichte die Spanne von leichten Korrekturen bis zu deutlich gedrehten Winkeln. On-Device-Modelle bauen aus dem Foto erst eine räumliche 3D-Ansicht, in der man die Kameraposition dreht, schwenkt oder zoomt. Wo die verschobene Perspektive Lücken reisst, füllt sie ein KI-Modell auf Private Cloud Compute. Gibt die Szene genug Tiefe her, gelingt die Drehung mühelos. Fehlt sie, bleibt allerdings nur wenig Spielraum. Noch hat die Funktion etwas Mühe mit Text auf Bildern.

KI-Funktion: Original (links) und Spatial Reframe.
Foto: Tobias Bolzern

Extend erweitert das Foto über seine Ränder hinaus, höchstens um 25 Prozent. Im Test fällt die Erweiterung dezent aus, nur ein schmaler Streifen ringsherum, und gerade darum wirkt das Ergebnis so glaubwürdig. Die Grenzen zeigt der Test. Erweitern lässt sich nur ein echtes Foto, keine Screenshots und jedes Bild nur einmal.

Die neue Clean-Up-Funktion in der Fotos-App im Test mit Cloud- und lokaler KI.
Foto: Tobias Bolzern

Aufgerüstet hat Apple auch das Werkzeug Clean Up, das störende Objekte aus einem Bild tilgt. Im ersten Test zeigt sich der Sprung zum Vorgänger sofort: Tippt man auf ein schon markiertes Objekt, «Puff» ist es weg, ehe man zweimal hinschaut. Bei grösseren Flächen mit manueller Auswahl dauert es rund 15 Sekunden. Der Unterschied liegt unter der Haube. Clean Up kennt fortan zwei Modi. «High Quality» schickt das Bild in die Cloud. Hat man kein Netz oder schaltet zum Test den Flugmodus ein, bleibt nur «Fast», das lokale Modell. Und da landet man auch mal in einem David-Cronenberg-Film: Was die KI da für Gesichter fabriziert, kann einen bis in die Träume verfolgen. Für alle Foto-KI-Funktionen gelten Tageslimits. Wie hoch sie liegen, verrät Apple nicht. In der Beta-Phase fehlen sie noch ganz. Wo sie landen, will Apple im Lauf des Sommers bekanntgeben. Wer mehr braucht, soll zusätzliche Kontingente kaufen können. Jede KI-Bearbeitung wird in den Metadaten vermerkt. Ab Sommer verfügt jedes veränderte Bild über das unsichtbare Wasserzeichen SynthID von Google.

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Kurzbefehle auf Steroiden

Mit der App Kurzbefehle, auf Englisch Shortcuts, lassen sich Abläufe auf dem iPhone automatisieren: mehrere Schritte, über verschiedene Apps hinweg, ausgelöst zum Beispiel per Tipp, Uhrzeit oder Ort. Mächtig, aber kompliziert. Bisher musste man jede Aktion von Hand zusammenstecken, Variablen setzen, Apps verknüpfen. Das schreckte die meisten ab. Jetzt baut Siri den Ablauf. Man sagt in normaler Sprache, was passieren soll, und der Kurzbefehl steht in Sekunden. Vibe-Coding fürs iPhone, sozusagen. Was ich mir gebastelt habe: Fällt der Akku unter zehn Prozent, sagt das iPhone das laut an. Schaltet der Schlaf-Fokus ein, wird das Display monochrom, am Morgen kehrt die Farbe zurück. Zu Hause dimmt sich zur selben Zeit das Licht, damit der Abend ruhiger wird. Den Möglichkeiten sind kaum Grenzen gesetzt. Und wer einen guten Ablauf gebaut hat, kann ihn sogar mit anderen teilen. Fazit: Bisher war die App Kurzbefehle etwas für Tüftler. Jetzt versteht das Tool Klartext: Ein Satz genügt, und die Automation steht. Das öffnet eine Funktion, die lange nur wenige nutzten, für einen viel grösseren Kreis. Wer sich gern Routinen bastelt, braucht Siri sei Dank, jetzt keine Anleitungen mehr.

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Browser wird Späher

Ausprobiert habe ich auch «Notify Me», eine neue Funktion in Safari. Man bittet den Browser, eine Website im Auge zu behalten, und wird informiert, sobald sich darauf etwas ändert. Apple nennt als Beispiele etwa eine Veränderung beim Preis oder Produkte, die wieder verfügbar sind. Im Test liess ich Safari jeden Tag eine Nachrichtenseite prüfen. Tauchen neue Einträge auf, schickt das iPhone eine Push-Mitteilung. Funktioniert. Es tönt unspektakulär, ist aber praktisch. Aktuell prüft Safari täglich, wöchentlich oder monatlich. Ein stündliches Intervall soll folgen. Das ständige Neuladen einer Website von Hand erübrigt sich damit. Einen Haken hat die Sache: Die Überwachung gilt pro Gerät. Wer sie am iPhone einrichtet und auch am Mac will, muss sie dort ein zweites Mal anlegen.

PS: Ab Juli kann jeder die iOS 27 Public Beta ausprobieren. Hier registrieren. 

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