«Siri»-öser Umbau
Wird Apples Sorgenkind heute endlich erwachsen?

Verspätungen, Millionenbusse, gebrochene Versprechen: Apples Siri steckt in der Krise. Heute soll der grosse Neustart kommen, ausgerechnet am letzten Entwicklertreffen unter CEO Tim Cook.
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So soll das neue Siri aussehen: eine eigene App, Antworten wie von einem Chatbot. Noch ist es nur ein Rendering. Heute zeigt Apple, was davon wirklich kommt.
Foto: Google Gemini / Tobias Bolzern

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Neues Siri, iOS 27 und vielleicht neue Macs
  • Apple setzt verstärkt auf KI direkt auf dem Gerät
  • Die Keynote startet heute um 19 Uhr Schweizer Zeit
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Tobias BolzernRedaktor Digital

Tippen statt sprechen, Antworten wie von einem Chatbot und eine eigene App: Apples Siri soll erwachsen werden. Am Montag will Apple an seiner Entwicklerkonferenz WWDC zeigen, wie das aussehen soll. Offiziell bestätigt ist noch nichts. Doch die Erwartungen sind hoch.

Es wäre der grösste Umbau, seit Siri vor fast 15 Jahren startete. Und er kommt spät. Seit 2024 verspricht Apple ein klügeres Siri und kassierte eine Verspätung nach der anderen. Das schadet, auch finanziell: Für KI-Funktionen, die es versprach, aber nicht lieferte, zahlte Apple 250 Millionen Dollar, um eine Sammelklage beizulegen.

«Das meiste hängt an Siri»

Für Gadjo Sevilla, Analyst beim US-Marktforscher Emarketer, wird der aufgemotzte Assistent Dreh- und Angelpunkt der Konferenz. «Das meiste hängt an Siri», sagt er. Sevilla traut Apple zu, den Rückstand im KI-Rennen zu verkürzen. Nicht mit der besten KI, sondern mit dem besten Zusammenspiel auf den Geräten. «Was Apple an KI-Entwicklung fehlt, macht es durch die nahtlose Integration über seine Produkte und Dienste wett», sagt er zu Blick. Ein Siri, das künftig Aufgaben über iPhone, Mac und iPad hinweg erledige, könne so selbstverständlich werden wie das Teilen von Fotos via Airdrop.

Den Schub liefert ausgerechnet der grösste Rivale. Im Januar gaben Apple und Google eine Partnerschaft bekannt: Das neue Siri dürfte teilweise auf Googles KI-Modell Gemini aufbauen. Zu den Kosten schweigen beide Firmen. Berichten zufolge zahlt Apple aber rund eine Milliarde Dollar pro Jahr. Ein Fragezeichen gibts in puncto Privatsphäre. Laut «The Information» sollen komplexe Siri-Anfragen auf Googles Servern landen. Verschlüsselt zwar, aber auch das wäre eine Kehrtwende vom ursprünglichen Versprechen.

Apples heimlicher Trumpf

Für die schwersten Aufgaben mietet Apple also fremde Hirnleistung. Die eigentliche Wette läuft in die andere Richtung – und geht im Siri-Lärm vielleicht fast unter. Laut «The Information» schrumpft Apple Googles KI-Modell so weit, bis es direkt auf dem Gerät läuft: auf den Milliarden iPhones, iPads und Macs, die längst im Umlauf sind. Das ist privater, weil viele Daten das Gerät nie verlassen. Und vor allem billig. Während die Konkurrenz Milliarden in gigantische KI-Rechenzentren buttert: Meta gab 72, Microsoft 88 Milliarden Dollar allein letztes Jahr aus. Apple steckte im gleichen Zeitraum «nur» 12,7 Milliarden in seine Anlagen, also in Läden, Büros, Maschinen und ein paar Rechenzentren.

Ins Bild passt die erwartete Hardware, auch wenn diese erst im Herbst kommen könnte: ein neues Apple TV, ein verbesserter Homepod mini, dazu Gerüchte um einen Mac Mini mit M5-Chip. Apples M-Prozessoren gelten als besonders stark, wenn KI lokal läuft. Doch die Konkurrenz schläft nicht: Nvidia enthüllte Ende Mai den RTX Spark, einen Superchip, der grosse KI-Modelle direkt auf dem Gerät ausführt. Erste Geräte sollen im Herbst erscheinen.

Abschied von Tim Cook

Neben Siri geht es am Montag auch um iOS 27. Das iPhone-Betriebssystem soll aufgeräumter daherkommen: weniger Fehler, mehr Tempo, ein ruhigeres Design im Liquid-Glass-Look. Neue Software gibts auch für Apple Watch und Macs. Klar ist, eines genügt diesmal nicht: ein hochglanzpoliertes Video. Genau das zeigte Apple 2024 und lieferte danach zwei Jahre lang nichts. Diesmal wollen Beobachter am liebsten eine Demo sehen – live, Pannen inklusive.

Für Tim Cook steht besonders viel auf dem Spiel. Es ist seine letzte WWDC als Apple-Chef: Im September übergibt er an Hardware-Mann John Ternus. Er selbst wird dann Verwaltungsratspräsident von Apple. Das neue Siri wird Cooks letzter grosser Wurf und zeigt, wo die Firma in der KI-Ära hingeht.

Die Antworten gibt es ab Montag, 19 Uhr Schweizer Zeit. Blick berichtet live.

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