«In den ersten Demos sieht Omni stark aus»
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Neue Video-KI:«In den ersten Demos sieht Omni stark aus»

7 Highlights der Konferenz
«Grösste Änderung der Suche seit 25 Jahren»

Google hat heute Gemini 3.5 Flash enthüllt. Das KI-Modell ist schneller und günstiger als die Vorgänger und treibt eine Reihe neuer Tools an: einen Warenkorb, der mitdenkt, KI-Agenten und eine neue Video-KI. Allerdings ist Geduld gefragt.
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Google krempelt sein wichtigstes Produkt – die Suche – weiter um. Das Suchfeld auf der Startseite wird nach mehr als 25 Jahren erneuert.
Foto: Tobias Bolzern

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Google rüstet Suche, Shopping und Gemini-App mit KI-Agenten auf
  • Das neue KI-Modell 3.5 Flash treibt die kommenden Neuerungen an
  • Doch: Vieles startet zuerst in den USA – die Schweiz muss warten
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Tobias BolzernRedaktor Digital

Eine KI, die deine Mails sortiert, die Kreditkartenabrechnung prüft und nach der Traumwohnung sucht? Das ist der grosse Plan von Google. An seiner Entwicklerkonferenz zeigte der Konzern am Dienstag, wie weit er damit schon ist – und wie viel bloss Ankündigung bleibt. Das sind die wichtigsten Neuerungen im Überblick.

Flottes Flash

Den Start macht Gemini 3.5 Flash, Googles neues KI-Modell. Es soll viermal schneller sein als vergleichbare Spitzenmodelle und dabei deutlich weniger kosten. Trotzdem schlage es das bisherige Topmodell 3.1 Pro, sagt Google. Klar ist: Das KI-Modell treibt fast alle weiteren Neuheiten an. Verfügbar ist es ab sofort weltweit, auch in der Schweiz, in der Gemini-App und im KI-Modus der Suche. Das stärkere Modell, 3.5 Pro, soll nächsten Monat folgen.

Laut Google ist Gemini 3.5 Flash deutlich schneller als bisherige KI-Modelle.
Foto: Google

Suche denkt mit

«Das ist das grösste Upgrade der Suchbox seit über 25 Jahren», sagt Liz Reid, Suchchefin bei Google. Das Suchfeld ist nicht mehr nur Platz für Stichwörter: Es wächst mit, schlägt ganze Fragen vor und kann jetzt auch mit Bildern, Dateien, Videos oder Chrome-Tabs gefüttert werden. Dahinter steckt eine grössere Idee: KI-Agenten sollen künftig in der Suche für dich arbeiten. Solche Informationsagenten durchsuchen rund um die Uhr das Netz und melden, sobald sich etwas ändert: etwa wenn deine Traumwohnung frei wird. Die Suche kann zudem kleine Apps programmieren, eine Art Dashboards und Widgets, zum Beispiel einen Fitnesstracker oder Hochzeitsplaner. Klar ist: Wer fragt, bleibt länger bei Google, statt auf fremde Websites zu klicken. Das ist gut fürs Geschäft. Die neue Suchbox kommt ab Dienstag in alle Länder mit KI-Modus, also auch in die Schweiz. Der KI-Modus nutzt neu Gemini 3.5 Flash. Die Agenten starten ab Sommer, zuerst in den USA.

Filme per Befehl

«Nano Banana, aber für Video»: So beschreibt Koray Kavukcuoglu, Technikchef von Google Deepmind, Gemini Omni. Nano Banana erzeugt Bilder, Omni generiert Videos, und zwar aus Text, Bildern oder Tönen, beliebig kombiniert. Bearbeiten lässt sich ein Clip im Dialog: Hintergrund tauschen, Szene umschreiben, alles per Sprachanweisung. Omni sei aber mehr als ein Video-Knopf, verspricht Google. Es greife auf Geminis Wissen über die Welt zurück. Heisst: Es kenne auch Schwerkraft und Strömung. Genau daran scheitern bisherige KI-Videos oft. Ob Omni das einlöst, muss sich erst zeigen. Omni Flash, das erste Modell der Reihe, startet ab sofort weltweit für zahlende Abonnenten. Das Generieren von Video zu Video ist in der Schweiz nicht verfügbar. Auf Youtube ist es für sogenannte Remixes von Shorts kostenlos nutzbar.

Echt oder KI?

Je realistischer KI-Videos, Bilder und KI-Audio wirken, desto drängender wird auch die Frage: Ist das echt oder Fake? Googles Antwort heisst hier SynthID, ein unsichtbares Wasserzeichen in KI-Inhalten. Über 100 Milliarden Bilder und Videos hat Google seit der Lancierung im Jahr 2023 damit markiert. Praktisch: Künftig kann jede und jeder in der Suche, in der Gemini-App und in Chrome direkt fragen: «Ist das KI-generiert?» – und SynthID liefert die Antwort. Bisher hat das Tool nur Inhalte erkannt, die von Googles KI selbst erstellt wurde. Bemerkenswert ist, wer neu ebenfalls mitmacht: OpenAI, Elevenlabs und Kakao markieren Inhalte künftig mit SynthID. Das Paradoxe: Google bekämpft hier ein Problem, das es mit Omni und Co. befeuert.

Flüsternde Brillen

Brillen, schlaue Brillen. Letztes Jahr hat Google eine erste Smartbrille mit Display vorgestellt. Dieses Jahr lanciert Google «Audio Glasses». Diese flüstern der Trägerin oder dem Träger direkt Antworten ins Ohr. Andere Personen in der Umgebung sollen die Antworten nicht mitbekommen. Die Audiobrillen sind laut Google mit Android und iOS-Geräten kompatibel. Hardware-Partner ist Samsung, sowie die Brillenfirmen Warby Parker und Gentle Monster. Mutig: Google zeigte eine Live-Demo am Event. Vergangenes Jahr ging diese in die Hose. Dieses Mal nicht. Man kann mit der Brille auch Fotos machen – und mit Nano Banana aufmotzen. Dann wird zum Beispiel aus einem langweiligen Sitzungszimmer eine mittelalterliche Festhalle. Die Audiobrillen kommen im Herbst, die mit Display 2027.

Agent rund um die Uhr

Gemini Spark ist Googles persönlicher KI-Agent. Es ist der grösste Schritt weg vom reinen Chatbot. Spark arbeitet rund um die Uhr in der Cloud, auch wenn Laptop und Handy zugeklappt und gesperrt sind. Spark hängt an Gmail, Docs und weiteren Apps und erledigt Aufgaben von selbst: Kreditkartenabrechnungen prüfen, versteckte Abos aufspüren. Das setzt viel Vertrauen voraus, der Agent bekommt Zugriff auf Mails, Termine, Finanzen. Vor heiklen Schritten, etwa dem Geld ausgeben oder Mails verschicken, fragt Spark zwar zuerst nach. Auch die Gemini-App wird runderneuert: neues Design, dazu ein «Daily Brief», der morgens das Wichtigste aus Mails und Kalender bündelt. Das Design kommt ab Dienstag weltweit. Spark dagegen startet diese Woche für Testnutzer, kommende Woche als Beta, vorerst nur für Ultra-Abonnenten in den USA.

Warenkorb mit Weitblick

Zum Schluss noch Shopping: Der Universal Cart ist ein Warenkorb, der quer über Shops und Dienste hinweg funktioniert. Legst du ein Produkt hinein, sucht er im Hintergrund nach Rabatten, meldet Preisveränderungen und warnt, wenn zwei Teile nicht zusammenpassen, etwa beim Zusammenbau eines PCs, wenn der Prozessor nicht aufs Motherboard passt. Praktisch, aber auch nicht uneigennützig: Je mehr Einkäufe über Google laufen, desto mehr verdient der Konzern mit. Universal Cart startet diesen Sommer – zuerst in den USA.

Der universelle Warenkorb bündelt Bestellungen.
Foto: Google
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