Steuerreform sorgt für Kritik
«Wie wäre es, flächendeckend die KI einzusetzen?»

Die Kantone rechnen wegen der Individualbesteuerung mit zusätzlichem Aufwand, neuen Stellen und Millionen-Lohnkosten. In der Community wird diskutiert: Ist der Systemwechsel richtig oder bietet die Mitte-Initiative die bessere Lösung?
Kommentieren
1/5
Im März stimmte die Schweiz für die Individualbesteuerung – sehr zur Freude von FDP-Co-Präsidentin Susanne Vincenz-Stauffacher (2.v.l.).
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Individualbesteuerung ersetzt Heiratsstrafe und erfordert separate Steuererklärungen für Ehepaare
  • St. Gallen erwartet 115'000 Erklärungen und benötigt 73 zusätzliche Stellen
  • Einführung bis 2032 geplant; Digitalisierung soll Verwaltungskosten teilweise senken
RMS_Portrait_AUTOR_938.JPG
Sarah RiberzaniRedaktorin Community

Mit der Annahme der Individualbesteuerung wird die sogenannte Heiratsstrafe abgeschafft. Künftig müssen Ehepaare nicht mehr gemeinsam, sondern jede Person einzeln ihre Steuererklärung ausfüllen. Die Reform soll Anreize schaffen, dass beide Partner einer Erwerbstätigkeit nachgehen, bringt für die Steuerverwaltungen aber auch einen erheblichen Mehraufwand mit sich.

Erste Kantone beziffern nun die Folgen: In St. Gallen werden rund 115'000 zusätzliche Steuererklärungen erwartet, wofür 73 neue Vollzeitstellen bei Kanton und Gemeinden nötig wären. Auch Freiburg, Bern und Aargau rechnen mit zusätzlichem Personalbedarf. Gleichzeitig hoffen die Behörden, dass Digitalisierung und effizientere Abläufe den Aufwand bis zur Einführung der Reform spätestens 2032 zumindest teilweise auffangen können.

Ruf nach mehr Digitalisierung

Die erwarteten Zusatzkosten und der Ausbau der Verwaltung sorgen in der Blick-Community für kontroverse Reaktionen. Während einige Leserinnen und Leser die Reform trotz des Aufwands als überfälligen Schritt begrüssen, fordern andere vor allem modernere Lösungen statt mehr Personal.

Besonders häufig fällt dabei das Stichwort Digitalisierung. «Wie wäre es, flächendeckend die KI einzusetzen?», fragt Leserin Yvonne Abt. Es müsse möglich sein, mit einem KI-gestützten Tool Steuererklärungen automatisch zu erfassen. Der Vorteil: «Sogar Beamte können abgebaut werden», schreibt sie.

Auch Markus Bürgi sieht die Ursache nicht bei der Reform, sondern bei fehlenden modernen Abläufen: «Anstatt Prozesse durch Digitalisierung zu vereinfachen, schaffen die öffentlichen Ämter vor allem mehr Governance, Bürokratie und Verzögerungen. Das Grundproblem: In der Politik fehlt häufig das nötige Verständnis für moderne IT-Systeme. Statt praxistauglicher Lösungen sieht man nur endlose Debatten – und die Steuerzahlenden zahlen die Zeche.»

Mitte-Initiative als Alternative?

Die hängige Volksinitiative der Mitte wird in der Kommentarspalte mehrfach thematisiert. Sie will die Heiratsstrafe ebenfalls abschaffen, setzt dabei aber nicht auf die Individualbesteuerung, sondern auf eine Anpassung der gemeinsamen Besteuerung von Ehepaaren. Leser Hans-Peter Gamma bezeichnet zwei Steuererklärungen pro Haushalt als «vollkommenen Unsinn» und hält das Modell der Mitte für sinnvoller. «Die Individualbesteuerung ist nicht fertig gedacht. Sie tönt einfach gut, hat aber noch viele nicht gelöste Tücken», schreibt er.

Auch Daniel Weiss spricht sich für die Mitte-Initiative aus. «Man wusste, dass die Individualbesteuerung mehr Aufwand bedeutet und es somit zu Mehrkosten kommt», schreibt er. Deshalb müsse nun die «Fairness-Initiative der Mitte» angenommen werden: «Schlank ohne viel Aufwand für alle und trotzdem mit Mehrwert!»

Leo Camenzind findet ähnliche Worte: «Wir können den Aufwand korrigieren, indem wir die Initiative der Mitte annehmen. Da muss wie heute eine Steuererklärung eingereicht werden. Man hat dann auch die neu geschaffene Ungerechtigkeit bei zwei Verdienern, die gleich viel verdienen, abgeschafft», schreibt er.

Befürworter sehen Reform als notwendigen Schritt

Es gibt aber auch Leserinnen und Leser, die die Kritik an der Individualbesteuerung zurückweisen. Robin Nik warnt davor, den anfänglichen Mehraufwand zu überbewerten. «Initial steigen die Kosten mit der vom Volk angenommenen Individualbesteuerung sicher etwas an», schreibt er. Langfristig könne KI helfen, den Aufwand wieder zu reduzieren. Zudem würde ein Ja zur Mitte-Initiative aus seiner Sicht «politisches Chaos» verursachen, wenn zwei unterschiedliche Vorlagen zum gleichen Thema angenommen würden.

Für Markus Spengler überwiegt der Nutzen der Reform. Zwar werde die Einführung «schwierig werden für die Steuervögte», schreibt er. Trotzdem sei es gut, «dass verheiratete Menschen den Ledigen gleichgestellt sind – beziehungsweise umgekehrt». Zudem sei es sinnvoll, wenn sich Ehepartnerinnen und Ehepartner stärker mit der eigenen Steuer-Situation befassen würden. «Individualbesteuerung ist fair und bildet zudem», schreibt er.

Elisabeth Kromer relativiert den zusätzlichen Aufwand ebenfalls: «Jede grosse Reform bringt zuerst Aufwand mit sich. Aber nur weil eine Umstellung Kosten und Aufwand verursacht, heisst das nicht, dass sie falsch ist.» Die Mitte-Initiative löse das Problem aus ihrer Sicht nicht wirklich, sondern zementiere das alte System. «Die Individualbesteuerung schafft mehr Fairness und ist längst überfällig», schreibt sie.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen