Darum gehts
- Polizeifahrzeug blockierte Behindertenparkplatz in Sempach LU am Samstagabend
- 74 Prozent von 7000 Befragten kritisieren das Verhalten der Polizei scharf
- Polizei bestätigt: Rollstuhlsymbol beim Einparken möglicherweise übersehen
Ein Polizeiassistenzfahrzeug sorgte am Samstagabend auf dem Parkplatz Weihermatte in Sempach LU für Ärger: Es stand auf dem einzigen Behindertenparkplatz, obwohl daneben noch ein regulärer Parkplatz frei gewesen sein soll. Ein Blick-Leser sprach die vor Ort anwesende Polizeiassistentin darauf an, nachdem sie gerade Ordnungsbussen verteilt hatte. Sie habe knapp erklärt, dass sie wegen eines Einsatzes vor Ort sei und den Parkplatz deshalb benutzen dürfe.
Die Luzerner Polizei bestätigt den Vorfall. Zwar dürften Einsatzfahrzeuge während eines Einsatzes auch auf signalisierten Parkfeldern abgestellt werden, in diesem Fall sei dies jedoch nicht zwingend notwendig gewesen. Man geht davon aus, dass das Rollstuhlsymbol beim rückwärts Einparkieren übersehen wurde.
Aus einem Parkfehler wird eine Debatte
Der Vorfall hat unter den Blick-Leserinnen und -Lesern eine lebhafte Debatte ausgelöst. Unsere Umfrage zeigt ein klares Bild: 74 Prozent der über 7000 Teilnehmenden finden das Verhalten der Polizei «nicht okay». Ihrer Meinung nach sollte sich, wer Ordnungsbussen verteilt, selbst an die geltenden Regeln halten. 20 Prozent halten das Parkieren auf dem Behindertenparkplatz nur unter bestimmten Umständen für vertretbar – etwa bei einem Polizeieinsatz und wenn keine anderen Parkmöglichkeiten verfügbar sind. Lediglich 6 Prozent finden, dass das Vorgehen der Polizei grundsätzlich in Ordnung sei.
Kritik an der Vorbildfunktion
In der Kommentarspalte gehen die Meinungen der Leserinnen und Leser auseinander. Viele kritisieren, dass gerade die Polizei als Kontrollinstanz eine besondere Vorbildfunktion habe. «Nein, auch die Polizei darf das nicht. Das war kein Einsatz, bei dem Gefahr im Verzug oder Eile geboten war», schreibt etwa Thomas Schneider. Die falsch parkierten Fahrzeuge würden schliesslich nicht davonfahren, argumentiert er.
Auch Stephan Niederer sieht den Vorfall kritisch: «Ich versuche, mich ständig an die Regeln zu halten, und es ärgert mich, wenn sich jemand einfach gleichgültig darüber hinwegsetzt. Dass nun auch die sogenannten Regelhüter die eigenen Regeln ignorieren, ist sehr bedenklich!»
Patricia Böni schildert ihre Erfahrungen als Besitzerin einer Behindertenparkkarte. Sie müsse immer wieder gesunde Personen darauf aufmerksam machen, dass sie diese Parkplätze widerrechtlich blockieren würden. «Die Antwort war jeweils, ich musste nur kurz, oder sie dampften ohne eine Bemerkung davon.» Wegen ihrer Beinprothesen sei sie darauf angewiesen, die Autotür vollständig öffnen zu können, ohne dabei nebenstehende Fahrzeuge zu beschädigen. Ihr Dank gehe deshalb an all jene, «die diese Parkplätze für uns Berechtigte frei lassen».
Gegenseite sieht es gelassener
Es gibt aber auch Stimmen, die den Vorfall weniger dramatisch sehen. Fenasi Kerim findet zwar, dass die Polizei eine Vorbildfunktion habe, warnt aber davor, den Fall zu stark aufzublasen: «Genau dieses Argument wird oft von Leuten gebracht, die im Alltag selber ständig Regeln biegen, solange es ihnen gerade passt. Es geht hier weniger um Gerechtigkeit, sondern eher darum, der Polizei eins auszuwischen.»
Auch Tinu Gerber zeigt Verständnis für die Polizei. Der Parkplatz sei in diesem Moment schliesslich nicht von einer berechtigten Person benötigt worden. «Klar hat die Polizeiassistentin einen Fehler gemacht. Polizisten sind aber auch nur Menschen und dürfen auch Fehler machen. Es fehlt überall an Toleranz!»
Leser Leandro Rossi findet ebenfalls, dass der Vorfall zu stark aufgebauscht werde. «Wir reden hier von einem falsch abgestellten Auto, nicht von einem Skandal. Hinter der Uniform stehen schliesslich auch nur Menschen», schreibt er. Dass aus einer kleinen Unachtsamkeit gleich eine Grundsatzdebatte entstehe, empfindet er als bedauerlich.