Nackte Kunst sorgt für Debatte
«Solche Bilder haben in einer öffentlichen Badi nichts zu suchen!»

Ein Werk mit nackten Darstellungen wird im Freibad Letzigraben nur noch eingeschränkt gezeigt – zum Ärger des Künstlers, der von Zensur spricht. In unserer Leserschaft ist die Meinung zum Vorgehen der Stadt deutlich gespalten.
Kommentieren
1/7
Dieses Bild von Sigurd Wendland sorgt in einer Zürcher Badi für rote Köpfe.
Foto: Instagram/sigurdwendland

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Kunstwerk mit nackten Figuren im Freibad Letzigraben sorgt für Kritik
  • Stadt Zürich beklebt Glasscheibe, Künstler spricht von Zensur und fordert Rückgabe
  • Umfrage: Von über 2750 Teilnehmenden halten 35 Prozent das Bild für ungeeignet
RMS_Portrait_AUTOR_938.JPG
Sarah RiberzaniRedaktorin Community

Im Zürcher Freibad Letzigraben sorgt derzeit ein Kunstwerk für Diskussionen. Das Bad, das regelmässig Ausstellungen zeigt, präsentiert aktuell Werke des Berliner Künstlers Sigurd Wendland. Besonders ein Bild mit dem Titel «Hide away» steht in der Kritik. Darauf sind zahlreiche nackte Frauen, Männer und Kinder in unterschiedlichen Posen zu sehen.

Die Stadt Zürich hält das Werk im öffentlichen Raum mit Zugang für Kinder und Jugendliche für problematisch. Statt das Bild abzuhängen, wurde die Glasscheibe des Ausstellungsraums mit einer halbtransparenten Folie beklebt, sodass das Werk weniger sichtbar ist. Der Künstler reagiert verärgert auf diese Massnahme und spricht von Zensur. Er fordert nun, dass seine Bilder zurück nach Berlin geschickt werden.

Geteilte Reaktionen in der Community

Umstritten bleibt das Vorgehen auch in unserer Leserschaft. Wir wollten von unseren Leserinnen und Lesern wissen, ob die Stadt Zürich mit ihrem Vorgehen richtig gehandelt hat. Das Ergebnis fällt äusserst ausgeglichen aus: 35 Prozent der über 2750 Teilnehmenden finden, das Bild sei für ein Freibad mit Kindern ungeeignet. 33 Prozent sind der Meinung, dass Kunst in einer Badi grundsätzlich nichts verloren habe. Weitere 32 Prozent hingegen finden, die Stadt übertreibe mit der Folierung des Ausstellungsraums.

Zustimmung zum Vorgehen der Stadt

Auch in den Kommentaren zeigt sich ein ähnlich gespaltenes Bild. So schreibt Leser Alberto Reyes: «Nacktheit ist für mich etwas ganz Natürliches. Allerdings sehe oder erkenne ich auf diesem Bild einiges, was nicht in eine Badi gehört.»

Leser Franz Weber findet ähnliche Worte: «Ich bin nicht prüde, aber hier hat die Stadt recht. Es geht nicht nur um die Kinder, sondern um alle. Wenn ich in eine Badi gehe, dann will ich keine solchen Bilder sehen.»

Ebenfalls kritisch äussert sich Steven Stevelic. Er stört sich zwar ebenfalls an einer zunehmenden Prüderie, findet das konkrete Werk jedoch ebenfalls schwierig. «Das Bild respektive die Message ist für mich am Ziel vorbeigeschossen und irritiert sogar mich. Es sieht eher nach leidenden Menschen aus, als dass es hier positive Gefühle bei mir weckt.»

Und auch Herbert Huber meint: «Solche Bilder haben in einer öffentlichen Badi nichts, aber auch gar nichts zu suchen!»

Gesellschaftliche Kritik

Kritische Stimmen werfen der Stadt hingegen Überempfindlichkeit vor. So schreibt Marco Minuscoli: «Man sollte glauben, dass in einer aufgeklärten Gesellschaft Kunst von Pornografie unterschieden werden kann.» Nacktheit finde man in Museen, Fernsehsendungen und öffentlichen Gebäuden, argumentiert er. «Die Heuchelei der Politiker könnte grösser nicht sein – Prüderie ohne jeglichen Verstand!»

Silvan Kummer ist überzeugt: «Ganz sicher ist das ausdrucksstarke, gekonnte Kunst. Dass die Stadt prüde Zensur ausübt, wegen übereifrigem Jugendschutz bei natürlicher Nacktheit, ist der Skandal. Es ist ein expressionistisches Gemälde, das zum Denken anregt und auch vom Kurator als ausstellungswürdig befunden wurde.»

Auch Thomas Killer stört sich überhaupt nicht an der Kunst: «Wie prüde hier doch die Meisten sind und dabei vergessen, dass auch sie nackt auf die Welt gekommen sind. Etwas vom Natürlichsten, was es überhaupt gibt!»

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen