Darum gehts
- Die Post verschiebt Klimaneutralität von 2030 auf 2040, Netto-Null ab 2050
- 2000 E-Lieferwagen und 70-Millionen-Euro-Wald unter bisherigen Klimamassnahmen
- Umfrage: 42 Prozent der 1800 Umfrageteilnehmer unterstützen den Aufschub der Klimaziele, 37 Prozent äussern Kritik
Die Post weist gern darauf hin, wie viel sie für unsere Umwelt tut. Ein für 70 Millionen Euro erstandener Wald in Thüringen und die mittlerweile 2000 E-Lieferwagen auf den Schweizer Strassen sind nur einige der Aktionen, mit denen die Post in den letzten Jahren zeigte: Wir tun etwas fürs Klima. Doch nun wird klammheimlich die Bremse gezogen.
Im März verkündete die Post im eigenen Geschäftsbericht noch, dass das Unternehmen bis 2030 klimaneutral sein will. Bis 2040 sollte die Wertschöpfungskette auf Netto-Null liegen. Nun verschiebt sich jedoch die Klimaneutralität um 14 Jahre. Auch die Netto-Null lässt noch bis 2050 auf sich warten. Die Post rechtfertigt den Aufschub mit dem wirtschaftlichen Druck, der auf der Firma lastet. Damit spaltet sie nicht nur die Politik, sondern auch unsere Community.
Das sagt die Leserschaft zu den aufgeschobenen Klimazielen
Eine nicht repräsentative Leserumfrage mit über 1800 Teilnehmern zeigt: 42 Prozent finden es sinnvoll, dass die Post die Klimaziele hinausschiebt. Laut ihnen muss die Post nicht unbedingt eine Vorreiterin in Sachen Umwelt sein.
Dementgegen wird das Staatsunternehmen von 37 Prozent kritisiert. Da das Klima nicht stillsteht, dürfe das die Post auch nicht tun. Den verbliebenen 21 Prozent sind die Klimamassnahmen der Post egal, solange sie ihren Pflichten nachkommt. Auch in den Kommentaren sind sich die Lager uneinig.
«Am liebsten alle Klimaeinschränkungen abschaffen»
In der Kommentarspalte verteidigt eine grosse Lesergruppe die Post. Silvan Holenstein merkt etwa an: «Es mag vielleicht unverständlich klingen, wenn man jetzt die Ziele verschiebt. Aber die Wirtschaftlichkeit muss nun mal stimmen. Klimaneutral zu sein hilft der Post nichts, wenn das Geschäft zusammenbricht.» Roland Peier stimmt zu: «Am liebsten alle Klimaeinschränkungen abschaffen. Behindert nur die Wirtschaft und treibt Preise in die Höhe.»
Marcel Hofstetter beanstandet: «Solange immer weitere Poststellen geschlossen werden, wird zwar die Klimabilanz der Post besser, dafür leiden die Kunden.» Archibald Wolf fordert: «Die Post soll sich um die Kunden kümmern, nicht ums Klima! Es ist lächerlich, einen Wald in Deutschland zu kaufen und zu glauben, man stehe jetzt klimaneutraler da.»
«Die Klimaziele wechseln so oft wie die Manager ihre Stelle»
Doch auch die Gegenseite meldet sich zu Wort. Manuel Meisner hat harte Worte für die Post übrig: «Bei der Post und all den anderen Grossbetrieben gibt es nur leeres Geschwätz, wenn es ums Klima geht. Macht mal Nägel mit Köpfen!» Peter Moser stimmt zu: «Das ist mal wieder mehr Schein als Sein in der Teppichetage der Post.»
Patrick Niederhauser hebt zudem hervor: «Die Klimaziele wechseln so oft wie die Manager ihre Stelle. Es ist alles ein Witz. Heute so und morgen anders.» Bettina Ziegler kritisiert ebenso: «Der nächste Chef sagt dann, das frühere Ziel war nicht realistisch, man brauche zehn Jahre mehr. Dann verschwindet er alsbald in der Pension. Und dann wiederholt sich das Ganze.» Peter Sigrist befürchtet: «Ohne staatlichen Zwang wird es wohl nicht vorangehen. Sehr schade.»