Darum gehts
- Solothurn plant, bis 2035 etwa hundert neue Polizistinnen und Polizisten einzustellen
- 72 Prozent von 1230 Umfrageteilnehmenden unterstützen eine Personalaufstockung bei der Polizei
- Kritiker fordern stattdessen effizienteren Ressourceneinsatz und moderne Sicherheitskonzepte
Hundert zusätzliche Polizistinnen und Polizisten will Solothurn bis 2035 rekrutieren. Der Kanton reagiert damit auf die zunehmende Kriminalität und die im Vergleich zur Schweiz tiefe Polizeidichte. Das Phänomen beschränkt sich aber längst nicht nur auf Solothurn.
Ein Blick über die Kantonsgrenze zeigt: Schweizweit fehlen Tausende Polizistinnen und Polizisten. Deshalb planen auch die Kantone Aargau, Bern, St. Gallen und Schaffhausen, ihre Polizeikorps zu vergrössern. Während Basel-Stadt erstmals auch in Deutschland rekrutiert, kämpft der Aargau mit einem akuten Polizistenmangel: Rund 50 Stellen sind bei den Aargauer Regionalpolizeien unbesetzt.
Die Aufstockung dürfte also zur Herausforderung werden. Denn nach wie vor ist unklar, woher die Tausenden zusätzlichen Polizistinnen und Polizisten kommen sollen.
Leser stimmen für mehr Polizei
Wie stehen unsere Leserinnen und Leser dazu? Wir haben nachgefragt. In unserer nicht repräsentativen Umfrage, an der 1230 Personen teilgenommen haben, befürwortet eine Mehrheit von 72 Prozent eine Aufstockung beim Polizeipersonal. Für 21 Prozent wäre dies ein gangbarer Weg, aber nur punktuell dort, wo es nötig ist. Lediglich 7 Prozent sind dagegen und finden, es sei zu teuer und wenig zielführend.
In den Kommentaren äussert sich die Leserschaft indes weit kritischer, als die Umfrage vermittelt. Längst nicht alle aus der Blick-Community sind überzeugt, dass grössere Polizeikorps automatisch für mehr Sicherheit sorgen.
Richard Gasser etwa hält die Forderung nach zusätzlichen Stellen für zu kurz gedacht. «Die klassische Polizei reagiert fast immer erst dann, wenn der Schaden bereits angerichtet ist», schreibt er. Statt Millionen in neue Stellen zu investieren, brauche es seiner Meinung nach moderne Sicherheitsmodelle – etwa digitale Vernetzung, KI-gestützte Nachbarschaftsnetzwerke und bessere Kommunikation.
«Polizei schlicht zu Tode verwaltet»
Ähnlich positioniert sich Irfan Krasniqi. Er findet, es gebe genügend Polizisten. Das Problem liegt seiner Meinung nach vielmehr darin, wie die vorhandenen Ressourcen eingesetzt würden. Vor allem bei der Verkehrspolizei sieht Krasniqi Sparpotenzial: «Nur mit dem Polizeiauto rumfahren und Präsenz zeigen, nützt nichts!» Einem effizienteren Einsatz der Polizeibeamten stimmt auch Peter Belmi zu: «Gleiche Anzahl Polizisten, aber zielgerichtet eingesetzt. Da braucht es gesamthaft nicht mehr Leute.»
Rolf Gurtner kritisiert überdies die Strukturen innerhalb der Korps. Seiner Ansicht nach gebe es zu viele Stabs- und Kaderstellen. Die Polizei werde «schlicht zu Tode verwaltet», während auf der Strasse Personal fehle. Auch Manuel Schwaab findet, bei einer stärkeren Konzentration auf die «wirklich wichtigen Themen» würde das vorhandene Personal ausreichen.
«Symptombekämpfung für viel Geld und wenig Nutzen»
Adrian Zemp bezeichnet derweil zusätzliche Polizeistellen als «Symptombekämpfung für viel Geld und wenig Nutzen» und fordert, stattdessen die Ursachen anzugehen.
Damit kommt ein Thema zur Sprache, das sich durch zahlreiche Kommentare zieht: Grenzkontrollen, Migration und der Umgang mit ausländischen Straftätern. Wie Adrian Zemp plädiert auch Armin Sierszyn für Ursachen- statt Symptombekämpfung. Vielleicht brauche es mehr Polizisten, kommentiert er, «besser wäre es aber, das Übel an der Wurzel anzupacken». Er nennt die Personenfreizügigkeit und eine aus seiner Sicht zu lasche Gerichtsbarkeit als Gründe für vermeidbare Delikte.
Community-Mitglied Regor Stahel fordert zudem, Kriminelle konsequenter auszuweisen. Nelia Leonardi fasst den Tenor weiterer ähnlicher Kommentare besonders knapp zusammen: «Kriminelle Ausländer ausschaffen, Grenzen rigoros kontrollieren. Problem gelöst!»
Neben der Frage nach der Aufstockung kommen in der Community noch andere Lösungsansätze zur Sprache. Etwa der Einsatz der Armee für bestimmte Aufgaben. Und selbst wer mehr Personal fordert, sieht Herausforderungen: «Hut ab für alle, die noch Polizist werden wollen», schreibt etwa Marcel Kistler.