Solothurner SVP wehrt sich
Wie die Kantone ihre Polizeikorps aufrüsten wollen

Die Kriminalität nimmt in vielen Kantonen immer mehr zu. Diese brauchen deshalb auch immer mehr Polizeipersonal. Mehrere Kantone wollen deshalb ihre Korps massiv aufstocken, aber das ist gar nicht so einfach.
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Den Kantonen fehlen Tausende Polizistinnen und Polizisten – viele wollen daher aufrüsten.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Solothurn plant bis 2035 100 neue Polizisten für mehr Sicherheit
  • Schweizweit fehlen Tausende Polizisten, Basel rekrutiert erstmals in Deutschland
  • Im Aargau kommen 718 Einwohner auf einen Polizisten, landesweit niedrigster Wert

Einbrüche, offener Drogenkonsum, Schlägereien, Dealen: In Solothurn nimmt die Kriminalität besorgniserregende Ausmasse an. Die Stadt gehört zum kriminellsten Bezirk der Schweiz. Und dennoch: Im Kanton kommt nur gerade ein Polizist auf 642 Einwohner – deutlich weniger als im Schweizer Durchschnitt mit einem Polizisten auf 476 Einwohner.

Nun will die kantonale Regierung handeln: Bis 2035 soll das Polizeikorps um 100 zusätzliche Polizistinnen und Polizisten wachsen. Das geht aus einem Bericht hervor, den die Solothurner SP-Sicherheitsdirektorin Susanne Schaffner (63) letzte Woche zusammen mit der Spitze der Kantonspolizei präsentierte.

Pläne werfen Fragen auf

Kritik kommt ausgerechnet von der Law-and-Order-Partei SVP, wie die «Solothurner Zeitung» zuerst berichtete. Der Regierungsrat leide unter «Realitätsverlust und mangelnder Führungskompetenz», schreibt sie. Angesichts des landesweiten Personalmangels sei unklar, woher die zusätzlichen Fachkräfte kommen sollen.

Neben den Kosten bemängelt zudem die GLP, dass die inhaltliche Analyse von der Kantonspolizei selber stamme, «die anschliessend von der beantragten Aufstockung profitiert». Eine externe Überprüfung sei nötig. Und sowieso: Auch die Rekrutierung sei ungeklärt: «Polizeikräfte lassen sich nicht kurzfristig auf dem Arbeitsmarkt bestellen. Sie müssen rekrutiert und ausgebildet werden.»

Basel-Stadt weicht ins Ausland aus

Tatsächlich: Polizistinnen und Polizisten sind gesucht. In den Kantonen würden Tausende Beamte fehlen, beklagt der Verband Schweizerischer Polizei-Beamter (VSPB) regelmässig. Er ruft denn auch nach besseren Arbeitsbedingungen, um den Beruf attraktiver zu machen. So aber haben viele Kantone immer wieder Mühe, überhaupt genügend Interessenten zu finden.

Der Kanton Basel-Stadt beispielsweise vergrössert daher seinen Spielraum. Nach dem Tessin und Genf hat er zwar schon heute die dritthöchste Polizeidichte der Schweiz. Trotzdem fehlen dort ebenfalls Polizistinnen und Polizisten. Deshalb rekrutiert die Kantonspolizei erstmals auch in Deutschland. Vier deutsche Bewerber beginnen im Herbst ihre Ausbildung. Sie besitzen in der Schweiz lediglich eine B-Bewilligung, also eine zunächst auf fünf Jahre befristete Aufenthaltsbewilligung.

Angespannt ist die Lage auch im Aargau. Mit 718 Einwohnern pro Polizist hat der Kanton landesweit die tiefste Polizeidichte. Bis 2028 soll das Korps um rund 100 Stellen wachsen. Doch Anfang 2025 waren bei den 15 Regionalpolizeien bereits rund 50 Stellen unbesetzt. Besonders betroffen war die Regionalpolizei Wettingen-Limmattal. Dort führte eine Kündigungswelle zu Unzufriedenheit im Korps. Gegen den damaligen Kommandanten erhoben Polizisten unter anderem Vorwürfe wegen fehlender Fachkompetenz und Mobbing.

Zahlreiche Kantone wollen aufrüsten

Die Kantonspolizei Bern hat dagegen erstmals seit Jahren keine offenen Stellen mehr. Das Korps soll trotzdem wachsen. Wie «Der Bund» berichtet, begründet die kantonale Sicherheitsdirektion den zusätzlichen Bedarf mit steigenden Einsatzzahlen und neuen Aufgaben. Mit der wachsenden Bevölkerung nehmen etwa Einsätze bei Kundgebungen und Sportevents zu. Hinzu kommen Aufgaben wie die Bekämpfung von Cyberkriminalität, Schulprävention und Drohnenabwehr. Bereits 2019 beschloss der Grosse Rat, das Korps innert zehn Jahren um 360 Stellen auszubauen. Im Herbst will die Regierung eine Zwischenbilanz vorlegen.

Deutlich ausgebaut werden soll auch die St. Galler Kantonspolizei. Die Regierung hatte im Mai beschlossen, das Personal in zwei Etappen um insgesamt rund 240 Stellen aufstocken zu wollen. Für SVP-Sicherheitsdirektor Christof Hartmann führt daran kein Weg vorbei. Ab 2021 habe es viele Abgänge gegeben. Teilweise habe es sich als schwierig erwiesen, die Stellen wieder zu besetzen.

Auch das Schaffhauser Kantonsparlament will eine erneute Aufstockung der Kantonspolizei prüfen lassen. Eine Volksmotion hatte zuvor die Befürchtung geäussert, dass die Polizei ihren Aufgaben nicht mehr nachkommen könne. Der Bedarf zeige sich gerade in der Stadt, wo vermehrt privates Sicherheitspersonal eingesetzt werde. Und sogar die Grenzwache müsse immer mehr polizeiliche Aufgaben übernehmen.

Die Kantone wollen also massiv aufrüsten. Woher die Tausenden Polizistinnen und Polizisten aber kommen sollen, ist nach wie vor unklar.

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