Darum gehts
- Gastro-Unternehmer Michel Péclard verlangt Arztzeugnis von Ex-Ehefrau bei Krankheit
- 70 Prozent weniger Absenzen laut Péclard, aber heftige Kritik von Experten
- 58 Prozent der Leser nie für Krankheit gelogen, 7 Prozent tun es regelmässig
Fehlende Arbeitsmotivation am frühen Morgen verleitet manche schnell dazu, sich bei der Arbeit mit falschem Husten krankzumelden. Davon hat Gastro-König Michel Péclard (57) genug. Von seinen Angestellten verlangt er nicht nur ein Arztzeugnis ab dem ersten Tag, er besteht auch darauf, dass dieses von einer ganz bestimmten Ärztin ausgestellt wird. Es handelt sich dabei um seine Ex-Ehefrau, Mandana Péclard. So ist es im Arbeitsvertrag eines ehemaligen Mitarbeiters zu lesen.
Roger Rudolph (56), Professor für Arbeitsrecht an der Universität Zürich, protestiert gegen die Vertragsklausel. «Sie ist in meinen Augen schlicht haarsträubend», sagt er gegenüber SRF. Michel Péclard bleibt trotzdem bei seiner ungewöhnlichen Regelung. Seit Einführung der Regelung habe er 70 Prozent weniger Absenzen. Unsere Leserinnen und Leser legen ihren Umgang mit Arztzeugnissen offen.
So oft schwindelt die Community beim Arztzeugnis
In einer Leserumfrage gaben ganze 58 Prozent an, dass sie sich noch nie ein Arztzeugnis geholt haben, um sich vor der Arbeit zu drücken. Weitere 28 Prozent der knapp 5000 Teilnehmer finden gar, Blaumacher sollten sofort entlassen werden.
Demgegenüber gaben 7 Prozent zu, dass sie auf diese Art zumindest in der Vergangenheit bereits die Arbeit umgangen haben. Weitere 7 Prozent tun dies sogar regelmässig. In den Kommentaren diskutiert unsere Community Péclards Umgang mit solchen Arbeitsausfällen.
«Misstrauen ist der Anfang vom Ende»
Viele Leserinnen und Leser stellen sich gegen die Krankheitsklausel des Gastro-Königs. Peter Wunderlin ist aufgebracht: «Kein Wunder, dass niemand mehr in der Gastrobranche arbeiten will. Einen solchen Vertrag würde ich nie unterschreiben und einen anderen Arbeitgeber suchen!» Beat Rigert schliesst sich an: «Ich werde seine Restaurants in Zukunft meiden. Wer solche Knebelverträge macht, sollte nichts verdienen!»
Roland Aggeler beanstandet: «Das ist leider die Realität. Heute wird man nicht mehr als Mensch, sondern nur noch als Arbeitskraft angesehen.» Mathias Kasdorf warnt zudem: «Misstrauen ist der Anfang vom Ende. Kündigungen werden sicherlich die Folge sein.»
Dani Kessler führt weiter aus: «Solche Vertragsbedingungen senden das falsche Signal. Bei hohen Krankheitsausfällen sollte man die Ursachen angehen – wie etwa zu lange Arbeitszeiten – statt Mitarbeiter unter Druck zu setzen.» Piter Paulson bläst ins selbe Horn: «Wo eine schlechte Unternehmenskultur herrscht, da fallen auch hohe Krankenabsenzen an. So einfach ist es.»
«Gegen Blaumacher sollte viel härter vorgegangen werden»
Andere begrüssen Péclards Massnahme wiederum. René Jungen lobt: «Richtig so! Gegen Blaumacher sollte viel härter vorgegangen werden. Die schaden nicht nur ihrem Arbeitgeber, sondern auch ihren Arbeitskollegen.» Auch Walter Zimmermann versteht den Unternehmer: «Ich war als Arbeitgeber selber betroffen von leichtfertig ausgestellten Arztzeugnissen. Das ist wirklich ein grosses Ärgernis.»
Othmar Kamm kommentiert: «Das Krankfeiern ist nach meiner Erfahrung im Gastrobereich leider sehr ausgeprägt. Daher finde ich es vollkommen in Ordnung, was er macht.» Andi Ruefer stimmt zu. Er fügt an: «Für einige Ärzte scheint die Krankschreibung heute ins Geschäftsmodell zu gehören. Wehren kann man sich als Arbeitgeber fast nur so.»
René Oberhänsli hebt zudem hervor: «Es steht jedem frei, solch einen Arbeitsvertrag zu unterschreiben oder nicht.» Christian Perret schreibt: «Ich hätte keine Probleme, diesen Vertrag zu unterschreiben. Ich bleibe schliesslich nur dann zu Hause, wenn ich auch wirklich krank bin!»