Leser zu Kurzzeit-AHV
«Das ist eine Schweinerei gegenüber den Langzeit-Arbeitenden»

Die AHV-Regelung sorgt einmal mehr für hitzige Debatten: Im Visier ist die AHV-Mindestbeitragsdauer, die SVP-Nationalrat Thomas de Courten auf drei Jahre anheben will. Die Community begrüsst das. Viele würden die Latte sogar noch höher legen.
Kommentieren
1/6
SVP-Nationalrat Thomas de Courten will die Hürde für AHV- als auch IV-Renten erhöhen. Die zuständige Nationalratskommission unterstützt nun das Anliegen.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • SVP will AHV-Mindestbeitragsdauer auf drei Jahre erhöhen
  • 64 Prozent der Befragten unterstützen noch strengere Vorschläge
  • 5754 Personen nahmen an der Umfrage teil, 29 Prozent stimmten zu
Eva_Kunz_Senior Community Editorin_Ringier_3-Bearbeitet.jpg
Eva KunzSenior Community Editorin

Bisher ist die Hürde für den Bezug einer AHV-Rente tief: Bereits ein Beitragsjahr reicht aus, um im Alter grundsätzlich Anspruch auf eine lebenslange Rente zu haben. Nun stellt SVP-Nationalrat Thomas de Courten (59) genau diese Praxis infrage. Er fordert, dass die Mindestbeitragsdauer auf drei Jahre erhöht wird. Eine Umsetzung würde bedeuten: Wer nur kurz in die AHV einzahlt, könnte im Extremfall leer ausgehen.

Der Vorstoss aus den Reihen der SVP spaltet das Parlament. Während die Befürworter aus der SVP und der FDP von einem nötigen Schritt zur Stabilisierung des Systems sprechen, warnen Kritiker von Mitte-links vor einem Bruch mit dem Solidaritätsprinzip der AHV.

Community will Latte für AHV-Anspruch höher legen

Was denkt die Community darüber? Wir haben nachgefragt und unseren Leserinnen und Lesern eine Umfrage vorgelegt.

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.

Auf die Frage, ob die Hürde künftig auf drei Beitragsjahre angehoben werden soll, haben 29 Prozent der insgesamt 5754 Teilnehmenden mit Ja geantwortet. Ganze 64 Prozent würden sogar noch weitergehen und die Hürde höher ansetzen. Lediglich 7 Prozent finden, die bisherige Regelung soll so bestehen bleiben.

In der Kommentarspalte sieht es nicht anders aus. Die überwiegende Mehrheit schiesst gegen AHV-Kurzzahler. «Endlich! Es wurde höchste Zeit, dass wir unser System nicht länger für Kurzzeit‑Einzahler offenhalten, die nach einem Jahr Beitrag gleich eine lebenslange Rente erwarten», kommentiert Fritz Kunz. «Unser Sozial‑ und Gesundheitssystem ist kein Selbstbedienungsladen für jene, die zuerst einwandern und dann sofort profitieren wollen.» Für ihn sind drei Jahre Mindestbeiträge «das absolute Minimum».

«Drei Jahre sind viel zu kurz!»

Einige Kommentatoren machen auf einzelne Gruppen von Erwerbstätigen aufmerksam. Max Schleiffer schreibt: «Es kann doch nicht sein, dass jemand in die Schweiz kommt, 12 Monate etwas arbeitet – und dann für den Rest seines Lebens unsere AHV bezieht.» Caroline Roat-Hengartner empört sich ebenfalls: «Mein Mann und ich haben jahrzehntelang gearbeitet und uns wurde Monat für Monat AHV/IV abgezogen. Andere kommen auf einen Kurzbesuch von einem Jahr und bekommt die Mindestrente, welche fürs Ausland gut reichen kann. Das ist eine Schweinerei den Langzeit-Arbeitenden gegenüber.»

Analog zur Umfrage gibt es auch in den Kommentaren viele, wie etwa Tanja Berger, die finden: «Drei Jahre sind viel zu kurz!» Unter jenen, die die Schraube noch mehr anziehen würden, sind viele, die die Dauer der Auszahlung an die Dauer der Einzahlung koppeln würden. «Nur so lange Rente beziehen, wie man eingezahlt hat», kommentiert etwa Peter Weinmann.

«Wer in die AHV einbezahlt, soll auch eine AHV-Rente erhalten»

Andere machen Vorschläge zur Mindestbeitragsdauer. «Wer unter zehn Jahren einzahlt, sollte maximal für die einbezahlte Zeit eine Rente erhalten», fordert Marc Hediger. Peter Aufdermauer pflichtet ihm bei: «Genau, auf Minimum fünf Jahre für alle und zehn Jahre, die nur den Pflichtanteil der AHV einzahlen.» Einige gehen weiter und würden die Hürde noch höher legen.

Wieder andere aus der Community geben indes zu bedenken, dass sich die Höhe der ausbezahlten Rente an den Beitragsjahren orientiert und bei Kurzzahlern entsprechend minimal ausfällt. «Wer in die AHV einbezahlt hat, soll auch eine AHV-Rente erhalten», hält Christoph Jost dem Tenor der Community entgegen. «Diese wird proportional zu den Beitragsjahren berechnet, also völlig okay.»

Generelle Unzufriedenheit mit dem Schweizer Rentensystem

Leser Jürg Frey wirft ein: «Kurzzahler landen dann einfach im Sozialsystem und müssen dort unterstützt werden. Verlagerung der Probleme.»

Letztlich scheint in vielen Kommentaren die generelle Unzufriedenheit mit der Schweizer Altersvorsorge durch. Nicht wenige teilen ihre eigene Beitragsdauer und das, was sie dafür bekommen.

Renato Horisberger fasst zusammen, was in vielen Meinungsbeiträgen in Teilen zu lesen ist: «Schlimm, wie die Politiker mit unseren Steuergeldern und Sozialkassen leichtfertig und grosszügig umgehen.» Man arbeite 40 Jahre oder mehr und erhalte dafür eine «mickrige» Rente. Zudem übt er Kritik an der Deckelung der gemeinsamen Rente bei Ehepaaren auf 150 Prozent. «Was eine Frechheit und Diebstahl ist – und anderen wirft man das Geld nur so nach.» Für seinen Kommentar erhält er entsprechend viel schriftliche Zustimmung und viele Daumen hoch.

Was sagst du dazu?
Meistgelesen