Leser zu Kostenexplosion in Kita
«Wer Kinder hat und arbeitet, darf finanziell nicht bestraft werden»

Die höheren Betreuungskosten in Erlen TG sorgen für eine kontroverse Debatte in der Community. Während einige Leser mehr Eigenverantwortung fordern, sehen andere bezahlbare Kinderbetreuung als wichtigen Faktor für Familien und den Arbeitsmarkt.
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Die Familienväter Jan Sahner (44, rechts) und Marc Grönemeyer (40) wissen nicht weiter. Über Nacht stiegen die Kosten für schulergänzende Betreuung um 60 Prozent.
Foto: Sebastian Babic

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • In Erlen TG steigen die Betreuungskosten um 61,8 Prozent auf 90 Franken pro Tag
  • Eltern drohen zusätzliche Kosten von bis zu 10'000 Franken jährlich
  • Preisanstieg gefährdet Berufstätigkeit, Debatte über Kostenverteilung entbrannt
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Eva KunzSenior Community Editorin

Die neuen Betreuungstarife in Erlen TG sorgen für Unmut: Für Familien mit einem Einkommen von über 140'000 Franken steigt der Preis für die schulergänzende Betreuung von bisher 55.80 auf neu 90 Franken pro Kind und Tag. Das entspricht einer Erhöhung um 61,8 Prozent. Für betroffene Eltern können dadurch bis zu 10'000 Franken Mehrkosten pro Jahr entstehen. Die Gemeinde hatte die Tarife zuvor sieben Jahre lang nicht erhöht.

Betroffene Eltern kritisieren, dass die Gemeinde die massive Erhöhung nicht ausreichend begründet habe. Gemeindepräsident Thomas Bosshard erklärte, man habe gewusst, dass für Familien mit höheren Einkommen mehr als nur eine «Teuerung» anfalle, aber versucht, «eine einigermassen faire Lösung für alle zu finden».

«Man kann nicht jeden Luxus haben»

Die Reaktionen der Community auf die höheren Betreuungskosten in Erlen fallen kontrovers aus. Für einige Leserinnen und Leser ist klar: Wer gut verdient, soll auch einen grösseren Teil der Kosten selbst tragen. «Die Betreuung der Kinder ist nicht gratis und man kann nicht jeden Luxus haben», kommentiert etwa Rolf Jaun.

Auch Jeannette Huber findet die Aufregung über die höheren Kosten nicht nachvollziehbar: «Tut mir leid, aber wer so viel verdient und die Kinder nicht selber betreuen will, sollte nicht jammern.» Für mehr Eigenverantwortung plädiert auch Christoph Ritter und formuliert seine Sicht besonders radikal: «Kinder erzieht und betreut man selber, sonst braucht man keine in die Welt zu setzen …»

Andere Leser widersprechen. «Naja, heutzutage hat das nicht mehr viel mit Luxus zu tun», schreibt etwa Marco Weber, «und viele – wahrscheinlich sogar die meisten – würden viel lieber mehr Zeit mit den Kindern verbringen.» Das sei aber «schlichtweg nicht mehr möglich», weil meist beide Elternteile arbeiten müssten.

«Natürlich braucht die Wirtschaft Nachwuchs ...»

Damit stellt sich die Frage, wer die Kosten der Kinderbetreuung tragen soll. Dani Meier plädiert für eine Verteilung auf mehrere Schultern: «Kinderbetreuung sollte nach dem Nutzniesserprinzip finanziert werden.» Neben den Eltern sieht er auch Arbeitgeber und Staat in der Verantwortung. Für ihn geht es darum, dass sich Erwerbsarbeit für Familien weiterhin lohnt: «Wer Kinder hat und arbeitet, darf finanziell nicht bestraft werden.» Wenn die Betreuung einen grossen Teil des zweiten Einkommens auffrisst oder plötzlich 10'000 Franken mehr pro Jahr kostet, «läuft etwas falsch».

Michael Ronner sieht das anders und warnt davor, Unternehmen stärker zur Finanzierung der Kinderbetreuung heranzuziehen. «Natürlich braucht die Wirtschaft Nachwuchs. Doch wer glaubt, dass Unternehmensabgaben die Allgemeinheit nichts kosten, vergisst die ökonomische Realität: Zusätzliche Betreuungsabgaben für Firmen landen als höhere Preise direkt bei den Konsumenten.» Damit verteuere man den Werkplatz Schweiz und treibe die Lebenshaltungskosten für alle weiter an. Deshalb ist er überzeugt: «Echte Entlastung bringt nur Deregulierung, nicht noch mehr staatlicher Zwang.»

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