Debatte um Kita-Kosten
«Wer sich keine Kinder leisten kann, soll einfach verhüten»

Wer soll für Kinderbetreuung zahlen? Während immer mehr KMU über finanzielle Unterstützung nachdenken, fordern andere Eigenverantwortung – eine hitzige Debatte um Kosten und Verantwortung entbrennt.
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Kind oder Karriere – die Frage stellt sich für viele Frauen heute noch immer.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Fast die Hälfte der KMU will Kinderbetreuung finanziell unterstützen, zeigt Studie
  • Höchste Kita-Kosten: 16 Prozent der Eltern zahlen über 2000 Franken monatlich
  • Umfrage: 21 Prozent der Haushalte verzichten auf Kita, betreuen selbst
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Sarah RiberzaniRedaktorin Community

Kinderbetreuung wird für Schweizer KMU zunehmend zum Wirtschaftsthema. Denn wenn Eltern wegen fehlender oder zu teurer Betreuungsmöglichkeiten ihr Pensum reduzieren oder kurzfristig ausfallen, bekommen Unternehmen die Folgen direkt zu spüren. Eine neue repräsentative Studie zeigt deshalb: Knapp die Hälfte der kleinen und mittleren Betriebe wäre bereit, sich künftig finanziell an der Kinderbetreuung ihrer Mitarbeitenden zu beteiligen.

Damit reagieren die Unternehmen auf den wachsenden Fachkräftemangel. Sie erhoffen sich von Betreuungsmöglichkeiten nicht nur zufriedenere Mitarbeitende, sondern auch weniger Ausfälle und eine bessere Auslastung ihrer Belegschaft. Viele KMU sehen den Staat in der Pflicht und wünschen sich steuerliche Entlastungen oder andere Formen der Gegenfinanzierung.

Kita-Kosten: So viel zahlen Eltern

Wie viel Eltern tatsächlich für die Betreuung ihrer Kinder bezahlen, zeigt auch unsere Community-Umfrage mit über 2000 abgegebenen Stimmen. 11 Prozent geben weniger als 1000 Franken pro Monat für die Kita aus, 18 Prozent mehr als 1000 Franken und 16 Prozent sogar mehr als 2000 Franken. Für 21 Prozent entstehen dagegen keine Kita-Kosten, weil ein Elternteil zu Hause bleibt. Weitere 13 Prozent können bei der Betreuung auf Grosseltern oder andere Angehörige zurückgreifen. 21 Prozent der Teilnehmenden haben keine Kinder.

Für manche Familien entscheidet sich damit ganz konkret die Frage, ob sich eine Erwerbstätigkeit überhaupt lohnt. So kommentiert Leser Patrick Blaser: «Meine Frau erwartet ihr zweites Kind. Beim ersten haben wir unser Kind noch drei Tage in die Kita gebracht. Sobald das zweite Kind da ist, ist damit Schluss, wir können uns nicht zwei Kinder in der Kita leisten.» Seine Frau werde deshalb zu Hause bleiben. Auch ein 40-Prozent-Pensum würde sich für die Familie nicht rechnen: «Es hat null Anreiz, arbeiten zu gehen für eine Mutter – finanziell nicht und auch vom Stress her nicht.»

Soll die Allgemeinheit mitfinanzieren?

Wer für die hohen Betreuungskosten aufkommen soll, sorgt in der Community für unterschiedliche Reaktionen. Leser Martin Meier spricht sich klar für eine finanzielle Unterstützung durch Staat oder Arbeitgeber aus: «Wenn man mit der zukünftigen Demografie immer weniger Arbeitskräfte findet, ist das höchste Zeit. Familienfreundlichere Situationen zu schaffen, bringt der ganzen Gesellschaft was!»

Auch Ottavio Pirozzi hält bezahlbare Kinderbetreuung für eine Investition in die Gesellschaft. «Wer selbst Kinder hat, versteht, wie gross diese finanzielle Belastung sein kann. Und ich rede nicht davon, dreimal im Jahr in die Ferien zu fahren oder sich anderen Luxus leisten zu können.» Es gehe um etwas Grundlegendes: die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. «Auch unsere Schulen werden über Steuern finanziert – aus gutem Grund. Ohne öffentlich finanzierte Schulen hätten viele Menschen nicht die Bildung und die Chancen, die für uns heute selbstverständlich sind. Warum sollte eine bezahlbare Kinderbetreuung nicht genauso als Investition in unsere Gesellschaft und unsere Zukunft betrachtet werden?»

Eva Betschart hält eine stärkere Unterstützung ebenfalls für nötig. «Die meisten heutigen Schweizer Familien mit Kindern gehen nicht für ihren Luxus arbeiten, sondern um die horrenden monatlichen Kosten zu tragen.» Für viele Familien funktioniere das Modell, dass der Vater arbeitet und die Mutter zu Hause bleibt, längst nicht mehr. «Wollt ihr, dass zukünftig nur noch die Reichen und die Expats, welche die Firmen ins Land holen, Familien mit Kindern haben? Es geht um die Zukunft eurer Heimat und eurer Wirtschaft!»

Viele fordern Eigenverantwortung

Auf der anderen Seite gibt es deutlichen Widerstand gegen eine Finanzierung durch Arbeitgeber oder Allgemeinheit. Patrick Zola fragt: «Warum sollen Firmen künftig die Kita-Kosten übernehmen? Natürlich gibt es Familien, die auf eine Kita angewiesen sind. Aber warum wird die frühe Trennung von Eltern und Kindern immer mehr zur Normalität?» Stattdessen sollten Modelle gefördert werden, bei denen Eltern ihre Kinder selbst betreuen und sich gegenseitig unterstützen.

Für Nick Heizmann ist ebenfalls klar: «Die Verantwortung für die Familienbudgetierung, sprich – können wir uns ein Kind leisten oder nicht – obliegt allein den Familien. Es kann nicht sein, dass die Wirtschaft dafür aufkommen muss.»

Noch deutlicher äussert sich Leser Karl Vogelsanger: «Weder der Staat noch der Arbeitgeber hat die Aufgabe, die Kosten für Familien zu übernehmen. Die Schweiz ist kein sozialistisches, sondern ein kapitalistisches Wirtschaftssystem. Wer sich keine Kinder leisten kann, soll doch einfach verhüten.»

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