Darum gehts
- Roger K. tötete am 10. März 2026 in Kerzers fünf Menschen
- Tochter Emma G. sieht Behördenversagen und schildert ihn als Familienmensch
- Leser diskutieren: Verständnis für Familie, Kritik an Behörden, Fokus bleibt für viele auf den Opfern
Die Tragödie von Kerzers erschütterte am 10. März 2026 die Welt. Roger K.** zog an diesem Tag fünf Menschen in den Tod. Nun spricht seine Tochter, Emma G.*. Neben dem Postauto-Amok berichtet sie von einem Familienmenschen und «Chrampfer», der von den Behörden alleingelassen wurde. Damit will sie den Menschen hinter dem Wahnsinnsakt zeigen, ohne den Anspruch zu erheben, ihn reinwaschen zu wollen.
Laut Emma G. litt ihr Vater an Polyarthritis, einer Autoimmunerkrankung, die mit chronischen Schmerzen einhergeht. Um staatliche Unterstützung habe er jahrelang kämpfen müssen. Als er seinen Wohnsitz verlor und in die Stiftung Tannenhof in Gampelen BE umgesiedelt wurde, war das für Roger K. die Zerreissgrenze. Seine Tochter erzählt Blick, sie habe die Polizei vor ihrem Vater gewarnt. Sie erklärt sich seine Tat damit, dass er «ein letztes Mal gesehen werden wollte».
«Was bleibt, ist sehr viel Tragik und noch viel mehr Leid»
Viele in der Community machen in den Kommentaren deutlich, dass die Aussagen der Tochter nichts an der verheerenden Katastrophe und deren Bewertung ändern können – geschweige denn die Tat rechtfertigen. Etwa Hilda Wicki. In ihrem Kommentar fokussiert sie auf die Tat: «Es ist für alle Beteiligten eine riesengrosse Katastrophe. Er hat sehr vielen Leuten extremes Leid gebracht. Wer schuld ist, weiss man. Was bringt es, wenn sie nun ihre Perspektive dazu gibt? Ihre Geschichte bringt den Betroffenen nichts und die toten Menschen bringt es auch nicht zurück.»
Urs Kumli stimmt ihr zu: «Ich verstehe, was er fühlte, wenn ihm nicht geholfen wurde. Das ist trotzdem kein Grund, Unschuldige in den Tod zu reissen.» Für Constantin Katsoulis ist klar: «Was die junge Dame über ihren Vater erzählt, mag ja alles stimmen aus ihrer Sicht, doch rechtfertigt es seine Tat keinesfalls.» Alex Grosskreutz stimmt zu: «Natürlich bleibt er ihr Vater mit guten Erinnerungen an ihn. Was aber auch bleibt, ist sehr viel Tragik und noch viel mehr Leid.»
Rolf Meyer ist ebenfalls aufgebracht. Er fragt: «Warum sollen immer alle anderen verantwortlich sein? Die Behörden, die Polizei, das Heim. Ich verstehe die Frustration und Verzweiflung. Aber das ist noch lange kein Grund für so ein Verbrechen.» Chris Schefer pflichtet ihm bei: «Ich kenne die Details nicht, wohl aber die Folgen. Nicht selten suchen Angehörige die Fehler bei der Polizei, anstatt den Täter verantwortlich zu machen und dessen schwere Tat zu akzeptieren.»
«Die Tat ist grausam, trotzdem bleibt er immer ihr Vater»
Andere Leserinnen und Leser zeigen trotz des Schreckensereignisses Verständnis gegenüber Emma G. und ihrer Familie. Eine von ihnen ist Sandrine Jansen: «Es macht die Tat nicht ungeschehen. Jedoch erzählt die Tochter das Geschehene aus ihrer Sichtweise. Das gehört auch dazu.» Philipp Bachler argumentiert: «Die Tat ist nicht zu rechtfertigen, macht die Tochter auch nicht. Ich finde es aber in Ordnung, dass sie die andere Seite darstellen darf.»
Thomas Meier geht ins Detail: «Für Angehörige muss es wie für die Opfer unfassbar schwierig sein. Man stelle sich vor, der eigene Vater macht so etwas. Da kann man nur ohnmächtig daneben stehen, begreifen wird man es nie. Ich finde es wichtig, dass man auch den Menschen hinter der Tragödie sieht.» Daniel Müller hebt hervor: «Die Tat ist grausam, trotzdem bleibt er immer ihr Vater.»
Viele sehen nun die Behörden in der Mitverantwortung. Darunter auch Manfred Rohner: «Hier hat einmal mehr die staatliche Unterstützung versagt. Warum muss jemand Jahre auf Unterstützung der IV warten?» Anna Maloia bedauert: «Ich finde es traurig. Menschen, die nicht mehr funktionieren, lässt man oft fallen. Eine traurige Schweiz ist das.» Hägeli Daniel rügt ebenfalls: «Es muss immer zuerst etwas passieren, bevor etwas unternommen wird.»
* Name geändert
** Name bekannt