Darum gehts
- Die Jagdsaison ist eröffnet, Debatten über Sinn und Ethik der Jagd entflammen
- Befürworter sehen Jagd als Naturschutz, Kritiker als unnötiges Tierleid
- Schweizweit wird nach dem besten Wildteller gesucht – nominiere deine Favoritenbeiz
Die Jagdsaison ist zurück. Und damit landet auch wieder Wild auf den Tellern. Rehpfeffer, Spätzli, Rotkraut ... für viele gehört ein gutes Wildgericht untrennbar zum Herbst. Da stellt sich die Frage: Wo in der Schweiz gibt es den besten Wildteller? Für den «Blick Check» ist Reto Scherrer auf der Suche danach.
Gleichzeitig belebt die Wildsaison eine alte Debatte: Wie sinnvoll ist die Jagd – und welche Rolle soll sie in Natur und Gesellschaft spielen? In unserer Community gehen die Meinungen weit auseinander. Für die einen ist die Jagd ein wichtiger Bestandteil des Natur- und Wildtiermanagements, für die anderen ist sie höchst umstritten.
«Die Jagd ist zwingend notwendig»
Guido Lima bezeichnet die Jagd als «ein fundamentales Anliegen». Ausgebildete Jäger würden dort den Wildbestand regulieren, wo natürliche Feinde fehlen. «Ohne diese kontrollierten Abschüsse würden seiner Ansicht nach die Wälder und Wiesen ganz anders aussehen.»
Natürliche Feinde von Reh, Wildschwein und Co. spielen auch in Felix Klaus' Kommentar eine zentrale Rolle. Gerade den Wolf sieht er als natürlichen Regulator – jedoch nicht als ausreichende Alternative zur Jagd: «Die Jagd ist deshalb zwingend notwendig, solange die natürliche Regulierung durch den Wolf nicht in ausreichendem Mass funktioniert.»
Andy Honegger sieht es ähnlich: «Während Wölfe die Beute reissen und oft lange leiden lassen, macht der Mensch kurzen Prozess – das geht schmerzlos.»
Für Zdravko Lukacic ist Jagd mehr als Bestandsregulierung. Er ist überzeugt: «Jagd ist aktiver Naturschutz und ein Kulturgut.» Jäger zu sein sei «eben nicht nur Wildtiere zu erlegen, sondern sich mit Fauna und Flora zu beschäftigen.»
Andere sehen die Jagd als direkte Folge menschlicher Eingriffe. André Bernhard schreibt: «Jäger sind nötig, weil der natürliche Feind – etwa Wolf, Bär und Luchs – von uns Menschen zurückgedrängt worden ist.» Tomi Meyer ergänzt: «Oder sie werden vom Menschen fast ausgerottet – wie einst der Wolf –, weil sie anfangen, Nutztiere zu jagen und dann als gefährlich eingestuft werden.»
«Völlig unnötig, diese Jagd»
Leandra Gasser widerspricht diesen Pro-Jagd-Argumenten entschieden: «Nein, die Jagd hat absolut nichts mit Naturschutz und schon gar nichts mit Kultur zu tun.» Sie ist überzeugt: «Jäger nehmen dem Wolf die Beute weg.» Die Natur würde sich selbst regulieren. Coni Rohr formuliert es noch radikaler: «Jagen ist nichts anderes als Morden.» Ohne das Einmischen von Menschen würde sich die Natur selbst regulieren. «... aber wo sich der Mensch einmischt, ist die Natur krank ...»
Und Ursula Alayan kommentiert: «Jagd wird oft als Naturschutz verkauft, ist aber in vielen Fällen vor allem Tierleid.» Dabei macht sie aufmerksam auf Fehlschüsse, die angeschossenes Wild schwer verletzt fliehen lassen. «Wer Tiere und Natur wirklich schützen will, sollte auf wirksame, tierschutzgerechte und wissenschaftlich fundierte Massnahmen setzen.»
Thomas Huwiler betrachtet das Thema aus derselben Perspektive: «Völlig unnötig, diese Jagd. Da wird auf alles geschossen, was sich bewegt ... Die sollen lieb in die Schiesskeller gehen, um sich dort abzureagieren!»
«Lieber Fleisch vom Wild als von Nutztieren»
Statt «Hobby-Jäger, die einfach gerne schiessen» brauche es «sehr geübte, professionelle Schützen», fordert derweil Martin Bachmann. Und mündet mit seinem Kommentar in das Thema Fleischkonsum ein. Dort sieht er einen Widerspruch: «Im Prinzip ist die Jagd nicht verwerflicher, als das Fleisch im Supermarkt zu kaufen, wo Tiere auch auf langen Transporten leiden müssen.»
Franz Meister beschäftigt die Frage des moralisch vertretbaren Fleischkonsums ebenso: «Ich esse Fleisch – aber müsste ich das Tier selbst töten, würde ich vermutlich darauf verzichten. Ein Widerspruch, über den man nachdenken sollte.» Für Vera Kronenberg ist die Sache klar: «Lieber Wildfleisch von freilebenden Tieren statt von unseren armen zusammengepferchten ‹Nutztieren›.»
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