Debatte um Münz-Initiative
«Dieser Zwang zur Digitalisierung muss aufhören!»

Die Münz-Initiative der Bündner Rentnerin Berta Caminada bewegt die Gemüter – und spaltet auch unsere Leserschaft. Während die einen den Vorstoss als wichtiges Zeichen für den Erhalt von Bargeld feiern, sehen andere darin einen Rückschritt.
Kommentieren
1/6
Berta Caminada aus Bonaduz GR zahlt am liebsten mit Bargeld. Jetzt lanciert sie eine Initiative.
Foto: Thomas Meier

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Rentnerin Berta Caminada fordert mit Initiative Bargeldpflicht in öffentlichen Bereichen
  • 77 Prozent von 2800 Befragten unterstützen die Initiative laut Leserumfrage
  • Kritiker warnen vor hohen Kosten und Verzögerungen im öffentlichen Verkehr
RMS_Portrait_AUTOR_938.JPG
Sarah RiberzaniRedaktorin Community

Die Bündner Rentnerin Berta Caminada sorgt mit ihrem Kampf für Bargeld im öffentlichen Leben für Diskussionen. Mit einer kantonalen Initiative will die 78-Jährige erreichen, dass in Postautos, Parkhäusern oder öffentlichen Einrichtungen auch künftig immer mit Münz bezahlt werden kann. Digitale Zahlungsmittel wie Twint oder Karte sollen zwar bestehen bleiben, Bargeld soll jedoch nicht aus dem Alltag verdrängt werden.

Auslöser für ihren Vorstoss ist unter anderem die Umstellung im Bündner ÖV, wo Fahrgäste ihre Billette im Postauto nicht mehr direkt beim Chauffeur mit Bargeld lösen können. Die Initianten sprechen dabei von einer möglichen Benachteiligung jener Menschen, die kein digitales Zahlungsmittel nutzen können oder wollen. 

Grosse Unterstützung in der Umfrage

Die Münz-Initiative der Bündner Rentnerin stösst bei unserer Leserschaft auf deutliches Echo – und wird mehrheitlich positiv aufgenommen. In einer Umfrage mit über 2800 abgegebenen Stimmen sprechen sich 77 Prozent der Teilnehmenden dafür aus und bezeichnen das Anliegen als «Super Sache», die sie unterstützen.

Deutlich kleiner ist der Widerstand: 21 Prozent halten die Initiative für überflüssig und lehnen sie ab. Nur 2 Prozent der Befragten sind noch unentschlossen.

«Ein Wind in die richtige Richtung»

Auch in den Kommentaren erhält Berta Caminada viel Zuspruch. «Recht hat sie. Dieser Zwang zur Digitalisierung beziehungsweise der Ausschluss jener, die nicht wollen oder können, muss aufhören», schreibt etwa Leserin Tina Baumann.

Christoph Paul sieht ebenfalls Rückenwind für das Anliegen: «Toll, was hier geschieht! Leider ist es nicht auf eidgenössischer Ebene, aber vielleicht doch ein Wind in die richtige Richtung.»

Piotr Deputin argumentiert mit der Wahlfreiheit beim Bezahlen: «Eigentlich steht es schon in der Verfassung. Diese elende Bevormundung, digital bezahlen zu müssen, dazu noch mit Smartphone, um möglichst viele Daten abzusaugen, gehört abgeschafft.» Er fordert zudem, dass auch 5-Räppler künftig von Automaten zwingend akzeptiert werden müssten.

Kritik an Kosten und Aufwand

Doch die Initiative stösst nicht nur auf Zustimmung. Kritische Stimmen weisen vor allem auf die zusätzlichen Kosten hin, die mit Bargeld verbunden sind. So schreibt Adrian Müller: «Wenn das durchkommt, dann müsste man einen Extrabeitrag einführen. Ich bin auch froh, wenn es Möglichkeiten gibt, per Bargeld zu bezahlen, aber bei manchen Orten ist der Betrieb nun mal mit Bargeld teurer.»

Auch Philipp Schreier verweist auf die Kosten, die Bargeld im System verursacht: «Ihr Einsatz in Ehren. Aber Bargeld ist nicht gratis. Jeder Barverkauf kostet: Automaten, Leerung, Abrechnung, Sicherheit, Störungen, Wartung, Personal. Wer also überall Bargeld erzwingen will, bestellt nicht Nostalgie, sondern eine Zusatzrechnung.» Diese Kosten würden am Ende alle tragen. «Hilfe für Menschen ohne Smartphone? Ja. Wertkarten, Verkaufsstellen, einfache Lösungen. Aber eine flächendeckende Münzpflicht für alle? Nein danke», schreibt er.

Hans Krieger findet ebenfalls klare Worte: «Hoffentlich wird die Initiative gekippt.» Der Leser sieht praktische Nachteile im öffentlichen Verkehr: «Ich kenne mehrere Busfahrer, und sie sagen alle dasselbe: Das Bezahlen im Bus führt zu Verspätungen, und Leute verpassen oft ihren Zuganschluss, weil jemand unbedingt einen Fahrpreis von 4.80 Franken mit einem 200-Franken-Schein bezahlen will.» Angesichts knapperer Anschlüsse und steigender Passagierzahlen sei das System aus seiner Sicht nicht mehr zeitgemäss. Stattdessen plädiert er für Ticketautomaten an den Haltestellen.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen