Debatte um Altersheimkosten
«Verprasst eure Kohle, solange ihr sie noch habt!»

Ein Leben lang sparen, nur damit hohe Pflegekosten das Vermögen im Altersheim wieder auffressen? Für viele Leserinnen und Leser lohnt sich das nicht. Sie sparen bewusst nicht für einen möglichen Heimaufenthalt – sondern wollen ihr Geld lieber vorher ausgeben.
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Die Altersheimkosten in der Schweiz nagen bei vielen Bewohnern am Vermögen.
Foto: imago images/Eibner Europa

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Pflegekosten in Schweizer Altersheimen übersteigen oft 10'000 Fr. monatlich
  • 77 Prozent der über 6200 Befragten sparen nicht gezielt für Pflegekosten
  • Durchschnittlicher Heimaufenthalt kostet etwa 280'000 Fr. bei 784 Tagen
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Sarah RiberzaniRedaktorin Community

Für viele Rentnerinnen und Rentner in der Schweiz beginnt nach der Pensionierung eine lange Phase bei guter Gesundheit. Doch spätestens ab 80 Jahren steigt der Pflegebedarf deutlich. Gleichzeitig werden die letzten Lebensjahre häufig zur finanziell teuersten Phase: Wer ins Altersheim eintritt, muss mit durchschnittlichen Gesamtkosten von mehr als 10'000 Franken pro Monat rechnen. Bei höherem Pflegebedarf können sie sogar mehr als 15'000 Franken monatlich betragen.

Rund zwei Drittel der Gesamtkosten müssen die Bewohner selbst tragen. Je nach Kanton und Pflegestufe sind das etwa 4500 bis 8000 Franken pro Monat. Reicht die Rente nicht aus, werden die Ersparnisse angegriffen. Ergänzungsleistungen können helfen, sind aber an Vermögensgrenzen geknüpft. Auch das Eigenheim und das spätere Erbe können betroffen sein. Besonders wichtig: Wer sein Vermögen vor dem Heimeintritt verschenkt, kann es damit nicht einfach vor den Heimkosten schützen.

Leser schildern ihre Erfahrungen

Wie sich diese Kosten konkret auf Betroffene und ihre Familien auswirken können, zeigen die Erfahrungen in unserer Community. Mica Kernen berichtet von ihrer Mutter, die sechs Jahre im Heim gelebt habe: «Zum Schluss bleibt nicht mal Geld fürs Begräbnis übrig. Nach sechs Jahren, in denen meine Mutter im Heim war, war natürlich das ganze Geld weg, sie lebte dann von den Ergänzungsleistungen. Vom hohen Ersparten durfte nichts zurückbehalten werden.»

Auch Claudia Demarmels hat die hohen Rechnungen selbst erlebt. Ihre Mutter habe monatlich zwischen 6700 und 6900 Franken für das Pflegeheim bezahlt. «Ich frage mich immer wieder: Warum sind die Heimkosten so hoch? Meine Mutter konnte sich selber waschen und selber essen. Nur beim Duschen und Ankleiden brauchte sie Hilfe. Das Zimmer war alt, der Parkett fleckig und aufgerissen.»

Solche Erfahrungen werfen die grundsätzliche Frage auf: Wie gehen die Menschen heute mit dem finanziellen Risiko eines möglichen Heimaufenthalts um? Eine Leserumfrage von Blick zeigt: Die grosse Mehrheit trifft offenbar keine konkrete finanzielle Vorsorge für einen möglichen Aufenthalt im Altersheim. Von über 6200 Teilnehmenden gaben 77 Prozent an, dass sie nicht gezielt für mögliche Pflegekosten sparen. Nur 23 Prozent legen dafür bewusst Geld zurück.

Eigenverantwortung oder Solidarität?

Einige Leserinnen und Leser ziehen aus den hohen Altersheimkosten einen provokanten Schluss: Warum fürs Altersheim sparen, wenn am Ende ohnehin der Staat einspringt? So schreibt Leser Daniel Hirsbrunner: «Wer noch Vermögen hat, ist selber schuld. Der Zimmernachbar ohne Erspartes erhält Ergänzungsleistungen bis zur Deckung der Kosten, bekommt aber genau die gleiche Pflege und Annehmlichkeiten wie derjenige, dessen Vermögen nun wie Schnee an der Sonne schmilzt.»

Auch Leser Dieter Graf meint: «Verprasst eure Kohle, solange ihr sie noch habt. Wer nichts mehr hat, dem kann auch nichts mehr weggenommen werden. Im Gegenteil, dem wird dann gegeben. Ich hatte auch immer Bedenken, dass mein hart verdientes, weniges Geld im Alter reicht. Aber jetzt ist Schluss. Ich merke, es lohnt sich nicht zu sparen.»

Dieter Neth stellt das heutige Altersheim-Modell grundsätzlich infrage. Es sei «weder nachhaltig noch zukunftsfähig». Die letzten teuren Lebensjahre müsse man seiner Meinung nach nicht zwingend erleben. «Das will ich den Töchtern ersparen. Dafür lohnt es sich doch nicht, zu sparen und zu verzichten.» Sein Fazit: «Bis ich ins Altersheim muss, habe ich mein Vermögen aufgebraucht.»

«Verantwortungslos gegenüber künftigen Generationen»

Andere Leserinnen und Leser sehen das genau umgekehrt. Für sie geht es um Eigenverantwortung und Fairness gegenüber der arbeitenden Generation. So schreibt Leser Hans Gusen: «Ich habe für mein Alter vorgesorgt, weil ich niemandem finanziell zur Last fallen möchte – auch nicht dem Steuerzahler.»

Auch Ueli Siegenthaler warnt davor, die Kosten einfach auf kommende Generationen abzuwälzen: «Sozialhilfe ist für Leute gedacht, die ein Leben lang gearbeitet haben und bei denen es trotzdem nicht reicht. Aber diese Denke ist schlicht verantwortungslos gegenüber künftigen Generationen – die übrigens, sobald man pensioniert ist, unsere AHV, Krankenkosten und allenfalls EL finanzieren müssen.»

Pierre Jeandupeux spricht sich ebenfalls dafür aus, dass jeder für sich selbst aufkommen soll und nicht die Allgemeinheit. «Ich weiss nicht, woher dieser Egoismus kommt, dass immer alles auf die anderen abgeschoben werden soll und man selber keine Verantwortung mehr übernehmen muss, nur weil man alt ist!»

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