Debatte um 10-Millionen-Initiative
«Leute wie Bindella bestärken mich nachhaltig in meinem Ja»

Die Aussagen von Gastro-König Rudi Bindella zur 10-Millionen-Initiative treffen in unserer Leserschaft einen Nerv: Während einige seine Warnungen teilen, werfen ihm andere vor, die Ursachen des Personalmangels zu einseitig darzustellen.
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Rudi Bindella ist wohl der erfolgreichste Gastronom des Landes. Sein Markenzeichen: Zwei verschiedenfarbige Schuhe.
Foto: Philippe Rossier

Darum gehts

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  • Gastro-Unternehmer Rudi Bindella kritisiert die SVP-Initiative als «falsches Zeichen» für die Schweiz
  • 85 Prozent seiner Mitarbeitenden sind Ausländer, die Branche sei stark auf sie angewiesen
  • Initiative könnte Restaurants gefährden, da Personalrekrutierung weiter erschwert würde
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Sarah RiberzaniRedaktorin Community

Gastro-König Rudi Bindella findet deutliche Worte zur 10-Millionen-Initiative der SVP: Die Vorlage erinnere ihn an die Schwarzenbach-Initiative der 1970er-Jahre. Er warnt vor einem Imageschaden für das Land. Damals habe sich die Schweiz mit ihrer ablehnenden Haltung gegenüber Ausländern «verhasst gemacht». Besonders stört den 78-Jährigen, dass ausgerechnet jene Menschen ausgegrenzt würden, die Arbeiten übernehmen, die viele Schweizer nicht mehr machen wollten – etwa in der Gastronomie oder auf dem Bau.

Der Patron der Bindella-Gruppe betont zudem, wie stark seine Branche auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen sei: Rund 85 Prozent der Mitarbeitenden in seinem Unternehmen seien Ausländer. Bei einem Ja zur Initiative würden Restaurants noch grössere Mühe haben, Personal zu finden, viele Betriebe könnten schliessen. Gleichzeitig kritisiert Bindella die sinkende Leistungsbereitschaft in der Schweiz. Wer den Wohlstand erhalten wolle, müsse wieder mehr und länger arbeiten, statt immer weniger arbeiten zu wollen.

Zustimmung für Bindellas Kritik

In unserer Community stossen seine Aussagen auf ein geteiltes Echo. Zustimmung kommt etwa von Leser Edi Rey: «Es hört sich unangenehm an, aber er hat recht. Wenn wir weniger arbeiten, braucht es mehr ausländische Arbeitskräfte. Wir müssen uns entscheiden.»

Angelo Bruhin teilt diese Sicht zu einem gewissen Grad: «Stimmt schon einiges, was er sagt. Wer arbeitet heute noch Doppelschichten wegen der Saison über Monate? Diese Initiative macht nicht frei, sondern erpressbar gegenüber dem Ausland.» Eine Annahme der Initiative würde seiner Meinung nach die Schweiz als Wirtschaftsstandort deutlich schwächen und die Rekrutierung von Arbeitskräften erschweren.

Unterstützung erhält Bindella zudem von Werner Blum. «Glücklicherweise gibt es noch vernünftige Unternehmer. Ich will keine Ausgrenzung, Missgunst und Abschottung. Daher nur ein klares Nein», kommentiert er.

Deutliche Gegenstimmen

Gleichzeitig äussert sich die Mehrheit der Leserinnen und Leser deutlich kritisch gegenüber dem Gastro-Unternehmer. Mario Bruzzano etwa gibt zu bedenken: «Irgendwann muss man sich doch ehrlich fragen, ob hier nicht etwas grundsätzlich falsch läuft. Wenn trotz Rekordzuwanderung und immer mehr Arbeitskräften aus dem Ausland angeblich weiterhin überall Personal fehlt, dann liegt das Problem vielleicht nicht nur an fehlenden Fachkräften, sondern daran, dass Unternehmen sich an billige Arbeitskräfte gewöhnt haben. Über diese Fragen wird aber kaum offen diskutiert.»

Auch Xaver Perte sieht die Verantwortung stärker bei der Branche selbst: «Bindella will Wachstum mit mehr Zuwanderung erzielen, das ist halt am einfachsten.» Die Industrie müsse schon lange automatisieren und sich als attraktiver Arbeitgeber anbieten – insbesondere die Gastronomie. «Ich fange morgens extra später an und arbeite abends länger, um dem jetzt schon horrenden Pendlerverkehr auszuweichen.» Mit Zunahme der Bevölkerung werde dies immer schlimmer. «Leute wie Bindella bestärken mich nachhaltig in meinem Ja», doppelt er nach.

Ähnlich argumentiert Harry Egger: «Viele Betriebe klagen darüber, dass sie kaum Personal finden. Aus meiner Sicht liegt das aber oft weniger am fehlenden Arbeitswillen, sondern vielmehr an den angebotenen Löhnen.» Wer faire und existenzsichernde Löhne bezahle, finde auch qualifizierte Mitarbeitende. «Wenn der Lohn jedoch kaum reicht, um die Lebenshaltungskosten zu decken, wird es verständlicherweise schwierig.»

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