Darum gehts
- RTS-Sportkommentator Renna kritisiert israelisches Bobteam bei Olympia 2026 politisch
- Leserschaft diskutiert Rolle von Moderatoren und Neutralität im Sport
- Umfrage: Mehrheit gegen politische Stellungnahmen in Sportübertragungen
Der RTS-Sportkommentator Stefan Renna steht international in der Kritik. Während der Live-Übertragung des olympischen Bobrennens in Cortina d’Ampezzo stellte er die Teilnahme des israelischen Teams um Adam Edelman (34) infrage. Dabei verwies er unter anderem auf Edelmans lautstarke Unterstützung des israelischen Vorgehens im Gazastreifen und warf ihm sinngemäss vor, einen Genozid zu befürworten.
RTS entfernte die Passage kurz darauf und erklärte, die Aussagen seien zwar faktisch korrekt gewesen, für einen Sportkommentar jedoch ungeeignet. Die Kritik folgte umgehend: Israels Kultur- und Sportminister Miki Zohar (45) forderte das IOC auf, die SRG zu verurteilen. US-Botschafter Mike Huckabee (70) sprach auf X von «mehr als widerwärtigen» Aussagen und bezeichnete Renna als «judenhassenden Schweizer Sportkommentator».
Umfrage: Wie politisch dürfen Moderatoren sein?
Auch in der Leserschaft entfacht der Vorfall eine kontroverse Diskussion über die Rolle von Moderatoren. Eine Blick-Umfrage zeigt: Eine deutliche Mehrheit von 63 Prozent ist der Ansicht, dass Medien keine Partei ergreifen sollten – und spricht sich damit klar gegen politische Stellungnahmen im Rahmen einer Sportübertragung aus. 27 Prozent vertreten hingegen die Auffassung, dass es wichtig sei, als Moderator einen Standpunkt einzunehmen. Weitere 10 Prozent machen ihre Einschätzung vom jeweiligen Thema abhängig.
In der Kommentarspalte wird entsprechend debattiert. Leser Felix Egolf schreibt: «Als Sportspeaker hat man eine Verantwortung, nämlich die Macht des Mikrofons nicht zu missbrauchen. Meinungen und Einschätzungen mit direktem Bezug zur Sportart reichen aus.»
Auch Alfred Haslinger meint: «Man mag zu Israel bzw. dem Gazakonflikt seine eigenen Gedanken haben. Allerdings entspricht der Kommentar nicht einer ausgewogenen Berichterstattung, zu welcher die SRG eigentlich verpflichtet wäre!»
Kritik an Neutralität
Joe Adorno zieht aus dem Kommentar eigene Schlüsse: «Bisher war ich auf der Kippe bei der Halbierungsinitiative. Der RTS-Kommentator hat mich überzeugt, ein Ja einzulegen. Für solche Aussagen bezahle ich sicher kein Geld!»
Mark Miller hingegen richtet den Blick weniger auf den einzelnen Kommentar, sondern auf die grundsätzliche Frage nach politischer Ausgewogenheit, Gebührenfinanzierung und dem publizistischen Auftrag der SRG. Der Vorfall sei «extrem schädlich so kurz vor der Abstimmung» und offenbare aus seiner Sicht einen zentralen Schwachpunkt des Senders: «Er ist politisch einfach nicht ausgewogen.» Zudem zeigt er sich irritiert darüber, dass sich die SRG seiner Meinung nach nicht deutlich genug zum Fehlverhalten geäussert habe.
Das Problem liege nicht beim Kommentator
Einige Leser betrachten den Vorfall hingegen differenzierter. Leser Emil Egger macht deutlich, dass er das Problem nicht allein bei den Moderatoren sieht: «Politik hat im Sport absolut nichts zu suchen. Leider hält sich fast niemand mehr daran. Seien es Kommentatoren, Funktionäre und leider auch Sportler. Aus meiner Sicht müssen die Fehlbaren hart sanktioniert werden. Wer sich politisch äussern will, soll sich in ein politisches Amt wählen lassen.»
Für User Pascal Fröhlich steht fest: «Wenn der Sportler selbst den Sport nicht von der Politik fernhalten will, dann ist es auch erlaubt, dass ein Sportmoderator dies zum Thema macht und den Hintergrund mitgibt.» Wer seine Haltung so deutlich präsentiert, müsse damit rechnen.
Roland Greter teilt eine ähnliche Einschätzung: Er weist darauf hin, dass Moderatoren sich stets über die Sportler informieren, über die sie berichten. «Ist natürlich tragisch, wenn als Ergebnis der Recherche solche Fakten erscheinen. Das spricht ja nicht sehr für den Sportler.» Gleichzeitig räumt er ein, dass die Entscheidungen, weshalb bestimmte Länder wegen Krieg ausgeschlossen werden, andere aber teilnehmen dürfen, durchaus fragwürdig seien. «Das ist aber nicht die Schuld des Reporters!»