Darum gehts
- BMWs iX3 revolutioniert mit neuer Plattform und beeindruckender Technik den Elektro-SUV-Markt
- Wichtige Innovation: Bis zu 800 km Reichweite und «Plug & Charge»-Funktion
- Vorläufige Topversion iX3 50 xDrive startet ab 78'000 Franken, günstigere Varianten folgen
Die Marketingabteilungen der Autobauer neigen bisweilen zu Übertreibungen. So spricht BMW beim neuen iX3 von einem Jahrhundertprojekt, das den Beginn einer neuen Ära, ja einer ganz «Neuen Klasse» einläute und über die erfolgreiche Zukunft des bayrischen Autobauers entscheide. Tragen die Münchner zu dick auf? Vielleicht ein wenig.
Klar ist aber, dass sich BMW mit der Vorstellung des ersten Stromers auf der revolutionären «Neue Klasse»-Plattform, auf der bald viele weitere Modelle wie der erste rein elektrische 3er folgen werden, viel Zeit gelassen hat. Umso wichtiger, dass der Stromschlag sitzt. Die Vorzeichen stehen gut: Der iX3 ist fürs laufende Jahr ausverkauft, die Produktion im neu gebauten Werk im ungarischen Debrecen läuft auf Hochtouren.
Als bisher einzige europäische Autoredaktion kann der SonntagsBlick den elektrischen Überflieger in einem einjährigen Langzeittest ganz genau unter die Lupe nehmen. Bevor es für einen ersten Dauerlauf rund 1500 Kilometer über deutsche Autobahnen geht, werfen wir einen Blick auf das sichtbare Aussen- und Innenleben des neuen iX3.
Revolution aussen und innen
Grosse Schritte in der Technologie würden nach ebenso grossen Weiterentwicklungen im Design verlangen. Davon ist Designchef Adrian van Hooydonk (62) überzeugt und ruft auch bei der Optik des iX3 eine Revolution aus. «Die Neue Klasse ist so modern, dass es fast so aussieht, als ob wir eine ganze Generation übersprungen hätten», so van Hooydonk. Dynamik gepaart mit Leichtfüssigkeit, die Reduktion aufs Wesentliche – das habe schon BMWs Neue Klasse der 1970er-Jahre ausgemacht. So sind beim iX3 auch die riesigen Doppelnieren vergangener Modelle Geschichte. Feines Detail: die versteckten Dichtungen der Seitenfenster. Nur die ausfahrbaren Griffe, die die massiven Türen jeweils erst verzögert öffnen, sind weniger gelungen.
Auch im Cockpit des iX3 zieht die Zukunft ein – und zwar in Form des Panoramic-iDrive-Displays, das sich unterhalb der gesamten Windschutzscheibe erstreckt. Die Inhalte der einzelnen Segmente lassen sich selbst bei starker Sonneneinstrahlung bestens ablesen und individuell einstellen – angezeigt werden etwa Wetter, Momentanverbrauch, Batterietemperatur oder Radiosender. Mit einer Ausnahme: Die Digital-Instrumente auf Höhe des Fahrers sind stets gesetzt – das optionale Head-up-Display liefert dadurch kaum Mehrwert, weil viele Infos doppelt im Sichtfeld angezeigt werden.
Das in anderen Berichten oft kritisierte Lenkrad in Raumschiff-Optik liegt angenehm in den Händen und machte auf der ersten langen Tour auch punkto Bedienung keine Probleme. Deutlich gewöhnungsbedürftiger ist es, in den zahllosen Untermenüs des Infotainmentsystems den Überblick zu behalten. Hier schafft aber die Sprachsteuerung in den meisten Fällen Abhilfe.
Reichweitenangst ade
Dass der iX3 mit seinem grosszügigen Platzangebot im Fond und Kofferraum samt Frunk absolut familientauglich ist, liegt bei einer Länge von 4,78 Meter auf der Hand. Doch ein Blick aufs Display zeigt auch die Langstreckentauglichkeit des 2,4 Tonnen schweren Mittelklasse-SUVs. Bei der Testwagen-Übergabe am Schweizer BMW-Hauptsitz in Dielsdorf ZH stehen über 800 Kilometer bis zum nächsten Ladestopp auf dem Display. Reichweitenängste gehören damit definitiv der Vergangenheit an, auch wenn der zuerst angezeigte Topwert bei konstanten 130 km/h auf der deutschen Autobahn nicht erreicht wird.
Für die rund 700 Kilometer von Zürich Richtung Norddeutschland genügt dennoch ein Ladestopp, der allerdings mit über 30 Minuten fast doppelt so lang ausfällt, wie wir ursprünglich geplant hatten. Grund für die vorläufige Ernüchterung ist die voreingestellte Option «akkuschonendes Schnellladen», womit der iX3 nur mit maximal 180 statt der versprochenen bis zu 400 kW Strom in den mächtigen 108,7-kWh-Akku saugt.
Laden wird zum Kinderspiel
Auch die extra vor der Fahrt via Handy aktivierte Option «Plug & Charge» müssen wir im Untermenü nochmals manuell aktivieren, ehe der BMW als einer der ersten Stromer auf dem Markt an vielen Ladesäulen automatisch mit dem Ladevorgang beginnt. Das Hantieren mit Apps, Lade- oder Kreditkarten gehört vielerorts damit der Vergangenheit an und wird das Laden unterwegs in den kommenden Jahren in allen neuen Elektro-Modellen wesentlich vereinfachen. Nach den Startproblemen klappte das automatische Schnellladen selbst abseits der Autobahnen aber tadellos.
Antrieb: Zwei E-Motoren, total 469 PS (345 kW), 645 Nm, 1-Stufen-Automat, 4x4
Fahrleistungen: 0–100 km/h in 4,9 s, Spitze 210 km/h, Batteriegrösse 108,7 kWh, max. Ladeleistung AC/DC 11/400 kW, Reichweite WLTP/Test (D-Autobahn) 805/>500 km
Masse: L/B/H 4,78/1,90/1,64 m, Gewicht 2360 kg, Anhängelast gebremst 12% 2000 kg, Laderaum hinten 520–1750 l + Frunk 87 l
Umwelt: Verbrauch WLTP/Test 15,1/20,1 kWh/100 km, Energie B
Preis: ab 78’000 Franken, Testwagen mit Optionen 99'570 Franken
Antrieb: Zwei E-Motoren, total 469 PS (345 kW), 645 Nm, 1-Stufen-Automat, 4x4
Fahrleistungen: 0–100 km/h in 4,9 s, Spitze 210 km/h, Batteriegrösse 108,7 kWh, max. Ladeleistung AC/DC 11/400 kW, Reichweite WLTP/Test (D-Autobahn) 805/>500 km
Masse: L/B/H 4,78/1,90/1,64 m, Gewicht 2360 kg, Anhängelast gebremst 12% 2000 kg, Laderaum hinten 520–1750 l + Frunk 87 l
Umwelt: Verbrauch WLTP/Test 15,1/20,1 kWh/100 km, Energie B
Preis: ab 78’000 Franken, Testwagen mit Optionen 99'570 Franken
Ebenfalls top: Da wir schon früh abschätzen können, dass wir es locker mit nur einem Ladezwischenstopp ans Ziel schaffen, erhöhen wir unser Reisetempo auf dem zweiten Abschnitt der Strecke (wo es möglich ist) auf 150 km/h. Was bei anderen E-Autos zu rasant sinkenden Akkuständen führt, macht der iX3 mit seiner Effizienz wieder wett. Selbst mit dauerhaften 150 km/h schafft der iX3 ohne Probleme 500 Kilometer am Stück.
Entspannt trotz kleiner Schwächen
Eine weitere Innovation im bayrischen Elektro-König ist der (vorerst nur in Deutschland) bis 130 km/h aktivierbare Autobahn-Assistent, der schon eine Vorstufe zum autonomen Fahren darstellt. Auf den meisten Abschnitten müssen die Hände nicht mehr am Lenkrad sein, und Spurwechsel werden nur mit Kopfbewegung vollautomatisch vollzogen. Obwohl der Blick trotzdem stets auf die Strasse gerichtet sein muss, sorgt der einwandfrei funktionierende Assistent auf langen Strecken tatsächlich für Entspannung.
Auf der ersten langen Fahrt im neuen Dauertestwagen sind uns nur kleine Schwächen aufgefallen: Das Fahrwerk dürfte für Komfortliebhaber etwas zu straff abgestimmt sein – uns störte es aber nicht. Die (deaktivierbare) automatische Rekuperation reagiert teils überempfindlich und bremst den BMW des Öftern unnötigerweise sehr scharf ab. Andere Modelle, etwa aus dem VW-Konzern, sind hier noch etwas feiner justiert.
Fazit nach 1500 Kilometern
Der mit Hightech vollgepackte iX3 ist selbstredend kein Schnäppchen – im Vergleich zu einem ähnlich stark motorisierten Verbrenner-X3 aber dennoch preiswert. Damit der familientaugliche Elektro-SUV aber auch für eine budgetbewusstere Kundschaft erschwinglich wird, sollte BMW jetzt möglichst rasch günstigere Versionen nachlegen. Bisher ist der iX3 nur als vorläufiges Allrad-Topmodell 50 xDrive ab 78'000 Franken erhältlich – unser Testwagen mit reichlich Extras kostet gar fast 100'000 Franken. Doch schon bald soll mit dem iX3 40 eine günstigere Variante folgen, die mit kleinerem Akku und Heckantrieb ab 69'600 Franken erhältlich ist.
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