Darum gehts
- Mercedes-AMG enthüllt elektrisches GT 4-Türer Coupé mit bis zu 1169 PS
- Das Fahrzeug erreicht 100 km/h in 2,4 Sekunden und 700 km Reichweite
- Schweizer Verkaufsstart Ende Mai, Preise ab geschätzt 175'000 bis über 210'000 CHF
Das Imperium aus Affalterbach hat lange stillgehalten. Mercedes-Tochter AMG überliess der Elektro-Konkurrenz von Porsche (Taycan), Tesla (Model S) oder Audi (E-Tron GT) kampflos die Bühne der viertürigen Sportlimousinen. Doch die Antwort der schnellen Mercedes-Tochter hat es in sich: Das neue, vollelektrische GT 4-Türer Coupé kontert mit scharfem Design und einer maximalen Leistung von bis zu 1169 PS (860 kW). Für AMG ist der 5,04 Meter lange Luxus-Stromer die ultimative Nagelprobe für die Zukunft. Das weiss auch Mercedes-Chef Ola Källenius (56): «Das Auto verschiebt Leistungsgrenzen und liefert die Emotionen, die unsere Fans von einem AMG erwarten.»
F1-Technik statt klobiger Motoren
AMG definierte sich bisher immer über Leistung und knackigen Motorensound. Jetzt soll ein technischer Geniestreich die Elektro-Zukunft sichern. Statt gewöhnlicher Elektromotoren verbauen die Ingenieure ultraflache Axial-Fluss-Motoren von Yasa, der britischen Mercedes-Tochter. Die Vorteile dieser E-Maschinen: Sie sind besonders flach, leicht und haben eine extrem hohe Leistungsdichte. Die vordere E-Maschine ist nur knapp neun Zentimetern breit, die beiden hinteren messen jeweils rund acht Zentimeter. Das zeigt schon, wohin die Reise bei AMG geht. Nicht die nackte PS-Zahl stand bei der Entwicklung im Vordergrund, sondern das Gewicht und eine kompakte Bauweise für maximale Agilität in den Kurven.
Schon die Basisversion GT 55 4Matic+ leistet gewaltige 816 PS (600 kW) und stellt unvorstellbare 1800 Nm Drehmoment bereit. Das Topmodell AMG GT 63 4Matic+ setzt dem Ganzen die Krone auf: Die drei E-Motoren leisten unfassbare 1169 PS (860 kW) und 2000 Nm. So schiesst der Allradler in nur 2,4 Sekunden auf Tempo 100. Nach nur 6,8 Sekunden fliegt bereits die 200er-Marke vorbei. Erst bei Tempo 300 wird elektronisch abgeregelt. Der GT 55 ist mit 2,8 Sekunden bis 100 km/h und 9 Sekunden bis 200 km/h kaum langsamer. Damit der Bolide nicht abhebt, verbaut AMG ein Luftfahrwerk mit aktiver Wankstabilisierung und eine clevere Aerodynamik. Ab Tempo 120 fahren im Unterboden versteckte Flügel aus, die das Coupé regelrecht an den Asphalt saugen.
Aufladen in nur 11 Minuten
Bisher schwächelten Elektro-Sportwagen bei Dauerbelastung auf der Rennstrecke – nicht so der AMG. Der volle Leistungsschub steht beim knapp 2,5 Tonnen schweren Topmodell stolze 63 Sekunden am Stück bereit. Per Schaltwippe am Lenkrad kann der Pilot zudem jederzeit zusätzliche 150 PS (110 kW) abrufen. Ein ausgeklügeltes Kühlsystem, bei dem ein spezielles Öl jede einzelne der 2660 Batteriezellen direkt umströmt, verhindert das Überhitzen.
Die Energie liefert ein flacher 106-kWh-Akku mit moderner 800-Volt-Architektur. Mit einem Verbrauch zwischen 17,9 und 21 kWh/100 km versprechen die Affalterbacher eine absolut langstreckentaugliche WLTP-Reichweite von rund 700 Kilometern. Und auch am Stecker setzt der Stromer neue Massstäbe. Das einst versprochene Mega-Watt-Laden ist aktuell zwar weiterhin Wunschvorstellung, dennoch saugen die Akkus imposante 600 kW Ladeleistung. Heisst im Klartext: Von zehn auf 80 Prozent erstarkt die Batterie in nur 11 Minuten. Damit lässt der AMG die Konkurrenz aus Zuffenhausen und Ingolstadt weit hinter sich, die mit maximal 320 kW Strom nachtanken.
Inklusive virtuellem V8-Sound
Trotz aller Rekorde: Puristen weinen dem echten Verbrenner-Sound hinterher. Die Entwickler versuchen das mit einem künstlichen Soundgewitter im Innenraum auszugleichen. Sogar die typischen Zugkraftunterbrechungen beim Schalten eines Benziners werden künstlich simuliert, um die Illusion perfekt zu machen.
Im Innenraum wartet eine digitale Kommandozentrale. Ein 10,2 Zoll grosses Kombiinstrument und ein 14 Zoll grosser Zentralbildschirm sind zu einer Einheit zusammengefasst. Optional kommt ein weiteres 14-Zoll-Display für den Beifahrer hinzu. Als Software-Gehirn dient das neue Mercedes-Betriebssystem MB.OS, das serienmässig mit künstlicher Intelligenz wie ChatGPT oder Google Gemini gekoppelt ist. Das AMG-Infotainment verwandelt sich auf Wunsch in eine Spielkonsole, auf der der Pilot von den Rundenzeiten bis zu den Reifendaten alles im Blick hat. Zudem gibts ein praktisches 41-Liter-Fach unter der Fronthaube für die Ladekabel. Und dank eines üppigen Radstands von 3,04 Metern sitzen die Passagiere selbst im Fond extrem bequem.
Schweizer Kunden müssen nicht mehr lange warten: Der offizielle Verkaufsstart in der Schweiz ist bereits für Ende Mai geplant. Offizielle Preise rückt Mercedes zwar noch nicht heraus, fest steht aber: Billig wird der Superstromer nicht. Unter rund 175'000 Franken für den GT 55 wird hierzulande gar nichts gehen, das Topmodell GT 63 dürfte die 210'000-Franken-Marke locker knacken. Die ersten Fahrzeuge rollen im Herbst zu den Händlern.