Neuausrichtung wegen Elektromobilität
So tricksen die Kult-Tuner den Elektro-Frust weg

Wegen der extremen PS-Zahlen neuer E-Autos bangten Edeltuner wie Abt, Brabus und Alpina um ihre Existenz. Was tun, wenn Stromer ab Werk schon superschnell sind? Die Nobel-Schmieden haben die Kurve gekratzt – und sich neu erfunden.
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Als Mercedes-Chef Ola Källenius vor fünf Jahren euphorisch die reine Elektro-Zukunft für Mercedes verkündete, ...
Foto: Mercedes-Benz AG

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Brabus, Alpina und Abt trotzen Elektro-Boom und bleiben bei Verbrennern aktiv
  • Brabus setzt auf Luxuswagen wie den Brabus Bodo mit 1000 PS
  • BMW-Alpina plant exklusive Powerhybride, Abt fokussiert auf Audi- und Lamborghini-Tuning

Im Sommer 2021 verkündet Mercedes-Chef Ola Källenius euphorisch die reine Elektro-Zukunft bis 2030. Bei Brabus schluckt man leer. Der Nobel-Tuner sieht seine wichtigste Einnahmequelle in Gefahr: die bulligen G-Klassen und Luxus-S-Klassen.

Doch der langjährige Mercedes-Tuningspezialist stellte sich der neuen Herausforderung und nahm sich die ersten zwei Mercedes-Elektro-SUV EQC 400 zu Testzwecken zur Brust. Doch schon bald machten die Brabus-Ingenieure lange Gesichter. Den nur mässig wertigen Innenraum motzten die Brabus-Profis zwar schnell auf Luxusniveau auf. Doch mehr Power aus dem Elektroantrieb (408 PS/300 kW) zu kitzeln, war extrem kompliziert. Und als der erste EQC-Versuchsträger auf einer Testfahrt zwischen Düsseldorf und der Brabus-Zentrale Bottrop mit technischen Problemen liegen blieb, verzichtete man frustriert auf den geplanten Leistungsnachschlag.

Neue Lösungen mussten her

Ein paar Hundert Kilometer weiter im bayerischen Buchloe sah es kaum anders aus. Alpina hatte eben erst seinen 50. Geburtstag gefeiert, und es lief prächtig. Doch der Edeltuner, der auch immer wieder Entwicklungsarbeiten für BMW übernahm, sah vor knapp zehn Jahren den kommenden Trend zur Elektromobilität ebenfalls als grosse Gefahr. Die Kernkompetenz der Allgäuer, leistungsstarke Strassentourer im Kleid von BMW-Serienmodellen wie D3, B5 oder XB7 zu produzieren, passte nur schwerlich mit Elektroantrieben zusammen. Doch was sollte man in Zukunft anstellen? Plattformgeber BMW hatte zwar immer wieder Interesse an Alpina geäussert und mit einer ähnlichen Übernahme wie einst Mercedes mit AMG geliebäugelt. War jetzt der richtige Zeitpunkt?

Ähnliche Gedanken machte man sich in Kempten bei Tuner Abt. Dort hoffte man lange Jahre darauf, dass Audi sich den sportlichen Ableger, der häufig die aufwendigen Rennsportaktivitäten der Ingolstädter übernommen hatte, einverleiben würde. Doch die von vielen erhoffte Übernahme gab es nicht. Mit einer eigenen Elektroabteilung namens Abt E-Line gingen die Allgäuer in die Offensive und wollten ein neues Geschäftsfeld rund um leichte Nutzfahrzeuge schaffen – VW Transporter, Caddy und Crafter wurden für den Kurzstreckendienst elektrifiziert. Der sportlichen Linie blieb man gleichzeitig mit Konzepten wie dem Abt RS6-E mit über 1000 PS starkem Hybridantrieb treu. Doch die Kunden wollten weiterhin vor allem solche Power-Modelle für die linke Spur auf der Autobahn.

Inzwischen hat sich das Verbrennerverbot aufgeweicht, fast alle Hersteller rudern von ihrer strikten Elektrostrategie zurück. Es scheint, dass im sportlichen Sektor der Verbrenner gerade in den exklusiven Fahrzeugklassen erhalten bleibt. Und so eröffnet sich für die einstigen Edeltuner ein völlig neues Geschäftsfeld.

Beispiel Brabus: Einst veredelten die Bottroper fast nur Mercedes-Modelle. Doch nach einigen Startech-Eskapaden rund um Jeep- und Chrysler-Fahrzeuge wollte man in andere Sphären aufsteigen und sich als echten Luxushersteller etablieren. Der Brabus Rocket GTS basiert zwar technisch auf dem Mercedes SL, wird als Kombi-Coupé Shooting Brake aber zur exklusiven Kleinserie. Mittlerweile veredelt die Ruhrpott-Schmiede nicht mehr nur Benz, sondern auch Porsche, Lamborghini oder Rolls-Royce. Diesen Frühling dann der grosse Auftritt mit dem Brabus Bodo: Ein Luxus-GT mit 1000 PS starkem Zwölfzylinder auf Aston-Martin-Basis. Ein Traumwagen mit komplett eigenständiger Karbon-Karosserie, streng limitiert auf 77 Exemplare – und jeder mehr als 1 Million Euro teuer.

Alpina schliesst Lücke zu Rolls-Royce

Etwas anders sieht das neue Geschäftsfeld bei Alpina in Buchloe aus. BMW hat 2022 bei den Besitzern, den Gebrüdern Bovensiepen, die Markenrechte gekauft und will mit noblen BMW-Alpina-Modellen zum Maybach-Rivalen werden – im Fokus natürlich die Märkte in China und den USA. Die cleveren Bovensiepen-Brüder liessen sich im Vertrag mit BMW zusichern, dass sie unter dem neuen Markennamen Bovensiepen Automobile weiterhin auch eigene Modelle auf BMW-Plattform anbieten dürfen. Was viele BMW-Fans irritiert, bekam mit den ersten beiden Modellen Bovensiepen Zagato und 05GT ein gewohnt leistungsstarkes Gesicht. Weitere Bovensiepen-Modelle sind geplant, während BMW-Alpina ab Herbst 2027 besonders exklusive Versionen von BMW 7er und X7 als Powerhybride anbieten will. «BMW-Alpina schliesst die Lücke zwischen BMW und Rolls-Royce und eröffnet zusätzliches Potenzial im Top-End-Segment», erklärt BMW-Alpina-Leiter Oliver Viellechner.

Abt konzentriert sich derweil auf sein Bestandsgeschäft und die leistungsstarke Veredelung der zunehmend neuen Audi-Palette. Im Bereich Elektromobilität hat man das Engagement inzwischen deutlich zurückgefahren. So ist man zum Beispiel auch nicht mehr in der Formel E aktiv. Stattdessen stehen besonders exklusive Versionen von Audi R8, RS6/RS7 und Lamborghini Urus im Vordergrund, die nicht nur mehr Leistung, sondern auch aufwendige Karosserie- und Aerodynamikkits erhalten.

Die drei Beispiele Brabus, Alpina und Abt zeigen, dass man trotz E-Mobilität mit etwas Geschäftssinn und Kreativität wieder eine Nische finden kann – auch ohne Starkstrom.

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