Darum gehts
- Politiker fordern höhere Tempolimits, trotz jährlich 200 Verkehrstoten auf Schweizer Strassen.
- BfU: 27 Prozent fahren ausserorts zu schnell – 116 Tote jährlich.
- Autobahnen: 10 km/h mehr könnte Todesfälle laut Hochrechnungen verdoppeln.
Jedes Jahr verlieren auf Schweizer Strassen rund 200 Menschen ihr Leben. Ausgerechnet jetzt fordern bürgerliche Politiker eine Erhöhung des Tempolimits ausserorts von 80 auf 100 km/h. «Das gäbe viele Tote und Schwerverletzte», warnt der Direktor der Beratungsstelle für Unfallverhütung Stefan Siegrist eindringlich. Doch der politische Druck steigt – auch auf den Autobahnen wird von bürgerlicher Seite bereits lautstark Tempo 130 statt heute 120 gefordert.
Wenig Disziplin auf Landstrassen
Die Messungen der BfU zeigen, dass die Disziplin der Schweizer Autofahrer ausserorts massiv nachgelassen hat. Mittlerweile sind auf den Landstrassen 27 Prozent der Verkehrsteilnehmenden zu schnell unterwegs. Ein heftiger Anstieg: 2019 lag der Anteil der Temposünder noch bei 21 Prozent.
Und das hat direkte Folgen: Ausserorts ist fast jeder vierte schwere Unfall auf die Geschwindigkeit zurückzuführen. Im Durchschnitt sterben auf Landstrassen jährlich 116 Menschen – 1400 werden schwer verletzt. Dass Politiker angesichts dieser Tragödien ernsthaft über höhere Tempolimits diskutieren, ist für BfU-Chef Siegrist nicht nachvollziehbar.
Denn alle Statistiken zeigen: Höhere Tempolimits führen unweigerlich zu mehr Unfällen und somit Verkehrstoten. Schon eine Erhöhung auf den Autobahnen von 120 auf 130 km/h würde das Unfallrisiko überproportional in die Höhe treiben. Derzeit sterben auf den Schweizer Autobahnen jährlich im Schnitt 17 Personen. Nur 10 km/h mehr im Gesetz – und diese Zahl könnte sich laut Hochrechnungen verdoppeln!
Ausserorts wäre der Effekt noch verheerender. «Die Schweizer Strassen sind schlicht nicht auf höhere Geschwindigkeiten ausgelegt», betont Stefan Siegrist. Das Tragische: Besonders betroffen sind unschuldige Lenker, die sich penibel an die Regeln halten. Sie haben bei den höheren Tempi keine Chance mehr auszuweichen und geraten oft in Frontalkollisionen mit Rasern.
Schweizer wollen gar nicht rasen
Trotz der alarmierenden Zahlen zeigt die BfU-Erhebung auch positive Aspekte: Die Mehrheit der Schweizer Verkehrsteilnehmenden respektiert die Regeln und hat keine Lust zu rasen.
In repräsentativen Umfragen sprach sich eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung explizit für die aktuellen Begrenzungen von 120 km/h auf Autobahnen und 80 km/h ausserorts aus. «Die Akzeptanz für die heutigen Limits ist in der Bevölkerung extrem hoch», sagt Siegrist. Für den BfU-Chef ist deshalb klar: Die Politik muss endlich einsehen, dass Verkehrssicherheit und Menschenleben zwingend Vorrang vor maximaler Geschwindigkeit haben müssen.