Darum gehts
- Der 9-jährige Aiden Moreira aus Genf peilt eine grosse Motorsportkarriere an
- Er trainiert wöchentlich viermal und bestreitet 26 Rennen jährlich
- Sein Traum: Erster Schweizer Formel-1-Champion im McLaren-Team zu werden
Im Hintergrund donnern schon die Boliden der nächsten Kategorie über die Rennbahn, es riecht nach Rennbenzin und abgefahrenem Gummi. «Toll bist du gefahren», sagt Duarte Moreira, 43, auf Englisch zu seinem Sohn Aiden. Der Neunjährige ist aus seinem Gokart geklettert – nach seiner ersten Trainingsfahrt auf der Kartstrecke South Garda Karting in Lonato del Garda in Italien.
Wie jeden Frühling sind hier bei der Trofeo Andrea Margutti die weltbesten jungen Kartfahrer am Start. Unter ihnen der Schweizer Aiden Moreira aus Anières im Kanton Genf: Er startet in der Kategorie Mini U10, seit rund einem Jahr fährt er fürs weltweit renommierte CRG Racing Team. Vier Tage ist er hier: am Donnerstag fünf zwölfminütige Trainingseinheiten, tags darauf das Qualifying, am Wochenende die Rennen. Begleitet wird er von Vater Duarte Moreira, einem Genfer Unternehmer, portugiesisch-schweizerischer Doppelbürger. «Ich bin stolz auf meinen Sohn.»
Eine kleine Rakete
Kurz nach dem ersten Training geht Aiden zu seiner Mannschaft zurück, entlang von Zelten und Servicefahrzeugen der rund 50 aus ganz Europa angereisten Teams, die direkt an der Rennstrecke stehen. Neben ihm stösst sein Mechaniker Nicola Nocella (68) den Kart mit der Startnummer 611 ins Zelt des CRG-Werksteams. In zwei Reihen stehen dort 16 Gokarts in der CRG-Farbe Orange – für jeden Fahrer einen.
An die 20 Mechaniker schrauben, montieren neue Pneus und machen die Hightech-Boliden für den nächsten Einsatz bereit. Nicola Nocella ist schon lange im Business. Er beschreibt Aidens Rennwagen: 9 PS, 60 Kubikzentimeter Hubraum, Höchstgeschwindigkeit 110 km/h, 5000 Franken teuer. Wie in der Formel 1 muss der Kart einmal pro Renntag samt Fahrer auf die offizielle Waage im Zielbereich: Mindestens 110 Kilo müssen sie wiegen. Aiden ist 32 Kilo schwer.
An 40 Wochenenden im Jahr sitzt Aiden als CRG-Pilot in seinem Boliden und ist auf Rennstrecken unterwegs – für reine Trainingstage, aber auch für Rennen. Meist in Italien, dem Epizentrum dieses Sports: Dort gibt es viele erstklassige Kartbahnen. Und Lonato gilt als Europas Mekka des Kartingrennsports.
Ehrgeizig im Kart und hinter der Schulbank
26 Rennen bestreitet Aiden dieses Jahr: Er nimmt an den italienischen Meisterschaften teil und an den World Series of Karting (WSK). Bei dieser Weltmeisterschaft treten in den verschiedenen Kategorien die 500 weltbesten jugendlichen Kartfahrer gegeneinander an. An den meisten der 40 Wochenenden ist auch sein Vater vor Ort, manchmal seine Mutter, eine gebürtige Kenianerin mit Schweizer und britischer Staatsbürgerschaft, tätig bei der Welthandelsorganisation in Genf.
Aidens Wochenrhythmus sieht wie folgt aus: Am Montag und Dienstag besucht er in Genf die Privatschule Ecolint, die École internationale de Genève. Dort hat er viele Einzelstunden mit mehreren Lehrern – um die Zeit zu kompensieren, die er auf der Rennstrecke verbringt. «Ohne die Unterstützung von Ecolint könnte er seinen Traum nicht verwirklichen», sagt sein Vater. Am Dienstagabend holt ihn sein privater Chauffeur José Fonseca ab und fährt ihn fürs nächste Wochenende zur jeweiligen Kartbahn.
Dort nimmt er nebst seinen Fahrten täglich drei Stunden Online-Unterricht mit seinem Ecolint-Lehrer und wird von einem Assistenten seines Vaters betreut, bis dieser am Donnerstagabend nachkommt. Am Sonntagabend chauffiert José Fonseca ihn und Vater Duarte nach Hause. «Aiden ist fleissig, diszipliniert und ehrgeizig, er hat einen starken Charakter. Im Kart ist er schnell, er kann ein Rennen gut lesen», sagt Duarte Moreira.
Experten in diesem Sport halten Aiden für eines der grössten Talente. Anerkennende Worte gibt es von CRG-Teamchef Carlo Pacitto. Er erkennt, wenn junge Fahrer von ihren Eltern gepusht werden. Das sei bei Aiden – sein Name heisst übersetzt der Feurige – nicht der Fall. «Er hat Benzin im Blut. Er macht grosse Fortschritte, wir setzen grosse Hoffnungen in ihn.» Ein englisches Formel-1-Team hat schon angefragt, ob Aiden in dessen Kart-Team kommen wolle. Duarte Moreira: «Für diese Entscheidung ist es noch zu früh.» Auch sonst hat der Vater Freude an seinem Sohn. «Aiden ist höflich und bescheiden. Und er hat ein fröhliches Naturell.»
Aidens grosse Träume – und teurer Weg
Autos haben Aiden von klein auf fasziniert. Als Eineinhalbjähriger fuhr er ständig mit einem kleinen Elektroauto herum. Mit fünf begann er mit Kartfahren, ein paar Monate später absolvierte er seinen ersten offiziellen Test auf einer italienischen Rennstrecke. Bis zu viermal pro Woche trainierte er. Bei seinem ersten Rennen in der Kategorie Minikart war Aiden siebenjährig. Er fuhr schneller als die einige Jahre älteren Kinder. Duarte Moreira: «Da in der Schweiz kein professioneller Kartsport stattfindet, begann er in Italien zu fahren.» Seit 2024 misst er sich in den World Series of Karting mit den Weltbesten. Aidens Ziel ist klar: «Ich will der erste Schweizer Formel-1-Champion werden!» Und zwar im McLaren-Team – wie sein Idol Ayrton Senna (1960–1994). Clay Regazzoni (1939–2006) ist dem Neunjährigen ein Begriff: Den Film «Rush – Alles für den Sieg», in dem der erfolgreichste Schweizer F1-Pilot vorkommt, hat Aiden schon oft geschaut.
«Ich liebe hohe Geschwindigkeiten! Seit vier Jahren habe ich mich daran gewöhnt», sagt Aiden, er strahlt. Angst hat er nicht. «Skifahren ist gefährlicher als Gokart. Das Gefährlichste bei meinem Sport sind langsamere Fahrer.» Einen ernsthaften Kartunfall hatte er bislang noch nie.
Der junge Genfer, der jedes F1-Rennen verfolgt, ist sich bewusst: Wer es in die Königsklasse schafft – der Traum unzähliger Kart-Talente –, hat einen langen und entbehrungsreichen Weg hinter sich. «Ich gebe alles dafür!» Aidens Familie hat Sponsoren. Sie gibt derzeit Hunderttausende Franken im Jahr aus für den Sport ihres Sohnes. Auf der nächsten Karrierestufe, der Formel 4, so der Vater, «wäre es eine Million Franken im Jahr, ein Vielfaches davon in der Formel 3 und 2, unzählige Millionen in der Formel 1.» Eines Tages wolle er in der Nähe seines Hauses in Anières ein Museum eröffnen, sagt der Vater – mit Aidens Rennwagen, Helmen, Rennanzügen und Trophäen.
Fehler gehören «weggepusht»
Vor dem CRG-Zelt heult es laut auf. Mechaniker Nicola testet den Motor von Aidens Kart. Aiden sitzt derweil im Zelt an einem Tisch, aufmerksam hört er Sergej Kowalenko zu. Der 33-Jährige war dreifacher ukrainischer Meister im Karting. Wie nach jedem Einsatz analysiert er mit Aiden ausführlich dessen erste Trainingsfahrt – diese ist auf Sergejs iPad aufgezeichnet. «Der Start war gut. Doch danach hattest du viele Möglichkeiten, den Fahrer vor dir zu überholen.»
Kowalenko zeigt seinem Schützling genau, was dieser wo und wie hätte besser machen können. Zum Ansporn muss Aiden ein paar Sätze à zehn Liegestütze machen. Er verdreht die Augen – es ist nicht seine Lieblingsbeschäftigung. «Bei den nächsten Fahrten hast du die Wahl», sagt Sergej, «besser fahren oder Pushups! Überwinde dich!» Aiden hat kapiert. Nach dem nächsten Training ist nur noch eine Serie à zehn Liegestütze angesagt. Im Final belegt er Platz 5. «Nächstes Jahr gewinne ich!»
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