Darum gehts
- Europa kämpft mit extremer Kälte, Schnee und Eis seit Wochenbeginn
- Holland meldet 1150 Flugausfälle und lahmgelegten Bahnverkehr bis Dienstag
- Tiefstwert von minus 30,6 Grad in Tschechien gemessen
Die Kälte-Klatsche trifft Europa mit voller Wucht. Während Deutschland zu Wochenbeginn bereits bei bis zu minus 24 Grad bibberte, kämpfen auch Nachbarländer mit extremer Kälte, Schnee und Eis. Besonders hart getroffen haben die Minusgrade die Niederlande, Frankreich, Grossbritannien, Spanien und Teile Osteuropas.
Niederlande: Bahn und Flugverkehr kollabieren
Ab Montagabend herrschte in den Niederlanden Ausnahmezustand. Eine Kombination aus extremem Winterwetter und technischen Problemen brachte den Zugverkehr fast vollständig zum Erliegen. Die niederländische Bahn teilte mit, dass noch bis Dienstagvormittag kein Zug im ganzen Land verkehren werde. Internationale Verbindungen seien zunächst nicht betroffen, lokale Verkehrsunternehmen konnten ihre Züge teilweise fahren lassen.
Auch am Flughafen Schiphol kam es zu massiven Störungen: Am Montag fielen fast 700 Flüge aus – mehr als die Hälfte der geplanten Starts und Landungen. Am Dienstag wurden bereits 450 weitere Flüge gestrichen. Die nationale Wetterbehörde warnte vor Glatteis und weiteren Schneefällen. In Utrecht wurden deshalb mehrere Primarschulen geschlossen.
Frankreich: Verkehrslawine und TGV-Drosselung
In Frankreich sorgten Schnee und Eis in der Normandie, der Bretagne und rund um Paris für kilometerlange Staus. Insgesamt summierten sich die Staus auf fast 1000 Kilometer. In der Normandie forderten wetterbedingte Unfälle mindestens fünf Todesopfer.
Auch der Hochgeschwindigkeitszug TGV wurde ausgebremst: Statt der üblichen 300 fuhr er nur noch 200 Stundenkilometer. In Paris wurde der Busverkehr eingestellt, einige Tram-Linien blieben ebenfalls stillgelegt. Für 26 Départements im Nordwesten und der Île-de-France galt Warnstufe Orange.
Das Verkehrsministerium gab um 10 Uhr morgens die Schliessung der Flughäfen Nantes, Varty, La Rochelle, Albert-Bray, Saint-Nazaire und Brest bekannt – Grund sind Beeinträchtigungen durch Schnee und Eis.
Grossbritannien: Schulen, Flughäfen und Eurostar betroffen
Auf den Britischen Inseln führte der Kälteeinbruch zu Hunderten von Schulschliessungen. Allein in Nordirland wurden 212 Schulen geschlossen, auch Schottland, Wales und Nordengland waren betroffen. Im nordwestenglischen Shap sanken die Temperaturen auf minus 10,9 Grad, bis Dienstag wurde landesweit erneut mit bis zu minus zwölf Grad gerechnet.
Schottland meldete bis zu 52 Zentimeter Neuschnee. Der Bahnverkehr kam ebenfalls unter die Räder: Schneepflüge mussten Gleise freiräumen, Autofahrer wurden von der Polizei gewarnt, gesperrte Strassen nicht zu befahren. Der britische Pannendienst AA meldete einen Anstieg der Einsätze um 40 Prozent. Der Eurostar zwischen London und dem europäischen Festland konnte nur noch bis Brüssel fahren. Passagiere wurden gebeten, ihre Reisen zu verschieben.
Spanien, Tschechien und Balkan: Winter überall
Auf Mallorca und den Balearen brachte das Sturmtief Francis Schnee, Regen, Kälte und starken Seegang. Besonders im Norden Spaniens, in Katalonien, Kastilien und León gab es Warnstufe Orange. In Tschechien wurde in Kvila im Böhmerwald ein Tiefstwert von minus 30,6 Grad gemessen, landesweit sollen die Temperaturen in den kommenden Tagen nicht über den Gefrierpunkt steigen.
Im Balkan führte der Schneefall zu Stromausfällen: In Sarajevo waren mindestens 42'000 Haushalte ohne Strom, in Rumänien waren mehrere Dörfer in den Karpaten aufgrund zugeschneiter Zufahrten isoliert. In Schweden rief die Polizei die Bevölkerung auf, das Auto stehenzulassen – «Sushi zu holen, ist keine Notwendigkeit», hiess es. Auch am Stockholmer Flughafen Arlanda fielen zahlreiche Flüge aus.