Darum gehts
- Tiktok-Phänomen Farlands zeigt skurrile Videos nach langem Scrollen im Algorithmus
- Strategien wie Codes in Kommentaren ermöglichen gezielten Zugang zu Weirdcore-Inhalten
- Phänomen auch auf Instagram sichtbar, Schlagwörter wie «liminalspace» führen dorthin
Ist dir auf Tiktok schon einmal eine dicke Biene begegnet, die auf einem Schaukelstuhl Violine spielt? Falls ja, hast du danach hoffentlich das Handy weggelegt und bist schlafen gegangen. Denn bei der «Violine Bumblebee» handelt es sich um einen Botschafter des Internets. Laut der urbanen Legende taucht sie auf, wenn die Schwelle zu den Farlands allmählich übertreten wird.
Bei den Farlands handelt es sich nicht um einen bestimmten Account oder Suchbegriff auf Tiktok. Gemeint ist eine merkliche Veränderung im Algorithmus, die man durch stundenlanges Scrollen erreichen soll. Die angezeigten Inhalte werden dabei immer merkwürdiger und zuletzt verstörend. Nutzer, die auf Reddit darüber berichteten, sprechen von einem Eisberg und teilen die bekanntesten Videos in unterschiedliche Levels ein.
Die Kommentare zeigen den Weg
In letzter Zeit wurden die Farlands immer beliebter und User entwickelten Strategien, sich bewusst in den Algorithmus einzuspeisen. Das versuchte auch eine Autorin der BBC. Wie sie herausfand, werden dazu Buchstaben und Zahlencodes in den Kommentaren hinterlassen. Diese kann man dann wiederum in der Suchfunktion eingeben, um tiefer in die Welt einzutauchen.
Mittlerweile sind diese jedoch nicht mehr nötig: Weil der sogenannte Weirdcore aktuell massenhaft produziert wird, landet er vermehrt im Mainstream-Feed. Auch ist das Phänomen an sich nicht neu. Die unheimliche Ästhetik war im vergangenen Jahrzehnt bereits auf Youtube und Tumblr extrem beliebt.
Die Farlands sind eine Rebellion gegen die App
Der Reiz an den Farlands hängt laut der US-Professorin Jessica Maddox mit der Funktion von Tiktok zusammen. Gegenüber der BBC erklärt sie, dass die User genug von der Reizüberflutung und den immergleichen Videos haben. «Die Menschen versuchen, die Kontrolle über ihre Feeds und ihre Online-Erlebnisse zurückzugewinnen.» Es geht also darum, den Algorithmus tatsächlich austricksen zu können.
Auf Instagram ist das Phänomen noch nicht unter einem spezifischen Namen bekannt. Allerdings finden sich auch dort Dutzende skurriler Videos, die einem nicht einfach so angezeigt werden. Wer Schlagwörter wie «liminalspace» oder «dreamcore» in die Suche eingibt, wird schnell fündig. Auch über die verwendete Musik kommt man der verborgenen Internetlandschaft näher – oder kann sie gezielt umgehen.