Schöne Fussnägel, geruchsloser Schweiss, finanzieller Erfolg: Auf Tiktok läuft gerade ein bizarrer Trend. Unter dem Titel «Dinge, auf die andere bei mir neidisch sein könnten» zählen junge Frauen ihre vermeintlichen Vorzüge auf. Das Setting der Videos ist unkompliziert: Die meisten filmen sich einfach im Auto oder beim Schminken.
Die Listen der Tiktokerinnen sind eine chaotische Kombination aus allen Lebensbereichen. Während die einen eher äusserliche Merkmale in den Fokus setzen, erwähnen andere ihre Mehrsprachigkeit oder ihren Beruf – zumeist wird alles gleichzeitig genannt.
Auffällig ist, dass die einzelnen Punkte extrem spezifisch sind und oftmals viel zu intim für das Netz. So werden blonde Beinhaare aufgezählt, die man nicht rasieren muss, oder besonders schön geschwungene Zehen. Andere verraten ungefragt, wie oft sie aufs WC müssen oder wie lange ihre Periode dauert. Sogar das eigene Umfeld muss fürs Ego herhalten: Egal ob erfolgreicher Partner oder liebevolle Eltern – am Ende geht es nur darum, wie die Person im Video davon profitiert.
Haufenweise Kritik und ein Gegentrend
In den Kommentaren finden Debatten darüber statt, ob die Challenge eine Möglichkeit ist, Dankbarkeit zu zeigen, oder ob es nur ums Angeben geht. Viele äussern die Sorge, dass Teenager sich mit den Creatorinnen vergleichen könnten. Wer sich diese perfekten Scheinwelten anschaut, kriegt schnell Minderwertigkeitskomplexe.
Andere finden die Videos einfach peinlich, weil die Userinnen zu viel über sich preisgeben. Aber es gibt auch diejenigen, die sich darüber freuen, dass sie durch die Clips neue Vorzüge an sich selbst festgestellt haben.
Den Trend gibt es schon etwas länger und unterdessen wurde das Konzept weiterentwickelt. Viele formulieren die Punkte überspitzt und nehmen die Tiktokerinnen damit auf die Schippe — quasi als Live-Kommentar. Auch gibt es eine Version, in der man den Spiess umdreht und Dinge aufzählt, auf die niemand neidisch sein muss oder Dinge, auf die man selbst bei anderen neidisch ist.