Darum gehts
- Pentagon-Chef Pete Hegseth erlaubt dem Heimatschutzministerium Tests mit einem Hitzestrahl
- Intern wurde diskutiert, Menschenansammlungen an der Grenze zu Mexiko damit aufzulösen
- Das ADS löst ein Brennen auf der Haut aus. Dokumentiert sind auch Verbrennungen zweiten Grades
Grenzsicherung und Eindämmung der Einwanderung gehören zu den obersten Prioritäten von US-Präsident Donald Trump (80). Nun soll eine umstrittene Waffe vom Heimatschutzministerium getestet und Taktiken entwickelt werden, um diese später möglicherweise an der südlichen US-Grenze einzusetzen. Bei der Waffe handelt es sich um ein Active Denial System (ADS) – umgangssprachlich wird sie auch Hitzestrahl genannt.
Wie CNN berichtet, wurde das entsprechende Memo bereits von Pentagon-Chef Pete Hegseth (46) unterzeichnet. Die Waffe wird dem Ministerium vorerst für sieben Monate «vorübergehend ausgeliehen». Wie sie getestet und wofür sie letztlich eingesetzt werden soll, geht aus dem Dokument nicht hervor. Laut aktuellen und ehemaligen Beamten der Zoll- und Grenzschutzbehörde wurde intern darüber diskutiert, mit dem Hitzestrahl Menschenansammlungen an der US-mexikanischen Grenze aufzulösen.
Woraus besteht der Hitzestrahl?
Die nicht-tödliche Hochenergiewaffe sendet mithilfe eines Reflektors einen gebündelten Strahl aus unsichtbaren Millimeterwellen aus. Die Frequenz der Wellen beträgt 95 Gigahertz. Der Strahl eines ADS soll laut Angaben des US-Militärs eine Reichweite von etwa 800 Metern haben und wird von einer Kontrollzentrale im Innern des Fahrzeugs gesteuert. Das System verfügt zudem meist über Videokameras und eine Infrarotkamera für die Nachtsicht.
In einer anderen Form finden elektromagnetische Wellen auch in der Küche Anwendung: Die Frequenz einer Mikrowelle beträgt jedoch lediglich etwa 2,45 Hertz.
Was bewirkt der Hitzestrahl auf der Haut?
Millimeterwellen dringen nur bis zu 0,4 Millimeter tief in die Haut ein und verursachen grundsätzlich keine Zellschäden. Dennoch verursacht der Strahl beim Kontakt mit der Haut ein brennendes Gefühl – etwa wie beim Öffnen eines heissen Backofens. Dadurch wird bei Getroffenen instinktiv ein starker Fluchtreflex ausgelöst.
Das brennende Gefühl klingt im Normalfall schnell ab, sobald man ausserhalb der Strahlenreichweite steht. Allerdings berichteten Militärangehörige von einem Kribbeln auf der Haut, das noch während 10 bis 15 Minuten anhielt. Die britische «International Business Times» berichtet zudem von zwei dokumentierten Fällen, bei denen es zu Verbrennungen zweiten Grades gekommen ist. Einer davon ereignete sich im Jahr 2007, als ein Luftwaffenangehöriger dem Hitzestrahl während einer Übung zu lange ausgesetzt war.
Bei einer Verbrennung zweiten Grades werden sowohl die Oberhaut als auch tiefere Schichten der Lederhaut geschädigt. Dabei treten meist schmerzhafte Rötungen und Blasen auf.
Welche Bedenken gibt es?
Der Einsatz eines ADS ist nicht unumstritten. Die USA setzten die Waffe vor fast 20 Jahren kurzzeitig in Afghanistan ein, verzichteten aber langfristig darauf. Auch Überlegungen der Grenzschutz-Beamten im Jahr 2018, die Waffe als Massnahme gegen Migranten einzusetzen, wurden von der damaligen Heimatschutzministerin Kristien Nielsen abgelehnt.
Ein ehemaliger Zoll- und Grenzschutz-Beamter stellte sich gegenüber CNN die Frage, wie sinnvoll der Einsatz eines Hitzestrahls an der mexikanischen Grenze wäre. Zum einen gäbe es rechtliche Bedenken der Behörde – insbesondere dann, wenn sich eine getroffene Person zu dem Zeitpunkt noch auf mexikanischem Boden befinde. Die grösste Sorge bestehe jedoch darin, dass Menschen durch die Waffe einen direkten oder indirekten Schaden erleiden könnten. «Selbst wenn sie die Leute zurück zum Fluss treiben, will man nicht, dass sie hineingehen und ertrinken», so der Beamte.