Darum gehts
- Trump soll Polizei 2006 über Epsteins Machenschaften informiert haben
- Epsteins Komplizin Ghislaine Maxwell fordert Begnadigung von Trump und verweigert Aussage vor Kongress
- Aussage des damaligen Polizeichefs von Palm Beach gibt Aufschluss über Ermittlungen
Immer wieder hat US-Präsident Donald Trump (79) beteuert, er habe keine Kenntnisse von den Sexualverbrechen Jeffrey Epsteins gehabt. Doch stimmt das wirklich? Recherchen des «Miami Herald» zeichnen ein anderes Bild.
Wie aus den vom US-Justizministerium veröffentlichten Akten zum Fall Epstein hervorgehen soll, meldete sich Trump im Juli 2006 beim damaligen Polizeichef von Palm Beach, Michael Reiter, und informierte ihn darüber, dass er über Epsteins Machenschaften Bescheid wusste. Zu diesem Zeitpunkt war die erste Anklage gegen Jeffrey Epstein öffentlich geworden.
«Gott sei Dank stoppen Sie ihn, jeder wusste doch, dass er das tut», soll Trump laut einer Aussage Reiters gegenüber dem FBI zu ihm gesagt haben. Das FBI sprach mit Reiter im Oktober 2019. Reiter sagte den FBI-Agenten, Trump habe Epsteins Komplizin Ghislaine Maxwell (64) ihm gegenüber als «böse» bezeichnet. Trump soll zudem erzählt haben, dass er einmal in der Gegenwart von Epstein und Teenagern gewesen sein soll und er sich daraufhin schleunigst aus dem Staub gemacht habe.
Ausserdem soll Trump behauptet haben, er habe Epstein aus seinem Anwesen Mar-a-Lago geworfen. Michael Reiter bestätigte dem «Herald», dass er 2019 vom FBI befragt wurde und im Juli 2006 mit Trump telefoniert hatte.
Maxwell fordert Begnadigung durch Trump
Ghislaine Maxwell verweigerte am Montag vor dem US-Kongress die Aussage zur Epstein-Affäre. Maxwell wurde im Jahr 2022 verurteilt. Als langjährige Vertraute des Investmentbankers soll sie ihm Mädchen und junge Frauen zugeführt haben. Sie verbüsst eine 20-jährige Haftstrafe und sitzt Medien zufolge in einem Gefängnis in Texas.
Ihr Anwalt erklärte, sie sei «bereit, sich umfassend und ehrlich zu äussern, sollte Präsident Trump ihr eine Begnadigung gewähren». Trump hat sich dazu bisher nicht geäussert.
«Dutzende Mädchen» in Epsteins Haus
Das FBI-Gespräch Reiters gibt auch Aufschluss über die damaligen Ermittlungen. «Epsteins Haus wurde verstärkt observiert», berichtete er. «Man beobachtete einige Kinder, noch nicht in der Pubertät, mit Zahnspangen und Rucksäcken, die von der Schule kamen.»
Eine Angestellte soll berichtet haben, dass an einem Tag «Dutzende Mädchen» dort gewesen seien. Epstein zwang seine Opfer dazu, ihm Massagen zu geben, die zu Übergriffen und Vergewaltigungen führten. Nach Reiters Angaben erstellte die Polizei von Palm Beach im Anschluss an die Ermittlungen einen Bericht und übergab ihn der Staatsanwaltschaft.