Trump hat Appetit – drei Szenarien einer Übernahme
Wie viel kostet eigentlich Grönland?

Nach dem Schlag gegen Venezuela macht sich Donald Trump wieder an Grönland heran. In Europa schrillen die Alarmglocken. Wie wird der US-Präsident vorgehen? Blick zeigt drei Möglichkeiten.
Kommentieren
Der Berg Sermitsiaq bei Nuuk: Trump hat Appetit auf Grönland.
Foto: AFP

Darum gehts

Die Zusammenfassung von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast.
RMS_Portrait_AUTOR_242.JPG
Guido FelderAusland-Redaktor

Kommt es zum Militärschlag oder unterbreitet Donald Trump (79) den Grönländern ein Kaufangebot? Im Streit um die strategisch wichtige Insel zwischen Europa und Amerika sendet die US-Regierung widersprüchliche Signale aus.

Der US-Präsident sagt aber unmissverständlich, dass er Grönland «unbedingt» haben wolle. Schon bald will er entscheiden, welche Strategie er einschlägt. Zur Diskussion stehen drei Szenarien.

1

Eroberung: ein leichtes Spiel

Nachdem Trump seinen Appetit auf Grönland mehrmals und unmissverständlich geäussert hatte, redet seine Sprecherin Karoline Leavitt (28) bereits von einer gewaltsamen Übernahme: «Selbstverständlich steht dem Oberbefehlshaber der Einsatz des US-Militärs jederzeit als Option zur Verfügung», sagte sie diese Woche.

1/18
Kommts zur Konfrontation? Donald Trump und die dänische Premierministerin Mette Frederiksen.
Foto: AFP

Experten sind sich einig: Eine militärische Übernahme wäre für die USA ein Leichtes. Der Grund: die Schwäche der Dänen. Laut dem österreichischen Militärexperten Gustav Gressel haben sie wenig Kräfte vor Ort, darunter «etwas Ortspolizei». Gegenüber «Bild» sagte Gressel, dass es für die USA kein Problem wäre, mit der Luftwaffe den Luftraum zu kontrollieren. Dabei spiele ihnen ihre grönländische Basis in Thule in die Hände.

Gar noch einfacher sieht es Peter Viggo Jakobsen, Strategieexperte an der Königlichen Dänischen Verteidigungsakademie. Es würde genügen, die amerikanische Flagge zu hissen und Grönland zu einem Teil der USA zu erklären, meint er in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung»: «Ich würde dann erwarten, dass die dänischen Beamten einfach gehen, anstatt eine militärische Konfrontation mit den USA zu riskieren.»

Zwar wehren sich die europäischen Regierungen verbal geschlossen gegen eine Übernahme, an eine militärische Gegenwehr gegen die stärkste Militärmacht und den Nato-Mächtigen USA glaubt aber niemand. So dürfte Trumps Vize-Stabschef Stephen Miller (40) recht haben, wenn er sagt: «Niemand wird wegen der Zukunft Grönlands militärisch gegen die Vereinigten Staaten kämpfen. Das macht keinen Sinn.»

2

Kauf: die grosse Versuchung

Zurückhaltender als Trumps Sprecherin äussert sich US-Aussenminister Marco Rubio (54). Das Ziel des Weissen Hauses sei nicht eine militärische Übernahme, sondern ein Kauf. Offiziell haben weder die Dänen noch die Grönländer ein Interesse an einem Verkauf. Auch dann nicht, wenn der Kaufpreis stimmt?

Die USA hatten Alaska 1867 von den Russen zum Spottpreis von 7,2 Millionen Dollar abgekauft. Das entspricht heute etwa 160 Millionen Dollar. Grönland, das um ein Viertel grösser ist, hätte wegen seiner strategischen Lage und seiner Bodenschätze einen ganz anderen Wert. In Medien geistern Schätzungen von bis zu einer Billion Dollar herum.

Trump würde diesen Betrag, sofern er auf eine solche Summe überhaupt eingehen würde, nicht bar auf den Tisch legen. Vielmehr würde das Paket aus Geld, Investitionen, Militärgarantien, Beteiligung an Bodenschätzen und politischem Einfluss bestehen.

Würden die Grönländer auf ein solches Angebot einsteigen? Für einen Verkauf bräuchte es eine Volksabstimmung. Gäbe es erwartungsgemäss ein Nein, würde Trump wohl doch zur Option Eroberung greifen.

3

Unterwerfung: Rauswurf der Dänen

Eine dritte Variante wäre ein Zwischending: die Beibehaltung der Autonomie mit einem Abkommen, wie es die USA schon mit den Kleinstaaten Palau, Mikronesien und den Marshallinseln geschlossen haben. Das schreibt der «Economist».

Bei diesem sogenannten Compact of Free Association (Cofa) dürften die USA praktisch schalten und walten, wie sie wollen. Anderen Armeen wird der Zugang verwehrt. Als Gegenleistung bekommen die Bewohner militärische Sicherheit, finanzielle Unterstützung und Zugang zum amerikanischen Sozialsystem. Bedingung wäre, dass sich das sehr autonome Grönland vom Königreich Dänemark loslöst.

Was sagst du dazu?
Liebe Leserin, Lieber Leser
Der Kommentarbereich von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast. Noch kein Blick+-Abo? Finde unsere Angebote hier:
Hast du bereits ein Abo?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen