Darum gehts
- US-Präsident Trump entlässt Justizministerin Pam Bondi, Nachfolger ist Todd Blanche
- Bondi verlor Trumps Vertrauen wegen ihrer Rolle in der Epstein-Affäre
- Staatsanwaltschaften erlitten 14 Prozent Personalverlust unter Bondis Leitung
Man hätte fast glauben können, der einstige Reality-TV-Star und heutige US-Präsident Donald Trump (79) habe sich gemässigt. Ein ganzes Jahr lang hatte er niemanden gefeuert und alle noch so kurligen Figuren in seinem Kabinett behalten.
Er, der in seiner TV-Show «Der Lehrling» wöchentlich «du bist gefeuert!» schrie; er, der in seiner ersten Amtszeit (2017 bis 2021) nicht weniger als 14 Minister in die Wüste geschickt hatte. Doch jetzt scheint Trump seine Freude am Rausschmiss wieder entdeckt zu haben. Nur: Alles Feuern wird ihn vor der grössten Gefahr, die ihm 2027 droht, nicht schützen.
In der Nacht auf Freitag hat der US-Präsident seine Justizministerin Pam Bondi (60) entlassen, ziemlich genau einen Monat, nachdem schon die Ministerin für Innere Sicherheit, Kristi Noem (54) den blauen Brief erhalten hatte.
So sehr sich Trump auf seiner Plattform Truth Social auch bei Bondi bedankte: Es ist ein offenes Geheimnis, dass der US-Präsident unzufrieden war mit seiner Justizministerin, die mit ihrer ungeschickten Art die Affäre um die sogenannten Epstein-Files erst ins Rollen brachte. Bondi hatte im Februar 2025 behauptet, sie sei im Besitz einer «Epstein-Kundenliste».
Bondi enttäuschte Trump gleich doppelt
Die Aussage befeuerte nicht nur alle möglichen Theorien über die mächtigen Netzwerke des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, sondern brachte auch das politische Triebwerk in Washington zum Rattern. In einem seltenen Anfall von Einigkeit beschlossen Republikaner und Demokraten, dass das Justizministerium sämtliche Epstein-Akten veröffentlichen muss.
Für Trump wurde das unangenehm – zuletzt erneut, als Zeitungsrecherchen begründeten Verdacht daran aufkommen liessen, dass Bondis Ministerium nicht alle Dokumente publik gemacht hatte und insbesondere einen Fall verdeckt hielt, in dem Trump mutmasslich persönlich beschuldigt wird.
Bondis zweiter grosser Fehler: Sie schaffte es nicht, Trumps politische Gegner hinter Gitter zu bringen. Nicht, dass das die Aufgabe einer Justizministerin wäre – im Gegenteil! Das amerikanische Justizsystem ist theoretisch darauf angelegt, völlig losgelöst von politischer Kontrolle oder präsidialem Druck den Rechtsstaat zu bewahren.
Donald Trump allerdings verstand das Ministerium immer schon als eine Art staatlich finanzierte Privatdetektei, die in seinem Auftrag Jagd auf unliebsame Figuren und politische Kontrahenten zu machen habe. Bondi aber scheiterte sowohl mit dem Versuch, den einstigen FBI-Chef James Comey (65) als auch die einstige New Yorker Staatsanwältin Letitia James (67) – beides erklärte Kritiker des US-Präsidenten – vor Gericht zu bringen. In beiden Fällen trat die jeweils zuständige Staatsanwaltschaft nicht auf die von Bondi erhobene Anklage ein.
Was die Frau aus Florida allerdings fertigbrachte, waren Massenkündigungen in verschiedenen zentralen Untersuchungseinheiten des Justizapparats. Die Anzahl der Staatsanwälte ging um 14 Prozent zurück. Durch interne Verschiebungen schaffte Bondi ganze Spezialbüros zur Untersuchung von Korruption oder Steuervergehen faktisch ab. Der britische «Economist» kommt zum Schluss: «Wegen Bondis Eingreifen werden alle möglichen Straftaten in den USA heute gar nicht mehr verfolgt.»
Interimistisch übernimmt jetzt Todd Blanche (51) die Führung des Justizministeriums. Blanche war ab 2023 Trumps privater Anwalt und hatte ihn unter anderem im Stormy-Daniels-Schweigegeldprozess vertreten – erfolglos. Im Sommer 2025 reiste Blanche zu Epsteins Lebenspartnerin Ghislaine Maxwell (64), die in einem Gefängnis in Texas eine zwanzigjährige Haftstrafe absitzt. Dort entlockte Blanche der Sexualstraftäterin, dass Epstein-Freund Trump «nie etwas Verwerfliches gemacht» habe.
Setzt Trump zum ultimativen Rausschmiss an?
So sehr sich Trump auch mit Loyalisten umgibt: Vor der grössten juristischen Gefahr, die ihm droht, wird ihn das nicht schützen. Sollten die Republikaner die anstehenden Zwischenwahlen Anfang November verlieren (und danach sieht es derzeit aus) und die Demokraten im Repräsentantenhaus und vielleicht sogar im Senat wieder die Mehrheit haben, wird es zwangsläufig zu einem neuen Amtsenthebungsverfahren gegen Trump kommen.
Gut möglich, dass sich im darauffolgenden Prozess – er würde nach amerikanischem Gesetz im Senat geführt mit den Senatoren als Juroren und Mitgliedern des Repräsentantenhauses als Ankläger –, scheint es nicht mehr völlig unrealistisch, dass Trump mit einer Zweidrittelmehrheit tatsächlich des Amtes enthoben wird. Schliesslich regt sich auch unter den Republikanern mehr und mehr Widerstand gegen den Big Boss.
Eine spannende Theorie, die der demokratische Stratege James Carville (81) vor Wochenfrist lancierte, besagt, dass Trump sich selbst feuern und von seinem Nachfolger J.D. Vance (41) begnadigen lassen könnte, um der Schmach einer Amtsenthebung zu entkommen.