Darum gehts
- Das sowjetische Atom-U-Boot Komsomolez sank 1989 in der norwegischen See.
- Radioaktivität bleibt gefährlich: Strontium-90 bis 400'000-mal über dem Hintergrund.
- Wrack liegt bei 73°43'N, 13°15'W, Sanierungen frühestens nach 2035 geplant
Vor 37 Jahren versank das sowjetische Atom-U-Boot Komsomolez in 1700 Metern Tiefe der norwegischen See. Das Wrack aus der Zeit des Kalten Krieges gibt bis heute Radioaktivität ab. Neue Messungen zeigen jetzt alarmierende Werte: Strontium-90 liegt bis zu 400'000-mal, Cäsium-137 bis zu 800'000-mal über dem natürlichen Hintergrundwert.
Forschende um Justin Gwynn von der Norwegian Radiation and Nuclear Safety Authority in Tromsø berichten im Fachmagazin «PNAS», dass Meeresströmungen die Strahlung zwar verdünnen – eine dauerhafte Überwachung aber unerlässlich bleibt.
Das Unglück von 1989
Die K-278 Komsomolez war ein Titan unter den U-Booten: 116 Meter lang, bis 1000 Meter tauchfähig, angetrieben von einem 190-Megawatt-Druckwasserreaktor. Bewaffnet mit Torpedos und nuklearen Raketen vom Typ RPK-2 Wjuga, patrouillierte das Boot am 7. April 1989 zwischen Norwegen und Spitzbergen.
In 400 Metern Tiefe platzte ein Ventil in der Hochdruckluftleitung. Öl entzündete sich, das Feuer frass sich durch Kabelschächte und Schott 7. Das U-Boot tauchte kurz auf – doch ein Leck liess es endgültig sinken. Von 69 Besatzungsmitgliedern überlebten nur 27, viele erfroren im Eismeer, da Rettungsanzüge fehlten und Hilfsinseln knapp waren. Norwegen kritisierte später, dass die Sowjets zwei Stunden früher Hilfe hätten akzeptieren können.
Versiegelung und anhaltende Lecks
Die Sowjetunion und Russland sicherten das Wrack: 1994 wurden Torpedorohre mit Titanplatten versiegelt, 1995–1996 folgte ein Gel-Überzug. Seit 2013 überwachen ferngesteuerte Unterwasserroboter der Norweger die Lage. Proben von 2019 bestätigten: Die Abdichtungen sind weitgehend intakt. Doch Partikel aus Reaktor und Brennstoff treten weiter über Lüftungsrohr und Gitter am Turm aus.
Plutonium aus Torpedos wurde nicht festgestellt, dennoch nehmen Korallen, Anemonen und Schwämme Cäsium-137 auf – über den regionalen Werten, aber für Fische derzeit harmlos.
Mahnung an die Zukunft
Das Wrack liegt in fischreichen Gewässern. Langfristig bedroht Korrosion den Reaktor und zwei nukleare Sprengköpfe. Russland plant Sanierungen frühestens nach 2035 – die Bergung hätte einst Milliarden gekostet.
Das Team um Gwynn betont: «Obwohl verdünnt, könnten Partikel die Nahrungskette erreichen.» Für Fischerei und Arktis bleibt die Komsomolez somit eine tickende Zeitbombe – und ein Mahnmal für die nuklearen Risiken vergangener Zeiten.