Der russische Geistertanker Arctic Metagaz treibt weiterhin unkontrolliert im Mittelmeer. Anfang März wurde das Schiff durch einen mutmasslichen Drohnenangriff schwer beschädigt. 30 Crewmitglieder mussten evakuiert werden. Nun droht er zu einer realen Bedrohung zu werden. Russischen Berichten zufolge sind an Bord weiterhin Knallgeräusche zu hören.
«Er ist eine schwimmende Zeitbombe», sagen Umweltschützer über das Schiff, das mutmasslich durch einen Drohnenangriff zerstört wurde. Bei der Arctic Metagaz handelt es sich um einen 277 Meter langen Flüssiggastanker. Er hatte noch 450 Tonnen Heizöl, 250 Tonnen Dieselkraftstoff und grosse Mengen Erdgas an Bord, als die 30-köpfige Besatzung – hauptsächlich Russen und Philippiner – Anfang März evakuiert werden mussten.
Satellitenbilder zeigen einen massiven Riss nahe der Wasserlinie des Schiffes, dessen Rumpf durch mehrere Brände geschwärzt ist. Das Wrack befindet sich derzeit rund 50 Seemeilen südwestlich von Malta, zwischen den italienischen Inseln Lampedusa und Linosa. Laut Umweltschützern ist das Gebiet eines der artenreichsten des Mittelmeers – und ein potenzielles Leck oder eine Explosion könnte katastrophale Folgen haben.
Russland: «Verantwortung liegt bei Anrainerstaaten»
Die russische Regierung betont, als Flaggenstaat die Kontrolle zu haben, verweist jedoch auf die Verantwortung der Küstenstaaten, die drohende Umweltkatastrophe abzuwenden. «Nach internationalen Normen liegt die Verhinderung von Umweltschäden bei den Anrainerstaaten», erklärte Maria Zakharova, Sprecherin des russischen Aussenministeriums in einer Stellungnahme des russischen Aussenministeriums.
Die Europäische Union beobachtet die Situation mit wachsender Sorge. Italien, Frankreich und sieben weitere Mitgliedsstaaten haben einen dringenden Appell an die Europäische Kommission gerichtet. Sie warnen vor einer «unmittelbaren und ernsten Gefahr».
Rettungsteams stehen in Malta bereit, um einzugreifen, falls das Schiff in die Hoheitsgewässer gelangt. Doch die Frage, wer für die Bergung zuständig ist, bleibt ungeklärt. Da sich der Tanker in internationalen Gewässern befindet, herrscht diplomatische Uneinigkeit über die Zuständigkeit.