Darum gehts
- 63-Jährige blockierte Schwedter Notrufzentrale mit 200 Anrufen
- Frau nutzte mehrere Telefone für wiederholte missbräuchliche Notrufe
- Polizei ermittelt wegen Missbrauchs, in der Schweiz ähnliche Fälle beobachtet
Stundenlang blockierte sie die Notrufzentrale: In der ostdeutschen Stadt Schwedt legte eine 63-jährige Frau am Montag mit hunderten Anrufen die Telefonleitung der Polizei lahm. Rund 200-mal wählte sie die Notrufnummer 110 – und legte jedes Mal kommentarlos wieder auf. Wertvolle Einsatzzeit ging dadurch verloren.
Schliesslich rückte die Polizei aus, um dem Telefonterror ein Ende zu setzen. Bei der Wohnung der Frau angekommen, hörten die Polizisten Geräusche, niemand öffnete jedoch die Türe. Weil die Beamten nicht ausschliessen konnten, dass es der 63-Jährigen schlecht geht, brachen sie mit Hilfe der Feuerwehr die Tür auf.
Frau rastet bei Polizeibesuch aus
Die Deutsche überhäufte die Einsatzkräfte anschliessend mit einer Schimpftirade. Es blieb unklar, warum sie so häufig den Notruf gewählt hatte. Auffällig: Die Frau verwendete mehrere Telefone für ihre Aktion. Die Polizei ermittelt nun wegen Notrufmissbrauchs.
Diese Aktion ist kein Einzelfall – auch in der Schweiz beschäftigen missbräuchlich gewählte Notrufe die Einsatzkräfte immer wieder.
St. Gallerin hielt Polizei auf Trab
Im Kanton St. Gallen sorgte 2021 eine damals 34-jährige Frau für Aufsehen, die die Polizei mit fingierten Hilferufen systematisch auf Trab hielt. Maya R.* erfand Notlagen wie eine suizidale Person oder häusliche Gewalt, um Polizeipatrouillen ausrücken zu lassen.
Ihre Motivation war laut Strafbefehlen banal: Die Frau rief an, weil sie von der Polizeiarbeit fasziniert war und wollte, dass Einsatzkräfte ausrücken.
Thuner muss 600 Franken blechen
Ein damals 40-jähriger Iraker aus der Region Thun wurde beschuldigt, zwischen Juni 2016 und März 2018 über 600 missbräuchliche Anrufe auf die Notrufnummer 117 getätigt zu haben. Zunächst berichtete die «Berner Zeitung» darüber. Für diese Delikte erhielt der Mann zwei Strafbefehle – insgesamt musste er 8400 Franken zahlen.
Notrufe versus normale Auskünfte
Ende 2024 erklärte die Walliser Kantonspolizei in einer Mitteilung, dass rund ein Drittel der Anrufe auf dem Notruf keine echten Notfälle betreffen. «Leider beobachten wir, dass rund ein Drittel der Anrufe auf diesen Nummern einfache Auskünfte betreffen, die keine Notfälle darstellen.» Die Polizei erinnerte daran: «Allgemeine Anfragen können Sie an die örtlichen Polizeidienststellen richten, deren Nummern in den Telefonbüchern oder auf unserer Website www.polizeiwallis.ch aufgeführt sind.»
«Es ist strafbar»
Von Notrufmissbrauch wird gesprochen, wenn Notrufnummern wie 117 (Polizei), 118 (Feuerwehr), 144 (Sanität) oder 112 ohne tatsächlichen Notfall kontaktiert werden. «Dazu zählen unter anderem absichtliche Falschmeldungen, wiederholte Anrufe ohne Notfall oder sogenannte Scherzanrufe», erklärt die Berner Kantonspolizei auf Anfrage. «Jeder eingehende Notruf wird grundsätzlich ernst genommen und geprüft. Bei Anzeichen von Missbrauch erfolgen weitere Abklärungen, etwa durch Analyse des Anrufverhaltens oder durch polizeiliche Massnahmen.»
Kenneth Jones von der Kantonspolizei Zürich ergänzt: «Das missbräuchlich Alarmieren ist gemäss Art. 128 StGB verboten und strafbar. Durch missbräuchliche Alarmierung können die Entgegennahme anderer Notrufe behindert oder Einsatzkräfte unnötig gebunden werden.»
Gegebenenfalls können den verursachenden Personen die Kosten für die Einsätze auferlegt werden.
* Name geändert
Diese Stellen sind rund um die Uhr für Menschen in suizidalen Krisen und für ihr Umfeld da:
- Beratungstelefon der Dargebotenen Hand: Telefon 143 www.143.ch
- Beratungstelefon von Pro Juventute (für Kinder und Jugendliche): Telefon 147 www.147.ch
- Weitere Adressen und Informationen: www.reden-kann-retten.ch
Adressen für Menschen, die jemanden durch Suizid verloren haben
- Refugium – Verein für Hinterbliebene nach Suizid: www.verein-refugium.ch
- Nebelmeer – Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils: www.nebelmeer.net
Diese Stellen sind rund um die Uhr für Menschen in suizidalen Krisen und für ihr Umfeld da:
- Beratungstelefon der Dargebotenen Hand: Telefon 143 www.143.ch
- Beratungstelefon von Pro Juventute (für Kinder und Jugendliche): Telefon 147 www.147.ch
- Weitere Adressen und Informationen: www.reden-kann-retten.ch
Adressen für Menschen, die jemanden durch Suizid verloren haben
- Refugium – Verein für Hinterbliebene nach Suizid: www.verein-refugium.ch
- Nebelmeer – Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils: www.nebelmeer.net