Zukunftsangst der jungen Generation wegen KI
Das steckt hinter dem neuen Trend «Stability Stacking»

Immer mehr junge Menschen wollen sich zur Absicherung ihres Berufswegs mehr Optionen offenhalten. Die Strategie «Stability Stacking» knüpft an der Unsicherheit über eine stabile Karriere an. Ein Experte ordnet ein, warum gerade KI das Verhalten so verändert hat.
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Der Arbeitsmarkt verändert sich stetig, KI entwickelt sich rasant – die Unsicherheiten bei Beschäftigten steigen.
Foto: praetorianphoto

Darum gehts

  • Ein Drittel der 14- bis 25-Jährigen in der Schweiz sorgt sich oft um die berufliche Zukunft
  • «Stability Stacking» hält Optionen offen, durch Kompetenzen, Netzwerke und weitere Einkommen
  • Experte fordert Weiterbildung, Transparenz und Mitgestaltung beim Einsatz von KI in Unternehmen
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Sandra MarschnerRedaktorin News-Desk

Steigende Lebenshaltungskosten, globale Krisen und der rasante Fortschritt durch KI: Junge Menschen sorgen sich zunehmend um ihre berufliche Zukunft. Die repräsentative Jugendstudie 2026 von Pro Juventute offenbart: Rund ein Drittel der Schweizer Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 14 bis 25 Jahren macht sich häufig oder sehr häufig Gedanken und Sorgen über die eigene berufliche Zukunft.

Das Recruiting-Portal Glassdoor hat aus dieser Verunsicherung einen neuen Arbeitstrend unter den jungen Generationen abgeleitet. Beim «Stability Stacking» geht es darum, die berufliche Zukunft abzusichern. Dazu werden für den eigenen Berufsweg möglichst viele Optionen offengehalten, etwa durch den Ausbau von Kompetenzen und Netzwerken sowie das Diversifizieren von Einkommensquellen.

Unabhängigkeit statt langfristiger Jobbindung

Blick hat mit Generationenforscher Rüdiger Maas vom Institut für Generationenforschung in Augsburg darüber gesprochen, warum gerade die Gen Z sich so um ihre Zukunft sorgt und welche Rolle der KI-Boom dabei spielt.

«Entscheidend ist die Verschiebung im Verständnis beruflicher Sicherheit, denn die langfristige Bindung an einen Arbeitgeber galt ja bis dato als Absicherung. Heute ist es viel mehr die Fähigkeit, auch ausserhalb der aktuellen Stelle beruflich handlungsfähig zu bleiben», erklärt der Generationenforscher. Da sie am Anfang ihrer Karriere stehen, suche sich dabei besonders die Generation Z (Jahrgänge 1995–2010) einen eigenen Weg, um «Stabilität» zu erreichen.

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KI sorgt für Unsicherheiten

«‹Stability Stacking› ist deshalb auch als Hinweis darauf zu verstehen, dass das Vertrauen in traditionelle berufliche Sicherheitsversprechen so nicht mehr funktioniert», ordnet Maas ein. Der Experte sieht im «Stability Stacking» daher auch kein ausschliesslich generationenspezifisches Phänomen. «Zurzeit wirkt sich auf alle eine starke wirtschaftliche und technologische Umwälzung aus», betont Maas. Stetige Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt und die rasante Entwicklung von KI sorgen für Unsicherheit.

Jüngere Beschäftigte erlebten den KI-Boom dabei zu einem Zeitpunkt, an dem sie ihre beruflichen Kompetenzen und Karrierevorstellungen erst entwickeln, so Maas. «Die Frage ist also gar nicht so sehr, ob KI den gegenwärtigen Arbeitsplatz verändert, sondern ob die heute erworbenen Qualifikationen in fünf oder zehn Jahren noch denselben Wert oder Nutzen besitzen werden.» Junge Menschen suchten deshalb zunehmend nach Wegen, auch unabhängig von einem bestimmten Arbeitgeber beruflich anschlussfähig zu bleiben.

Grundlegendes Umdenken in der Arbeitswelt

Aber reicht das «Stability Stacking» als Strategie aus, um mit Zukunftsängsten umzugehen? «Es könnte eine sinnvolle Strategie sein, um mit beruflicher Unsicherheit umzugehen, eine dauerhafte Lösung für Zukunftsängste ist es allein jedoch nicht», meint der Experte. Während die individuelle Anpassungsfähigkeit gestärkt werde, blieben die strukturellen Ursachen der Unsicherheit aussen vor.

Dafür benötige es insgesamt ein grundlegendes Umdenken in der Arbeitswelt. Unternehmen sollten die Verantwortung für technologische Veränderungen nicht ausschliesslich auf ihre Beschäftigten übertragen, findet Maas. Gerade beim Einsatz von KI seien Weiterbildungsangebote, transparente Kommunikation über Veränderungen von Tätigkeiten und Qualifikationsanforderungen sowie echte Mitgestaltungsmöglichkeiten essenziell.

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