Schweizer Ruderer wollen den Arktischen Ozean nur mit Muskelkraft überqueren – das gab es noch nie
«Den Mutigen gehört die Welt»

Vier Schweizer wagen das Unmögliche: Sie wollen den Arktischen Ozean auf einer 3100 Kilometer langen Route nur mit Muskelkraft überqueren. Ohne Segel, ohne Motor – ein Abenteuer, das Mut und Pioniergeist erfordert.
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Dieses kleine Ruderboot wird für bis zu 60 Tage zum Zuhause der vier Schweizer.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Vier Schweizer wollen 3100 Kilometer weit den Arktischen Ozean durchrudern
  • Route führt von Spitzbergen über Grönland nach Schottland
  • 60 Tage haben sie Zeit
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Gina Grace ZurbrüggRedaktorin News

Es ist ein Projekt, das selbst erfahrene Abenteurer kurz schlucken lassen dürfte. 3100 Kilometer. Keine Segel. Kein Motor. Keine zweite Chance. Vier Schweizer wollen als erste Menschen überhaupt den Arktischen Ozean ausschliesslich mit Muskelkraft überqueren. Von Longyearbyen auf Spitzbergen führt die Expedition bis an die Eisgrenze des Nordpols, danach entlang Grönlands Ostküste, vorbei an Jan Mayen Island und den Orkney-Inseln bis nach Thurso im Norden Schottlands. Treibeis. Stürme. Eisberge. Eiskaltes Wasser. 40 bis 60 Tage lang wird das kleine Ruderboot ihr Zuhause sein.

Aktuell befindet sich die Crew des Projekts namens Arctic Row noch in Ny-Ålesund, der nördlichsten dauerhaft bewohnten Siedlung der Erde. Dort warten Florian Ramp (47), Frederik Jacobs (48), Roman Möckli (31) und Ben von Mitzlaff (29) auf das richtige Wetterfenster für die Weiterfahrt. Schon nach wenigen Minuten Gespräch wird klar: Diese vier Männer verbindet weit mehr als die Leidenschaft fürs Rudern. Sie teilen einen gemeinsamen Traum. «Es ist ein richtig geiles Projekt», sagen sie im Gespräch mit Blick einstimmig.

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Die Weltpremiere beginnt am Ende der Welt

Noch nie war ein Ruderboot so weit nördlich unterwegs wie dieses. Je nach Eisgrenze wird die Crew den 81. oder sogar 82. Breitengrad erreichen. Dort beginnt eine Welt, in der der Mensch nur Gast ist, wie Frederik Jacobs sagt. Florian Ramp weiss, was es bedeutet, wochenlang auf einem Ruderboot zu leben. 2019 überquerte er den Atlantik, am Ende sogar allein, nachdem sein Teampartner seekrank geworden war. Eine Erkenntnis begleitet ihn bis heute. «Ich mache gute Sachen mit guten Leuten. Wenn das Menschliche nicht stimmt, bringt die beste Vorbereitung nichts.»

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Zwei Familienväter, Extremsportler und ein «Wikinger»

Jeder in der Crew bringt seine eigene Geschichte mit. Roman Möckli gewann mit seinem Team die Talisker Whisky Atlantic Challenge, ein unbegleitetes Ruderrennen über den Atlantik. Danach stellte sich nur noch eine Frage. «What's next?» Die Antwort fand er am Ende der Karte, in der Arktis. Ben von Mitzlaff ist Arzt und innerhalb der Crew als «Wikinger» bekannt. Er trägt die medizinische Verantwortung und unterstützt gleichzeitig die Navigation. Gemeinsam mit den Familienvätern Florian Ramp und Frederik Jacobs bildet er ein Team, in dem Vertrauen wichtiger ist als jedes Einzelresultat. Roman Möckli ist Skipper. Im Ernstfall trifft er die letzte Entscheidung.

Ihre Haltung fassen die vier im Begriff «SAFE» zusammen. «Sicherheit» steht immer an erster Stelle. «Abenteuer» bedeutet, offen für das Unvorhersehbare zu bleiben. «Friends under Pressure» beschreibt das blinde Vertrauen, das es auf engstem Raum braucht. «Efficient Fast Execution» erinnert daran, dass in Extremsituationen Entscheidungen oft innert Sekunden fallen müssen.

Das musst du zum Extrem-Projekt Arctic Row wissen.
Foto: Blick Visuals

Zwei Stunden rudern, zwei Stunden schlafen

Der Alltag an Bord folgt einem gnadenlosen Rhythmus. Zwei Stunden rudern. Zwei Stunden schlafen. Rund um die Uhr. Jeder sitzt täglich etwa zwölf Stunden an den Rudern. Dazwischen wird gegessen, das Wetter analysiert und die Route angepasst. Dazu kommt die Mitternachtssonne. Es wird nie dunkel. «Es ist ein konstantes Powernapping.»

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Segel? Niemals!

Warum kein Segel? Die Antwort kommt ohne Zögern. «Wenn man eine Ruderexpedition macht, dann rudert man. Wenn wir ein Segel setzen würden, würden wir uns selbst bescheissen. Wir rudern.» Wie hart die Mission werden würde, bekam die Crew bereits zu Beginn zu spüren. Statt Rückenwind gab es Sturm. «Unsere ganze Routenplanung richtet sich nach dem Wetter», sagt Florian Ramp. «Viele Experten helfen uns. Am Ende musst du akzeptieren, dass die Natur entscheidet.» Auch das Eis verlangt höchste Aufmerksamkeit. «Einer rudert, der andere hält Eiswache. Taucht ein Eisblock auf, wird er weggeschoben.» Stillstand wird für die Gruppe zum schlimmsten Feind. «Gestern kamen wir praktisch nicht vorwärts.» Stundenlang kämpfte die Crew gegen Wind und Strömung. Trotzdem standen am Ende 55 Seemeilen auf dem GPS. «Man lernt, zu akzeptieren, dass man nicht alles beeinflussen kann.»

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Aufgeben? Keine Option.

Die Antwort auf die Frage nach dem Aufgeben kommt einstimmig. «Nein.» Natürlich gebe es Unsicherheiten und Alternativen müssten eingeplant werden. Vielleicht endet die Reise nicht in Schottland. Vielleicht zwingt das Eis die Crew nach Norwegen. Doch ans Aufgeben denkt niemand. «Wir finden einen Weg.» Arctic Row soll mehr sein als ein sportlicher Rekord.

Die vier wollen zeigen, dass grosse Ideen möglich sind. «Wir brauchen wieder Pioniergeist. Den Mutigen gehört die Welt. Alle sagen zuerst, du bist verrückt. Und plötzlich entsteht daraus etwas Positives.»

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