Darum gehts
Eigentlich wollte Donald Trump (79) am Samstag vor der Promi-Schar am Korrespondenten-Dinner des Weissen Hauses eine angriffige Ansprache halten. «Ich war bereit, aufs Ganze zu gehen», sagte Trump. Stattdessen wurde er vom Secret Service von der Bühne geführt – weil zum dritten Mal in knapp zwei Jahren jemand versuchte, ihn zu töten.
«Das passiert mir ab und zu», sagte ein entspannter Trump an der Pressekonferenz wenig später im Weissen Haus. Kurz vor Trumps Auftritt im Washingtoner Hilton-Hotel feuerte Cole Allen (31) mit einer Schnellfeuerwaffe auf die Sicherheitsleute und versuchte, in den Saal mit den geladenen Gästen zu stürmen.
Genau wie beim Attentatsversuch auf Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung in Butler (Pennsylvania, USA) am 13. Juli 2024 – Trump wurde von einer Kugel am rechten Ohr getroffen – und wie beim versuchten Mordanschlag auf den damaligen Präsidentschaftskandidaten auf seinem Golfplatz in Palm Beach (Florida, USA) am 15. September 2024 wurde der Täter auch am Samstag rasch überwältigt.
Die politische Gewalt in den USA hat massiv zugenommen. Die Denkfabrik Center for Strategic and International Studies hat die Zahlen untersucht: In den vergangenen zehn Jahren gab es in den USA dreimal mehr Angriffe auf Politiker als in den 25 Jahren zuvor.
Gewalt nimmt zu – aber Trump ist ein Sonderfall
US-Präsidenten sind besonders häufige Ziele. Vier wurden im Amt ermordet (Abraham Lincoln 1865, James Garfield 1881, William McKinley 1901 und John F. Kennedy 1963), zwei wurden angeschossen (nebst Trump auch Ronald Reagan, ausgerechnet vor eben jenem Hilton-Hotel, in dem am Samstagabend wieder Schüsse fielen).
Auf fast alle gab es Anschlagsversuche, auf keinen aber so viele wie auf Trump. Zu den drei erwähnten kommen mindestens drei weitere aus der ersten Amtszeit und dem Wahlkampf davor hinzu:
- Am 18. Juni 2016 versuchte Michael Sandford, einem Polizisten in Las Vegas die Pistole zu entreissen und auf Trump zu schiessen.
- Am 6. September 2017 wollte Gregory Leingang mit einem Gabelstapler Trumps Präsidenten-Limousine attackieren.
- Noch im selben Monat erhielt Trump (wie einst auch sein Vorgänger Barack Obama) einen mit Rizin vergifteten Brief.
Warum Trump derart häufig zum Ziel wird, hat mehrere Gründe:
Aufgeheizte Stimmung
Trumps gehässige Rhetorik und die wirtschaftliche Unsicherheit kreierten eine «sehr, sehr gefährliche Dynamik» im Land, sagt Mike Jensen, der an der University of Maryland zu Gewalt forscht. Selbst nach dem Attentat auf den Polit-Aktivisten Charlie Kirk (†31) im vergangenen September hätten politische Vertreter gegen die andere Seite gehetzt, statt zu Einigkeit aufzurufen, urteilt Sean Westwood, Direktor des Polarization Research Labs.
Soziale Medien und einsame Wölfe
Wenig überraschend kommen Experten zum Schluss, dass die unmoderierten, von Verschwörungstheorien geprägten Debatten in den sozialen Medien aggressive Überreaktionen begünstigen. Clionadh Raleigh, Chefin der Firma «Armed Conflict Location and Event Data», macht das an der wachsenden Zahl von Einzeltätern fest. Die «einsamen Wölfe» seien ein typischer Ausdruck von Gewalttätern, die nicht von kriminellen Organisationen finanziert werden, sondern sich alleine zu Hause vor ihren Bildschirmen radikalisierten. Alle Trump-Attentäter gehörten laut aktuellem Kenntnisstand in diese Kategorie.
Waffendichte
Barbara Walter, Professorin an der Universität in San Diego, schreibt im Politico-Magazin, die Zunahme an politischer Gewalt hänge direkt mit der wachsenden Waffendichte zusammen. Die USA sind bis heute das einzige Land mit mehr Schusswaffen als Einwohnern (etwa 120 Waffen auf 100 Menschen). Laut dem Forschungsinstitut Small Arms Survey gab es 2017 rund 393 Millionen Schusswaffen im 330-Millionen-Einwohner-Land. Heute sind es fast 500 Millionen.
Trumps öffentliche Auftritte
Kein US-Präsident veranstaltete als Kandidat mehr Wahlkampf-Rallys als Trump. Keiner golft so viel. Keiner zeigt sich so gerne in der Öffentlichkeit wie er. Er werde sein Verhalten nicht ändern, betonte Trump an der Pressekonferenz in der Nacht auf Sonntag – und nutzte die Plattform für einen Werbespot für seinen 300 Millionen teuren neuen Ballsaal beim Weissen Haus. Nur der könne in Zukunft die nötige Sicherheit für Events wie das Korrespondenten-Dinner gewähren.
Fragt man Trump selbst nach den Gründen für die häufigen Attentatsversuche auf ihn, hat er eine einfache Antwort parat: «Jene, die es trifft, sind jene, die am meisten anpacken und die Grosses bewegen», behauptete Trump an seiner jüngsten Pressekonferenz. «Irgendwie ist das also auch eine Ehre.»