Darum gehts
- Niederländische Bande schmuggelte Ecstasy in präparierten Champagnerflaschen
- Durch einen ungeplanten Zwischenfall wurden die Flaschen unwissentlich verkauft, bis in die Gastronomie
- Ein Lokalgast in Deutschland starb, nun muss sich ein Bandenmitglied vor Gericht verantworten
Eine niederländische Drogenbande fand ein besonders perfides Schmuggelversteck. In den Boden von Magnum-Champagnerflaschen der Marke «Moët Ice Impérial» bohrte die Bande jeweils an einer unauffälligen Stelle ein stecknadelgrosses Loch, wie Focus online in Berufung auf Ermittlungsakten berichtet. Aus der Öffnung wurde der Champagner abgelassen, die Flaschen mit der flüssigen Droge MDMA, auch Ecstasy genannt, befüllt.
Anschliessend wurde das Loch abgedichtet, die Flasche schien von aussen unberührt. Das perfekte Versteck, um das Ecstasy unauffällig zu schmuggeln. Der mutmasslich logistische Kopf der Bande, Theodorus G.* (46), bunkerte auf einem Lagergelände im niederländischen Arnheim mindestens 20 solcher Ecstasy-Flaschen. Im Glauben, mit Luxus-Schampus ein Geschäft zu machen, stahl der Betreiber der Lagerboxen-Firma jedoch die Flaschen und verkaufte einige über eine Internetplattform an mehrere Kunden.
Ecstasy-Champagner wurde in deutschem Lokal ausgeschenkt
Weder er noch die Käufer ahnten, dass sich darin jedoch pures Ecstasy versteckte. Mindestens fünf der Flaschen gelangten so nach Deutschland. Eine davon landete im Februar 2022 im Lokal La Vita im bayerischen Weiden. Zum Feiern bestellte sich dort eine Gruppe den 3-Liter-Champagner. Kurz darauf brachen alle acht Gäste mit Vergiftungserscheinungen zusammen und kamen ins Spital. Der Familienvater Harald Z.* (†52) überlebte die Nacht nicht.
Nun steht der Niederländer Theodorus G. vor dem Gericht in Weiden. Ihm werden fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und bandenmässiger Drogenhandel vorgeworfen. Im März wird das Urteil erwartet. Ihm könnte eine mehrjährige Haftstrafe drohen. Neben dem tödlichen Vorfall in Weiden wurden bei einem ähnlichen Vorfall in den Niederlanden vier Menschen verletzt. Sieben manipulierte Flaschen konnten die Ermittler bereits sicherstellen.
Inhalt einer Flasche entspricht 6400 Ecstasy-Tabletten
Im Verlauf des Gerichtsprozesses erklärten Experten, dass die Flüssigkeit in den Champagnerflaschen hochkonzentriert war. Der Inhalt einer Flasche hätte für etwa 6400 Ecstasy-Tabletten gereicht, wie es in den Akten heissen soll. Bereits ein kleiner Schluck entspreche einer Dosis von etwa 14 Ecstasy-Tabletten und sei lebensgefährlich. Einige Opfer aus Weiden litten bis heute unter den Spätfolgen der Tat, heisst es weiter.
Immer wieder kommt es zu tragischen Fällen, bei denen Menschen unwissentlich vergiftet werden.
Mann schenkt seiner Freundin Nowitschok-Parfüm
Ein fataler Irrtum führte im Juni 2018 zum Tod der Britin Dawn Sturgess (†44) im südenglischen Amesbury. Ihr Lebensgefährte Charlie Rowley erklärte, ein «Parfümfläschchen» in einem Mülleimer gefunden zu haben, das er anschliessend seiner Freundin schenkte. Als sich Sturgess mit dem Fläschchen besprühte, kamen die beiden in Kontakt mit der Flüssigkeit. Darin enthalten: der Nervenkampfstoff Nowitschok. Mit Vergiftungssymptomen kam das Paar ins Spital. Dort verstarb Sturgess einige Tage später.
Bereits rund vier Monate zuvor waren im elf Kilometer entfernten Salisbury der russische Ex-Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter Julija bewusstlos auf einer Parkbank gefunden worden – vergiftet mit Nowitschok. Beide überlebten. Ein britischer Untersuchungsbericht machte Russlands Oberhaupt Wladimir Putin (73) 2025 für den Tod von Sturgess als Folge des Skripal-Giftanschlags verantwortlich.
200 Kindergärtler in China durch Kuchen vergiftet
Im Juli 2025 ging es vielen Kindern in einem Kindergarten in der nordwestchinesischen Provinz Gansu plötzlich ganz schlecht. Mehr als 200 Kinder landeten schliesslich wegen Bleivergiftungen im Spital. In einem Dattelkuchen, den die Kinder gegessen hatten, stellten die Behörden stark erhöhte Blei-Werte fest, hiess es später in einem Bericht der Stadtregierung.
Demnach hatte das Küchenpersonal mit Zustimmung des Betreibers online Farbe für die Essenszubereitung gekauft. Dabei war die Farbe «deutlich» als ungeniessbar gekennzeichnet gewesen. Die Polizei nahm acht Verdächtige fest, darunter der Kindergarten-Betreiber und einen Investor.
Handel mit gepanschtem Alkohol
Immer wieder sterben oder erblinden Menschen weltweit nach dem Konsum von gepanschtem Alkohol. Dabei wird nicht nur selbstgebrannter Alkohol getrunken, vielerorts floriert der Handel und Verkauf mit gepanschtem Alkohol.
So starben Anfang 2025 70 Menschen in Istanbul und 54 in der türkischen Hauptstadt Antalya, nachdem sie Getränke konsumiert hatten, denen Methanol beigemischt war. Dutzende Menschen, die den gepanschten Alkohol in den beiden Metropolen verkauft haben sollen, wurden wegen vorsätzlicher Tötung festgenommen. Auch in weiteren Städten kam es darauf zu Polizeirazzien.
*Namen bekannt