Darum gehts
- Der russische Satellit Cosmos 2612 folgt dem finnischen Iceye-X36, der von der Ukraine genutzt wird
- Die Daten von Iceye sollen laut Kiew geholfen haben, mehr als 7000 russische Fahrzeuge zu zerstören
- Ein Angriff wäre beispiellos; Experten nennen auch Störsender, Laser oder eine einfache Überwachung als mögliche Szenarien
Wird der Krieg künftig Hunderte Kilometer über unseren Köpfen stattfinden? Das wird seit mehreren Tagen befürchtet. Beobachter stellten fest, dass sich ein russischer Satellit einem kommerziellen Satelliten aus finnischer Produktion genähert hat und ihm seither dicht folgt. Der Satellit wird vor allem von der Ukraine genutzt, um Bilder und Informationen zu erhalten. Diese hätten laut dem ukrainischen Militärgeheimdienst die Zerstörung von mehr als 7000 russischen Fahrzeugen an der Front ermöglicht.
Das deutsche Fachmedium Golem berichtete darüber. Experten weisen darauf hin, dass ein direkter Angriff zur Zerstörung eines feindlichen Satelliten im Orbit eine Premiere in der Geschichte wäre.
Von welchen Raumfahrzeugen ist genau die Rede? Der verfolgte Satellit ist der Iceye-X36. Iceye ist ein 2014 in Finnland gegründetes Unternehmen, das auf die Herstellung von Mikrosatelliten spezialisiert ist. Zu seinen Kunden gehören die Rüstungsunternehmen Rheinmetall (Deutschland) und Saab (Schweden). Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine unterzeichnete das Unternehmen zudem Vereinbarungen, um Daten seiner Satelliten zur Verfügung zu stellen.
«Legitime Ziele»
Der verfolgende Satellit heisst Cosmos 2612. Er ist einer von zahlreichen russischen Satelliten des Cosmos-Programms, das 1962 zur Zeit der Sowjetunion gestartet wurde. Einige seiner Satelliten werden militärisch genutzt, andere dienen wissenschaftlichen Zwecken.
Offen ist, was Russland damit bezwecken möchte. Zum jetzigen Zeitpunkt deutet nichts darauf hin, dass das eigentliche Ziel die Zerstörung des finnischen Satelliten ist. Russland hat bereits gewarnt, dass alle für die Ukraine im Krieg nützlichen Satelliten als legitime Ziele betrachtet werden.
Eine Premiere in der Geschichte?
Noch nie wurde ein «feindlicher» Satellit im Rahmen eines Kriegs abgeschossen. Mehrere Länder, darunter Russland, China und die USA, haben bereits Satelliten im Rahmen militärischer Tests zerstört. Sie wissen, wie das geht. Laut den von Golem befragten Experten könnte es jedoch auch andere Szenarien geben. Cosmos 2612 könnte dem Iceye-X36 folgen, um zu versuchen, die Signale zu stören und ihn ausser Betrieb zu setzen, so eine These. Er könnte auch versuchen, ihn mit Lasern zu beschädigen.
Das Unternehmen Iceye hat noch nicht auf die Informationen über die Nähe des russischen Satelliten reagiert. Nach Angaben einiger Quellen näherte sich Cosmos 2612 dem Iceye-X36 am 15. und 16. Oktober bis auf wenige Hundert Meter.