Darum gehts
- Trump hat zuletzt mehrere Entscheide gefällt, die Russland stärken und die Ukraine schwächen
- Der US-Präsident hat Wolodimir Selenski mehrfach scharf kritisiert
- Der ukrainische Präsident wehrt sich heftig
Donald Trump (80) postete diese Woche ein Video, das den tödlichen Angriff eines Tigers auf einen jungen Mann in einem britischen Zoo zeigt. Damit sorgte der US-Präsident für Empörung, nicht nur bei den Angehörigen des Verstorbenen. Der Post war geschmacklos und menschenverachtend. Er war aber auch ein Sinnbild für Trumps aktuelle Politik.
Mit zahlreichen Entscheiden hat der US-Präsident dafür gesorgt, dass die Ukraine – ähnlich wie der junge Mann im Video dem Raubtier – dem Aggressor Russland wehrlos gegenübersteht. Es begann damit, dass Trump mit Putin einen Diesel-Deal abschloss, der Milliarden in die Kriegskasse des Kremls spülen wird. Danach stoppten die USA zeitweise den Austausch von Geheimdienstinformationen mit der Ukraine und drosselten die militärische Nutzung von Starlink.
Kreml feiert Sanktions-Stopp
Als Nächstes setzte Trump Sanktionen gegen Russland aus, die in den kommenden Tagen neu hätten in Kraft treten sollen – auf der Grundlage eines eben erst verabschiedeten Gesetzes, das auf den verstorbenen US-Senator und Trump-Unterstützer Lindsey Graham zurückgeht. Putin-Berater Kirill Dmitrijew (51) feierte diese Kehrtwende am Samstag als «wichtigen und wahrhaft historischen Moment».
Begleitet waren die Schritte, mit denen Trump die Position Russlands stärkte und jene der Ukraine schwächte, von immer schärferen Worten gegen Wolodimir Selenski (48). «Es ist Zeit, dass die Ukraine einen neuen Präsidenten bekommt», sagte Trump. Und er warf Selenski vor, er hätte den Krieg schon viele, viele Male beenden können – doch der habe sich immer entschieden, es nicht zu tun. Mit Putin, sagte Trump, komme er besser zurecht.
Laut Trump schadet Selenski den US-Farmern
Zudem behauptete er: «Selenski will unseren Landwirten und Viehzüchtern mit dem Dieseltreibstoff Probleme bereiten, weil Russland einen grossen Teil des weltweiten Dieselbedarfs deckt.» Er habe ihm gesagt: «Mach, was du willst, aber greif keine Raffinerien an. Es gibt genügend andere Ziele.» Und dennoch habe Selenski weiter Raffinerien angegriffen.
Der Vorwurf, der ukrainische Beschuss russischer Infrastruktur zur Ölverarbeitung führe zu hohen Treibstoffpreisen, ist jedoch ungerechtfertigt. Als Hauptgrund sehen Experten übereinstimmend etwas, das Trump durch seinen Iran-Krieg selber verursacht hat: den gestörten Schiffsverkehr in der Strasse von Hormus.
Selenski wehrt sich
Dass Trump ihn zum Sündenbock für ein Problem machen will, das dieser selber verursacht hat, stösst Selenski offensichtlich sauer auf. Zumal die Lösung, die Trump mit dem Deal mit Putin gefunden haben will, den USA nicht einmal etwas bringt. Profitieren kann Putin, der damit seine Einnahmen steigert. Auf den Dieselpreis haben die Mengen, die er liefern kann, wohl wenig Einfluss. Trumps einziger Vorteil besteht darin, dass es in den USA Menschen geben dürfte, die dies nicht verstehen und tatsächlich glauben, der Präsident habe mit dem Deal etwas für die Senkung ihrer Lebenskosten erreicht.
Schon beim denkwürdigen Eklat zwischen Trump und Selenski im Oval Office am 28. Februar 2025 zeigte sich: Der ukrainische Staatschef wehrt sich, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt – auch wenn es sich dabei um den US-Präsidenten handelt. Und auch in den letzten Tagen hielt er sich nicht zurück: Dass Trump den Deal mit Putin eingegangen sei, nannte er «schwach». Trump stelle sich auf die falsche Seite der Geschichte. Bei einem Treffen in Brüssel am Freitag nannte er die europäischen Staatschefs dann «richtige Anführer», was als Seitenhieb auf Trump verstanden werden musste.
Ist das Verhältnis zwischen den beiden endgültig zerstört? Dass Selenski Trump Kontra gab, war riskant. Doch es gibt erste Anzeichen, dass dies vielleicht nützlich war. In der ihm eigenen Sprunghaftigkeit schlug Trump jedenfalls am Freitag plötzlich wieder versöhnliche Töne an: «Ich habe ein gutes Verhältnis zu Selenski.»